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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Serpentinen – schlängelnde schiefe Ebenen

Wenn man durch die Bergwelt Gran Canarias fährt oder gar wandert, fallen u.a. die Serpentinen auf, die sich an den Bergen entlang schlängeln. Das Schlangenhafte liegt auch dem Wort Serpentine zugrunde und ist sicherlich das auffälligste Merkmal, insbesondere dann wenn man die endlos erscheinende Kurverei selbst durchmacht. Von oben sieht dann alles sehr friedlich aus, auch deshalb weil man endlich oben ist.
Der Sinn des Schlängelns liegt in der Verringerung der Steigungen, was nur mit einer Verlängerung des Weges zu erreichen ist. Dadurch wird die zur Überwindung der Steigung aufzubringende Kraft reduziert, denn man muss pro Streckeabscnitt, also beim Gehen pro Schritt eine geringere Höhe überwinden. Das kommt sowohl dem Wanderer als auch den vornehmlich für die flache und nicht für die schiefe Ebene konstruierten Fahrzeugen zugute.
Physikalisch gesehen gehört eine solche schiefe Ebene zu den einfachen Maschinen. Dabei geht man im Idealfall davon aus, dass die aufzuwendende Energie unverändert bleibt: Die Kraftersparnis wird gewissermaßen durch eine Wegverlängerung erkauft.
Das bezieht sich allerdings nur auf die Höhenenergie. Denn zur Fortbewegung auf einer Straße ist zur Überwindung der Reibung ebenfalls Energie aufzuwenden und die ist natürlich umso größer, je länger die Straße ist.
Beim Wandern im Gebirge sieht man manchmal „wilde“ Abkürzungen zwischen zwei Windungen einer Serpentine. Sie zeugen davon, dass einige Wanderer den Weg verkürzen wollen. Sie machen sich dabei aber oft nicht klar, dass der Kraftaufwand entsprechend größer wird und sich à la longue in körperlicher Erschöpfung äußern kann, bevor das Ziel erreicht ist.

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Diskussionen

8 Gedanken zu “Serpentinen – schlängelnde schiefe Ebenen

  1. die Abkürzer sind halt die jungen Sprinter, die einem manchmal auf dem Gipfel eines mühsam erstiegenen Bergs begegnen: sie kommen angewetzt, machen ein Foto – und weg sind sie.

    Verfasst von gkazakou | 7. November 2018, 08:59
    • Stimmt, die erlebe ich zur Zeit auch hier. Manche haben eine ganze Elektronik am Oberarm fixiert (Blutdruckmessung etc.) und die Ohren verstöpselt. Das sind schon andere Prioritäten. Übrigens, der schöne norddeutsche (?) Ausdruck „wetzen“ ist meiner Beobachtung nach fast ausgestorben.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 7. November 2018, 12:57
  2. Sehr schön! Ein anderer Vorteil des auf dem Weg Bleibens wäre, dass man keine Pflanzen zerstört und Tiere stört. Ich glaube, in einigen Mountainbike-Regionen wurde das schon zum Problem…

    Verfasst von ann christina | 7. November 2018, 09:19
  3. Physikalisch stimmt das zuletzt angedeutete, aber eine Abkürzung schafft ja psychische Erleichterung, insofern ist man i.d.r. danach etwas fitter als wenn man stoisch dem Weg folgt.

    Verfasst von kopfundgestalt | 7. November 2018, 15:45

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