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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Kippfiguren in freier Natur

Optische TäuschungNoch eimal weiße Säulen. Bekannt ist die optische Täuschung (Figur-Grund-Wahrnehmung), wonach ein Bild von einer Version in eine andere kippt. Oft wird dieses Phänomen mit einer Vase demonstriert, deren Profil ein Gesicht zeigt. Bemerkenswert daran ist, dass man nur eine Version, Vase oder Gesicht, allgemeiner: Figur oder Grund, wahrzunehmen imstande ist, sodass die Wahrnehmung ständig zwischen beiden Versionen hin und her kippt.
Ich war bislang davon ausgegangen, dass dieses Phänomen in der freien Natur nicht vorkommt. Nun habe ich aber doch eines für einige Tage vor Augen. Auf der Terrasse meines derzeitigen Hotels sehe ich das vorliegende Bild. Wenn ich etwas verträumt darauf blicke, werde ich durch einen merkwürdigen Eindruck „geweckt“: Ich sehe altmodisch gedrechselte dunkle Säulen mit leuchtend grünem Unterteil. Natürlich rückt meine Wahrnehmung den Eindruck sofort wieder zurecht. Säulen sind es schon, die ich sehe, aber sie sind weiß und geben in ihren Zwischenraum den Blick auf einen ebenfalls profilierten Hintergrund frei. Auf dem Foto kann ich den Kippvorgang nahezu beliebig oft wiederholen, obwohl es etwas länger dauert, die „falsche“ Version hervortreten zu lassen. Wie geht es meinen Leser*innen damit?

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Diskussionen

13 Gedanken zu “Kippfiguren in freier Natur

  1. Wow!
    Sehr lange nahme ich die Zwischenräume als Figuren wahr! Obwohl man weiß, daß es weiße Säulen sind, kippt es auch später wieder zu den Zwischenraumfiguren zurück!

    Ich hatte mal vor 2 Monaten einen Blütenkelch präsentiert, dessen Inneres nach aussen gestülpt erschien. Diese Version jedenfalls bot sich mehr an als jene, die dem Verstand als einzige Lösung hätte erscheinen müssen.

    Verfasst von kopfundgestalt | 5. November 2018, 00:11
  2. ich sah zuerst nur die dunklen Säulen und staunte nicht schlecht über die grünen Röckchen. Und auch jetzt, wo ich es weiß, treten diese dunkelfarbigen Säulen deutlicher hervor, und ich muss mich zwingen,die weißen Säulen zu sehen.
    (Ich habe übrigens eben einen Eintrag zu den blauen Schatten gemacht und würde mich über Korrekturen oder sonstwelche Bemerkungen freuen).

    Verfasst von gkazakou | 5. November 2018, 00:26
    • Mir ging es ähnlich, schrieb diese Merkwürdigkeit aber zunächst meiner mangelnden Aufmerksamkeit zu. Da es dir und anderen offenbar auch so ging, könnte es auch daran liegen, dass das Dunkle eher als Objekt wahrgenommen wird als das Helle.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 5. November 2018, 10:54
  3. Nachdem ich unmittelbar zuvor Gerdas starkfarbige Schattenspiele betrachtet hatte, sprang mich sogar zuerst die „falsche“ Säule mit dem grasgrünen Fuss an und ich hielt es zunächst ebenfalls für eine veränderte Fotografie, bevor ich den Irrtum gewahrte.

    Verfasst von puzzleblume | 5. November 2018, 00:50
    • Danke für deine Antwort. Interessanterweise haben sich alle, die an der kleinen Umfrage beteiligt haben, in derselben Weise geäußert. Die Anzahl ist zwar nicht groß genug, um Statistik zu betreiben, aber bemerkenswert ist das Ergebnis allemal.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 5. November 2018, 11:05
  4. Ich nahm zunächst die falsche Version wahr, dann die weißen Säulen, und ich blieb dabei. Schöne Zeit (im Urlaub)!

    Verfasst von Veronika | 5. November 2018, 09:17
  5. Noch ein kleiner Hinweis: das, was mich wohl am meisten irreführte, war nicht so sehr die dunkle Farbe, als das grüne „Röckchen“, das eine sehr prägnante und nach vorn springende Form hat, die man nicht leicht einem Hintergrund zuordnet.

    Verfasst von gkazakou | 5. November 2018, 11:40
    • Du magst recht haben, dass meine pauschale Zuschreibung dass das dunklere eher als Figur gesehen wird, generell zu grob ist. Vielleicht sind Farben – hier das grelle Grün – ebenfalls Kandidaten für die Figur, jedenfalls im Kontes dieses Fotos.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 6. November 2018, 11:42

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  1. Pingback: Schneeflocken mal hell, mal dunkel | Die Welt physikalisch gesehen - 10. Januar 2016

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