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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Fundstück 2 – Qualle als Unfreiwillige optische Linse

Nachdem ich vor Jahren schmerzhafte Verbrennungen bei der Begegnung mit einer Qualle hinnehmen musste, habe ich ein emotional gespaltenes Verhältnis zu diesen Tieren. Die Begegnung war insofern besonders dramatisch, als ich im Meer schwimmend den „Angreifer“ gar nicht zu Gesicht bekam, denn die transparenten Quallen sind im Wasser nahezu unsichtbar. Die neuerliche Begegnung war wesentlich entspannter, weil sie außerhalb des Wassers am Strand stattfand und einige vermutlich bereits tote Quallen betraf. Das Bedrohungspotenzial war daher so gering, dass unwillkürlichen Fluchtbewegungen leicht im Zaume gehalten werden konnten. Im Gegenteil, ich besaß die Kaltblütigkeit mich einem der Tierchen zu nähern, um es in Augenschein zu nehmen und auch noch zu fotografieren (siehe Foto)
Auf dem Foto sieht man, dass die Qualle dank ihres transparenten halbkugelförmigen Körpers wie eine optische Linse wirkt und die Steinchen auf denen sie liegt ein wenig vergrößert abbildet. Außerdem ist eine leichte Fokussierung des Sonnenlichts festzustellen: ein Teil des vom Quallenkörper bedeckten Bodens wird intensiver ausgeleuchtet, während ein anderer Teil im Schatten liegt.  Selbst die spiegelnde Reflexion des Sonnenlichts ist im linken Bereich der Qualle zu erkennen. Das heißt, Transparenz bedeutet nicht zwangsläufig, dass alles Licht durchgelassen wird. Denn mit jeder Brechung ist auch eine Reflexion verbunden, deren Intensität vom Einfallswinkel abhängt.
Dass man solche Quallen im Wasser nur sehr schwer erkennt, liegt daran, dass das Licht vom Quallenkörper kaum verändert wird. Denn dieser hat fast denselben Brechungsindex wie das Wasser selbst und hebt sich nicht sichtbar vom Wasser ab.

Diskussionen

11 Gedanken zu “Fundstück 2 – Qualle als Unfreiwillige optische Linse

  1. „Transparenz bedeutet nicht zwangsläufig…“
    Denn mit jeder Brechung ist auch eine Reflexion verbunden, deren Intensität vom Einfallswinkel abhängt… 👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍

    Verfasst von Adelso Bausdorf - Bildender Künstler | 27. Februar 2019, 00:11
  2. Ohje Joachim, da hattest Du Glück daß nicht mehr passiert ist! Ein schwaches Herz darf man bei solch einer Begegnung wohl nicht haben! Trotzdem sind diese Geschöpfe faszinierend!
    Eine gute Nacht!
    Liebe Grüße Babsi

    Verfasst von kunstschaffende | 27. Februar 2019, 00:13
    • Die Narbe der Verbrennungen habe ich heute noch. Das Schlimmste war jedoch, dass die Begegnung im Meer (200 Meter vom Strand,Tiefe etwas 10 m) passierte, wo ich gleichzeitig darauf achten musste, über Wasser zu bleiben. Danke, für deine Anteilnahme. Liebe Grüße,Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 27. Februar 2019, 09:27
      • 🙈Da hattest Du Schutzengel! Ich kann gut verstehen, daß Deine Begeisterung für diese Wesen sich nur auf das physikalische Beschränkt! Sicher ist es nach diesem Erlebnis immer ein komisches Gefühl im Meer zu schwimmen! Ich weiß nicht, ob ich da überhaupt noch schwimmen würde!🙁🙄

        Verfasst von kunstschaffende | 27. Februar 2019, 11:24
  3. Mit solchen haben wir uns als Kinder am Strand Schlachten geliefiert. sie scheint mir zu den völlig harmlosen Quallen zu gehören – im Gegensatz zu den Feuerquallen, die man allerdings ganz gut im Wasser sehen kann. Der griechische Name ist Meduse – deren Haupt Athene auf ihrem Schlld trug.
    Die Meduse ist ein höchst interessantes Wesen: Bekanntlich schlug Perseus ihr das Haupt ab – und aus der Halswunde entsprang das Dichterpferd Pegasus.

    Verfasst von gkazakou | 27. Februar 2019, 00:21
    • Der Angriff erfolgte wohl tatsächlich von einer Feuerqualle. Gesehen habe ich sie aber trotzdem nicht gesehen und die irrationale Furcht vor den Tierchen ist geblieben. Ich hoffe, dass die physikalische Rationalisierung (offenbar am untauglichen Objekt) hilft, das „Trauma“ zu überwinden. Die literarische Verarbeitung der Meduse bei den alten Griechen kenne ich natürlich. Sie scheint mir ebenfalls auf spektakulären Erfahrungen der alten Dichter oder derer Gewährsmänner zu beruhen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 27. Februar 2019, 09:39
      • Lieber Joachim, ich war mir nat[rlich sicher, dass du die griechischen Varianten kennst – aber hier lesen ja auch andere mit, und ich habe eben eine unüberwindliche Neigung, meine Assoziationen auszubreiten – zumal wenn es um Griechisches geht. ich hoffe, du empfindest das nicht als Missbrauch der Kommentierunktion. Herzliche Grüße zum Tag!

        Verfasst von gkazakou | 27. Februar 2019, 10:17
      • Nein, liebe Gerda, ich empfinde deine Kommentare nicht als Missbrauch der Kommentierfunktion, sondern als echte Bereicherung der Beiträge. Bitte breite auch in Zukunft deine klugen und lehrreichen Assoziationen über uns aus. Insbesondere deine Kenntnisse der griechischen Gegenwart und Vergangenheit sind immer wieder eine wohltuende Vertiefung bzw. Ergänzung. Auch dir herzliche Grüße zu einem schönen Tag, Joachim.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 27. Februar 2019, 10:32
  4. Erstaunlich, welche Wege alles die Evolution gegangen ist. Quallen sind schon extrem eigenartige Tiere. Sie imitieren sozusagen Wasser, was ein hoher Grad von Mimkry darstellen dürfte.

    Verfasst von kopfundgestalt | 27. Februar 2019, 11:58

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