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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Schattenperformance im Wüstensand

Die Frage, ob Schatten sich bewegen oder nicht hat bereits Philosophen bewegt. Das Problem hängt meist an einer weiteren schwierigen Frage, ob nämlich der Schatten eine eigene Realität besitzt oder nicht. In der Literatur hat diese Frage zumindest in Adelbert von Chamissos (1781–1838) wundersamer Geschichte von Peter Schlemihl eine eindeutige Antwort erhalten.
Ohne die Frage auch wissenschaftlich beantworten zu wollen, möchte ich doch kurz auf ein „Experiment“ eingehen, das ich in einer Dünenlandschaft mit meinem langen Schatten unternommen habe und womit ichzeigen konnte, dass er der Realität um Längen voraus ist.
Dazu habe ich die Geschwindigkeit meines Beinschattens bestimmt. Das war ganz einfach. Ich habe mein rechtes Bein in einer Sekunde etwa 50 cm hochgehoben, also mit einer Geschwindigkeit von 0,5 m/s. Der Schatten meines gehobenen Beins legte in derselben Zeit aber eine Strecke von ca. 36 m zurück (siehe Abbildung, zur Vergrößerung Bild anklicken). Damit raste er mit einer Geschwindigkeit von 36 m/s hoch. Das sind in der etwas vertrauteren Einheit von Kilometern pro Stunde immerhin knapp 130 km/h, womit mein Beinschatten in eine Größenordnung vorschnellte, die über normale menschliche Möglichkeiten hinausgeht. Jedenfalls war er schneller als mein erstes Auto.
Der Schatten hat es also in sich! Egal ob er nun real ist oder nicht, hier war er 72mal so schnell wie das Original. Wenn das nichts ist! Und wer jetzt sagt, das sei alles im Sande verlaufen, dem würden ich und mein dunkler Alter Ego es auch auf einer anderen Fläche vormachen.

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Diskussionen

12 Gedanken zu “Schattenperformance im Wüstensand

  1. Wunderbar!

    Ich las in einem Insektenbuch über einen winzigen Käfer, der 1 – 2 Meter pro Sekunde zurück legt, aber bei seiner Körpergrösse eigentlich mit 700 km/h unterwegs ist.
    Und das alles mit einer „Handvoll“ Neuronen.
    Wie geht das denn? Wenn man weiß, daß so ein Tierchen bei seiner Grösse über Stock und Stein rennen muß!
    Irgendwie unvorstellbar. 🙂

    Verfasst von kopfundgestalt | 13. November 2018, 00:07
  2. Geniales Foto. Und eine neue Kunstform, obwohl es Schattenfiguren und Tänze ja schon lange gibt. Ganz großartig, wie jede Deiner Beobachtungen und Texte, wie ich nicht müde werde zu schreiben, obwohl ich nur noch selten Zeit zum kommentieren habe. Liebe Grüße!

    Verfasst von simonsegur | 13. November 2018, 09:42
    • Ich weiß, dass ich damit nichts Neues zeige, aber die elementare, kindliche Freude an den skurrilen Schattenfiguren musste ich einfach mit anderen teilen. Vielen Dank für deine lieben Worte und viel Erfolg bei deinen Arbeiten. LG, Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 13. November 2018, 09:59
  3. nicht nur ist der Schatten hier verdammt schnell, er hat auch aus einem Menschen einen Wasserhahn gemacht. Sehr eindrucksvoll. Zur Erbauung noch ein paar meiner Schattengedanken: https://gerdakazakou.com/2018/02/02/figur-und-schatten/

    Verfasst von gkazakou | 13. November 2018, 10:52
  4. Oh mein Gott, das ist wirklich sehr schön! 🙂 Danke für diesen sehr kreativen und inspirierenden Beitrag! Ich wünsche eine gute Nacht und sende ganz liebe Grüße aus’m kinderhotel italien , Verena

    Verfasst von Verena | 13. November 2018, 20:30
  5. Was für ein wunderschönes Bild! Ich musste – warum auch immer – an den „Kleinen Prinz“ denken.

    Verfasst von ann christina | 13. November 2018, 22:27

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