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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

X mal Pi mal Paddelboot

Was ist das? Ist doch klar: Ein nasser Feudel*. Dieser Rätselspruch kommt mir angesichts des heutigen Pi-Tages in den Sinn. Als ich noch zur Schule ging, kam dieser Ausspruch oft im Matheunterricht zur Sprache. Wenn wir angesichts von bestimmten Berechnungen, in denen die Kreiszahl Pi (geschrieben als π) vorkam, von deren Irrationalität angesteckt wurden und uns auf diese Weise ans rationale Ufer zu flüchten versuchten, half uns dieser Spruch.
Inzwischen ist mir klar, dass das Pi zur DNA  aller runden Dinge gehört. Dazu gehört zum Beispiel die Pizza, die nicht nur das Pi im Namen enthält, sondern auch bei der Bestimmung ihres Umfangs und ihrer Fläche auf eine Portion Irrationalität in Form de Pis angewiesen ist. Und zur Feier des Tages habe ich mir eine zylindrische Rolle runder Kekse zugelegt. Sie enthält gleich zwei kreisrunde, also pi-haltige Schichten, die mit Schokolade zusammengehalten werden, wodurch ein schmackhafter Übergang zur Rationalität gelingt. (Ja ich weiß, zu viel Süßes ist nicht rational.)
Aber auch hier gilt wie bei vielen anderen realen Dingen, dass die Abweichung von der pi-haltigen Rundheit eher die Regel als die Ausnahme ist. Dabei muss man gar nicht erst an gerundete Formen denken, in denen das i in Pi zum o mutiert.
Wenn das Pi sogar sein P verliert, sodass nur noch das i übrig bleibt, geht alles Konkrete zugunsten der Komplexität verloren: Wir haben es dann nicht mehr nur mit einer irrationalen Zahl zu tun, sondern sogar mit einer imaginären. Die ist so unvorstellbar, dass man deren Einheit i, erst einmal quadrieren muss, um auf -1 zu kommen, was zwar immer noch negativ ist aber vielleicht nicht mehr so ganz unvorstellbar. Oder besser: An negative Zahlen haben wir uns gewöhnt.

Wer π nicht berechnen will, der kann es auch auf einfache Weise experimentell ermitteln. Dazu muss ein zylindrischer Behälter mit dem Radius 1 (in beliebiger Einheit) bis zur Höhe 1 mit (gefärbten) Wasser gefüllt werden. Dann nehme man eine quadratische Säule mit der Quadratlänge 1. Füllt man jetzt das Wasser aus dem Zylinder in die Säule, so hat der Wasserspiegel exakt die Höhe π. Man muss es nur noch ausmessen.
Ist doch einfach; und vor allem muss man nicht rechnen. Man kann aber auch alles dem Taschenrechner überlassen.


* Feudel = Wischtuch zur Feuchtreinigung des Bodens.

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Diskussionen

23 Gedanken zu “X mal Pi mal Paddelboot

  1. Schmunzel — schöner PI-Beitrag!

    Verfasst von finbarsgift | 14. März 2019, 09:44
  2. Pipapo!! Das ist ja eine wunderbar anschauliche Variante der Quadratur des Kreises! (bzw einer der Schritte dahin) 🙂
    Νatürlich liebe ich das Π auch sehr, wer könnte sich seinem Charme entziehen? Denke ich an Π, wird mir ganz schwindlig im Kopf wie bei einem Tanz der Derwische.

    Verfasst von gkazakou | 14. März 2019, 11:19
  3. Das ist doch nur näheringsweise der Fall. 🙂
    Der Zylinder wird noch benetzt sein und die Anzahl der Atome ist begrenzt..Luft mischt sich beim Umfüllen hinzu.
    Wieviel getreue nk-stellen sind praktisch so erreichbar?

    Ich denke, ich werde es mal ausprobieren! Danke Joachim! Mir gefielen auch die witzigen Elemente, das wollte ich noch nachschieben!

    Verfasst von kopfundgestalt | 14. März 2019, 19:11
    • Du hast natürlich Recht, dass die Nachkommazahlen nur schwerlich zu erreichen sind. Man muss schon ziemlich große Gefäße und auch die sehr präzise herstellen, um 3,14 ablesen zu können. Wir haben das in den 90ern mal mit Plexiglasgefäßen gemacht. Trotzdem wäre es eine sehr schöne Idee, wenn du die beiden Gefäße aus Ton machen würdest. Das wäre ein echtes Hightlicht – egal wie genau sie das Pi wiedergeben würden.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 14. März 2019, 19:37
      • Würde es gerne bis an mein Lebensende versuchen 🙂
        Nach tausend keramikdoppelgefaessen würde ich dann vermutlich ausrufen können: Die 3,1 geknackt, hurra!

        Verfasst von kopfundgestalt | 14. März 2019, 21:10
      • Die beiden Gefäße in Keramik nebeneinander würden in ihrer urwüchsigen Tonstruktur auf etwas Exaktes verweisen und so eine irr(e)ationale Spannung zwischen irdischer Schwer und mathematischer Leichtigkeit erzeugen. Du müsstest nur die Füllhöhe mit dem oberen Rand gleichsetzen (wegen der fehlenden Transparenz).

        Verfasst von Joachim Schlichting | 14. März 2019, 21:21
  4. Auf dem Gymnasium, das ist mir noch in Erinnerung, fragte unser Mathelehrer, was denn nun ein “zweiundzwanzig – Siebtel -Lot” sei. Die Antwort: ein Pilot! Liebe Grüße

    Verfasst von juergenkuester | 14. März 2019, 20:33

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  1. Pingback: Dem Pi-Tag gewidmet: ein Kapitel aus den „Schwanenwegen“ | GERDA KAZAKOU - 14. März 2019

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