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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Gebogene Bischofsstäbe des Frühlings

Wie gebogene Bischofsstäbe sprießen die Farne, wie Keulen, die ihre Festen, kleinen Fäuste gegen den vergangenen Winter ballen. Dann, mit einem zuversichtlichen Recken und Strecken, entrollen sie ihre breiten Chlorophyllsegel, trinken das rote und blaue Licht der Sonne und verleihen der Jahreszeit ihre grüne Gestalt.
Chet Raymo (*1936)

Mich erinnern die sich entrollenden Farne an Papyrus-Rollen, in denen bereits zur Zeit der alten Ägypter Informationen gespeichert und durch Entrollen zugänglich gemacht werden konnten. Die Farnrollen enthalten in nuce das, was die spätere Pflanze ausmacht, die auch in anderer Hinsicht beeindruckend ist.

Vom rein phänomenologischen Standpunkt her gesehen erinnern mich die jungen Farne aber auch an langhalsige Vögel wie etwa Flamingos, wie sie sich mir schon in jungen Jahren aus früheren Aufenthalten in der Camargue (Südfrankreich) eingeprägt haben.
Der Farn ist außerdem steinalt, wie u.a. Versteinerungen zeigen.

Darauf dass die jungen Farnköpfe nicht nur äußerst schön, sondern offenbar auch essbar sind, wurde ich durch eine Passage in Arno Schmidts „Abend mit Goldrand“ (Frankfurt 1975) aufmerksam gemacht:

Schöner Farn. :wenn die Blätter noch ganz zart & zusamm’gerollt sind, kochn se Manche, in Wasser : schmeckt wie Spargel. – :Na, was geht Dir durch d’n Täti?

 

 

Diskussionen

13 Gedanken zu “Gebogene Bischofsstäbe des Frühlings

  1. Schmeckt wie Spargel… soso. Das ist bei jungen Hopfenspitzen übrigens auch so, nur rollen sie sich nicht so toll. Schöne Grüße, Birgit

    Verfasst von tontoeppe | 5. Mai 2019, 00:23
  2. Der Vergleich mit den kleinen Fäusten, die sich ballen um den Frühling gegen den Winter durchzuboxen, ist mit der innewohnenden Spannung sehr gelungen, finde ich. Mit der Essbarkeit sollte man in Deutschland lieber nicht drauflos experimentieren, sonst bekommt einem das womöglich gar nicht, besonders der in Gärten häufig gepflanzte Wurmfarn ist giftig.

    Verfasst von puzzleblume | 5. Mai 2019, 00:41
    • Ich habe mich inzwischen aufgeschlaut und ebenfalls herausgefunden, dass bei uns die meisten Farne giftig sind. In andere Ländern würden bestimmte Farnspitzen im unausgerollten Zustand als Delikatesse verspeist. Vielen Dank für deinen Hinweis; nicht dass die Aussage von Arno Schmidt noch auf unsere Waldfarne übertragen wird. Liebe Grüße, Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 5. Mai 2019, 08:11
  3. Sie sind wunderschön und das seit Jahrmillionen …..

    Verfasst von Myriade | 5. Mai 2019, 00:46
  4. Dieses Stadium muss ich auch immer wieder fotografieren, Frühjahr für Frühjahr und immer kommen ganz unterschiedliche Bilder dabei heraus. Früher hat man den Wurmfarn auch getrocknet und in die Matrazen gestopft, soll gut gegen rheumatische Schmerzen sein und man vergiftet sich nicht 😉
    Ich lasse auch die lieber die Finger weg, er ist so schwer zu unterscheiden, hier kann man noch mehr dazu lesen: https://www.gartenjournal.net/farn-essbar
    liebe Grüße
    Ulli

    Verfasst von Ulli | 5. Mai 2019, 13:02
    • Du hast natürlich recht, auch ich fotografiere immer mal wieder einen schönen Farn, wohlwissend dass das viele machen. Aber es gibt immer wieder neue Aspekte. Das mit den Matrazen kannte ich nicht und was die Essbarkeit betrifft, so bin ich von Natur aus skeptisch gegen Pflanzen, die ich nicht kenne. Das gilt insbesondere für Pilze. Danke auch für den Hinweis!
      Liebe Grüße, Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 5. Mai 2019, 14:25

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