//
Physik im Alltag und Naturphänomene

Lichtgestalten: die Untersonne

Wenn die Sonne auf einer glatten Wasseroberfläche gespiegelt wird, sieht es so aus, als würde eine Spiegelsonne aus den Tiefen des Sees heraus leuchten. Dabei ist sie im virtuellen Raum unter der Wasseroberfläche genauso weit unter wie die reale Sonne über der Wasseroberfläche. Dass man das meist nicht so zu sehen vermeint, liegt daran, dass unser Verstand scheinbar korrigierend eingreift.
Eine ähnliche Situation liegt vor, wenn wir aus großer Höhe, zum Beispiel von einem Berg oder einem Flugzeug aus die Sonne auf flachen, in der Luft driftenden Eisplättchen gespiegelt sehen, die wir selbst gar nicht wahrnehmen. Nimmt man den Horizont als Orientierungslinie hinzu, so kann man feststellen, dass diese sogenannte Untersonne, genauso weit darunter wie die reale Sonne darüber liegt (siehe unteres Foto). Dabei sind natürlich keine absoluten Entfernungen gemeint, sondern die Winkelhöhe.
Diese Untersonne zählt zu den Haloerscheinungen, die durch Brechung und Spiegelung an  Eisplättchen hervorgerufen werden. Die Lichtsäule über einer Laterne gehört ebenso dazu wie die Nebensonne. Während bei der Lichtsäule die Sonnenstrahlen an der Unterseite reflektiert werden, erfolgt die Reflexion bei der Untersonne an der Oberseite der sinkenden Eisplättchen (siehe Skizze). Und weil die Eisplättchen während ihres lansamen Sinkens leicht um die Gleichgewichtslage schwanken, variiert der Reflexionswinkel ein wenig. Das macht sich visuell in einer in die Länge gezogenen Form bemerkbar.
Die Schwankungen der Plättchen haben einen ganz ähnlichen Effekt wie die statistisch verteilten Wellen auf dem Meer beim Zustandekommen des Schwerts der Sonne: Das reflektierte Sonnenlicht erreicht die Augen des Beobachters aus einem gewissen Winkelbereich.

Werbeanzeigen

Diskussionen

10 Gedanken zu “Lichtgestalten: die Untersonne

  1. Schwanken also die Eisplättchen beim Sinken?Dann dürften doch eigentlich oft Winkel entstehen, die kein Licht ins Auge werfen. Wieso dann Verlängerung der Sonne? Ich würde eher geringere Intensität erwarten.

    Verfasst von kopfundgestalt | 12. Januar 2019, 00:53
    • Ohne Schwanken der Eisplättchen gäbe es nur eine Stelle, von der gemäß Einfallswinkel = Reflexionswinkel Licht ins Auge reflektiert würde. Kleine Abweichungen davon ermöglichen, dass auch von Eisplättchen aus der näheren Umgebung ins Auge reflektiert wird. Und da sehr viele Eisplättchen unterwegs sind, sind stets einige passend orientiert. Was man wie ein zusammenhängendes Lichtgebilde sieht ist also eine Momentaufnahme eines bewegten Vorgangs. Man sieht stets andere Eisplättchen aufblitzen. Die Intensität ist natürlich wesentlich geringer als die der Sonne. Man kann bedenkenlos in eine Unter- oder auch Nebensonne hineinblicken.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 12. Januar 2019, 10:21
  2. Immer wieder staunend ….

    Verfasst von Myriade | 12. Januar 2019, 13:05
  3. Nebensonne, Untersonne und auch noch das Schwert der Sonne, ich lerne und das ist gut so!
    herzliche Grüße
    Ulli

    Verfasst von Ulli | 12. Januar 2019, 14:37
    • Das freut mich. Die poetische und künstlerische Darstellung zumindest des Schwerts der Sonne wird auf diese Weise durch einen weiteren Aspekt ergänzt. Bei den anderen Sonnenphänomenen ist es schon etwas seltener. Da muss man schon suchen. Die von Schubert vertonte Winterreise von Wilhelm Müller wäre hier zu nennen. Das liegt aber auch daran, dass man bei der Beobachtung teilweise gegen die Sonne blicken muss, was man natürlich meist meidet.
      Liebe Grüße, Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 12. Januar 2019, 16:12
      • Bei dir ist das künstlerische, „spirituelle“ und wissenschaftliche gut verquickt.
        Man kann Phänomene durchaus in verschiedener Weise betrachten, ohne damit Falsches zu sagen.

        Verfasst von kopfundgestalt | 12. Januar 2019, 23:30
      • Danke, lieber Gerhard! Eine meiner wesentlichen Überzeugungen ist, dass es mehrere Sehweisen auf denselben Sachverhalt gibt. Und wenn du den Eindruck hast, dass mir dass hin und wieder zu zeigen gelingt, freue ich mich natürlich.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 13. Januar 2019, 08:30
  4. Eine passende Umgebung für das Brockengespenst
    https://de.wikipedia.org/wiki/Brockengespenst

    Verfasst von Malabar | 14. Januar 2019, 18:47

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Photoarchiv

Werbeanzeigen
%d Bloggern gefällt das: