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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Vorboten des Frühlings

Als ich gestern Morgen aus dem Fenster blickte und die Lämmerschwänzchen der Haselnuss im spärlichen Licht der noch tief stehenden Sonne geradezu wie aus sich selbst heraus leuchten sah, wurde mir bewusst, dass sich die Pflanze für die Blüte eine ganz schön ungemütliche Zeit ausgesucht hat. Die in sich biegsamen, weichen hängenden Schwänzchen bemühen sich gar nicht erst Stützgewebe auszubilden, um der Schwerkraft trotzend vertikal nach oben zu wachsen. Sie überlassen sich einfach der Schwerkraft und erreichen auf diese Weise ohne Aufwand die Vertikalität. Ein schöner Anblick zu Zeiten, da – abgesehen vom Schnee – die hellen Farben noch in der Minderheit sind. Übrigens geben sie bereits Pollen ab. Leichte Windstöße hüllen sie in die eigenen Staubkörnern ein.
Äußerlich ähnliche anorganische Strukturen, wie etwa Eiszapfen, haben dieses Problem nicht, weil sie allein durch die Umstände wie Temperatur und Feuchte determiniert sind. Ein aufrecht stehender Zapfen hat es da nicht schwerer als ein hängender. In beiden Fällen ist es die den äußeren Umständen entsprechende energetisch günstigste Gestalt.

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Diskussionen

3 Gedanken zu “Vorboten des Frühlings

  1. Ich finde das leichte „Reinwischen“ von physikalischen Grundsätzen in eine bloße Natur-Beobachtung angenehm.

    Verfasst von kopfundgestalt | 29. Januar 2019, 00:40
    • Das ist nicht immer leicht zu erreichen. Es hängt von der Tiefe des angesprochenen Problems/Phänomens ab. Manchmal erfordert es aufgrund der Herangehensweise eine mehr naturwissenschaftliche Beschreibung, manchmal kommt man mit lebensweltlichen Beschreibungen aus. Schriftsteller, die auf eine je spezifische Weise den Spagat zwischen Naturwissenschaft und Poesie hinbekommen sind m.W. Adalbert Stifter, Robert Musil, Arno Schmidt (sehr schwierig), Nicholson Baker, Jeanette Winterson (nicht leicht), um nur einige zu nennen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 29. Januar 2019, 17:35

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