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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Durchgestartet

Ich sehe einen Vogel im Anflug. Er scheint sich auf der schneebedeckten Lichtung im Wald niederlassen zu wollen. Vielleicht hat er mich im letzten Moment gesehen und es sich anders überlegt. Jedenfalls startet er mit kräftigen Flügelschlägen durch und erhebt sich wieder in die Lüfte. Eine filigrane Spur dieses Manövers ist im Schnee zu sehen. Die Flügelspitzen haben bereits die Schneedecke berührt. Ich frage mich, ob ich das Muster hätte deuten können, wenn ich den Vogel nicht selbst bei seinem Tun beobachtet hätte?
Mich erinnert der Vorgang an ein abgebrochenes Landemanövers eines Flugzeuges auf der Kanareninsel La Palma. An einem nebeligen Tag hatte das Flugzeug sich der äußerst kurzen Start- und Landebahn genähert. Man erwartete bereits den Ruck des Aufsetzens der Räder und das Aufheulen der Motoren im Umkehrschub. Aber diesmal kam das Heulen vorher und der Ruck blieb aus, der Pilot hatte die Maschine im letzten Moment wieder durchgestartet, weil – wie er hinterher erklärte – wegen des Nebels keine genügende Sicht für eine sichere Landung vorhanden war. Zum Glück sind keine sichtbaren Spuren zurückgeblieben.

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Diskussionen

16 Gedanken zu “Durchgestartet

  1. Man hätte sich sehr schwer getan, die spuren im schnee zu teuten.
    Ein künstlerisches Experiment könnte sein, im schnee entlang eines stark besuchten wegs Eindrücke herzustellen, deren natur unmöglich zu erklären wären.interessant wäre, wer das unerklärliche wahrnehmen würde.oder ob die eindrücke überhaupt wahrgenommen werden würden.

    Verfasst von kopfundgestalt | 15. Februar 2019, 09:24
  2. Womit mal wieder bewiesen wäre: „Der Mensch ist kein Vogel, er kann nicht fliegen“ (https://gerdakazakou.com/2015/07/11/schluss-mit-dem-leichtsinn/)

    Verfasst von gkazakou | 15. Februar 2019, 10:11
  3. herrliches Foto, danke!

    Verfasst von Hania Kartusch | 15. Februar 2019, 10:35
  4. Solche Flügelspuren fand ich vor zwei, drei Wochen auch auf meiner Terrasse vor, daneben eine Katzenpfote, da ich keine Federn fand, dachte und denke ich, dass es auch dieses Vöglein geschafft hat. Für mich war es in diesem Moment keine Frage was ich sah, aber ich weiß nicht, ob ich mir so sicher im Wald gewesen wäre.
    Lieber Joachim, das ist ein ganz besonders schönes Bild.
    Herzliche Grüße
    Ulli

    Verfasst von Ulli | 15. Februar 2019, 11:02
    • Liebe Ulli, solange nur Spuren von Federn und keine echten Federn im Spiel sind, kann man einigermaßen beruhigt sein. Spuren im Schnee und in der Erinnerung: Unsere Katze ist kürzlich 19-jährig gestorben. Ich habe es in dieser langen Zeit nicht vermocht, ihr die Vogeljagd (insbesondere wenn die Kleinen flügge wurden) auszutreiben. Ich habe ihr aber immerhin so manchen „Erfolg“ vereitelt.
      Liebe Grüße, Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 15. Februar 2019, 13:52
  5. Faszinierende Beobachtung mit ebensolchem Foto. Besonders, da der Piepmatz offenbar drei Flügelschläge brauchte, um sich wieder in die Lüfte zu schwingen? War es denn ein großer Vogel à la Bussard? Bei einer Amsel hätt‘ ich jedenfallls gedacht, die fliegt mit einem Schwung wieder hoch. Wunderbar!

    Verfasst von simonsegur | 15. Februar 2019, 18:18
    • Vielen Dank! Es war ein etwas größerer Vogel, jedenfalls keine Amsel. Ein Ornitologe könnte es wohl aus der Spur herauslesen. Du hast Recht, eine Amsel benötigt nicht ein so großes „Rollfeld“.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 15. Februar 2019, 18:24
      • Rollfeld ist super – das erinnert mich an den Albatross von „Bernard & Bianca“ 🙂

        Verfasst von simonsegur | 15. Februar 2019, 19:19
      • Genau! Das Schönste, das ich mal in einem Tierfilm gesehen habe, waren vollgefressene Geier, die immer mal wieder versuchten mit einem großen Anlauf zu starten und dabei zumindest in den ersten Stunden kläglich scheiterten, wobei die Stürze mit zur Seite abgeknicktem nackten Hals schon eine Slapsticknummer für sich waren.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 15. Februar 2019, 19:24

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