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Physik im Alltag und Naturphänomene

Geheimnisvolle Minivulkane am Strand

Der aus hellen und dunklen Körnern bestehende Sand des Strands von Maspalomas (Gran Canaria) wird durch die Einwirkungen von Wind und Wasser ständig gemischt und auch wieder entmischt. Eine Entmischung in  getrennte Schichten hellen und dunklen Sands  wird beispielsweise durch Winde bewirkt, die über einen längeren Zeitraum aus einer bestimmten Richtung wehen. Dabei spielen die unterschiedliche Dichte der Sandarten eine wesentliche Rolle.
Wenn sich die Windrichtung ändert oder der geschichtete Sand den Wirkungen von Ebbe und Flut ausgesetzt ist, entstehen wieder andere Muster, bei deren individueller Ausgestaltung zufällige Einflüsse von Bedeutung sind und unter dem menschlichen Blick zu Pareidolien führen.
Wenn man aber auf einfach geometrische Gebilde stößt, wie etwa die in dem Foto zu sehenden Kreis- und Ringgebilde, fällt es schwer darin rein zufällige Hervorbringungen zu sehen. In der Tat liegt ihnen ein komplexes Geschehen zugrunde. Wie bereits an anderer Stelle ausfühlicher beschrieben, handelt es sich um waagereche Schnitte durch kleine wenige Zentimeter hohe abgerundete Sandkegel, die von der letzten Flut zurückgeblieben sind. Der durch das auflaufende Wasser ansteigende Grundwasserspiegel hat dazu geführt, dass die in den Kapillarsystemen des trockenen Sands enthaltene Luft ausgetrieben und durch Wasser ersetzt wurde. Dabei ist eine Art unterirdisches Flussnetzwerk entstanden, allerdings in drei Dimensionen, in dem sich die winzigen Wasserströme vereinigen und schließlich zur Oberfläche vordringen. Durch die nach oben hin verdrängte Luft wird an bestimmten Stellen die oberste Sandschicht zu Sandkegeln aufgeblasen. Sie bleiben aufgrund ihrer gewölbeartigen Bauweise in den meisten Fällen auch dann erhalten, wenn der Druck nachlässt und das Wasser sich bei Ebbe wieder zurückzieht. Das trockengelegte Kapillarsystem wird dabei wieder weitgehend durch Luft gefüllt.
Sofern diese minivulkanartigen Kegelbauten, die oft an Hervorbringungen von kleinen Tieren erinnern, bis zur nächsten Flut überleben, werden sie durch das auf- und ablaufende Wasser abgetragen, sodass wie bei einem Kegelschnitt die Sandschichtung in Form von Ringen sichtbar wird (Foto). Man findet diese Ringsysteme vorwiegend am äußersten Wassersaum des Hochwassers.
Wenn das nächste Hochwasser nicht so weit reicht, bleiben oft ganze Felder derartiger Sandpusteln erhalten. Wie stark dieser Bereich mit Luft „aufgeblasen“ wurde, merkt man daran, dass es sich in diesen Gebieten anfühlt, wie auf Watte zu laufen. Man sinkt mit den Füßen relativ tief in den luftdurchwirkten Sand ein. Das vermittelt den Strandwanderern, denen nicht an ein schnelles Vorankommen gelegen ist, ein angenehmes Gefühl der Leichtigkeit und Luftigkeit unter den Füßen. Schnelleres Laufen wird allerdings anstrengend im krassen Unterschied zum ansonsten festen sandigen Untergrund in der Nähe des Wassers.

 

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Diskussionen

26 Gedanken zu “Geheimnisvolle Minivulkane am Strand

  1. Ist ja toll. Ich hätte gewettet, dass hier Tiere oder Wichtel am Werke gewesen sind.

    Verfasst von gkazakou | 10. Mai 2019, 00:04
  2. Feiner Bericht!
    Auf Fuerteventura hätte mir das auch auffallen müssen…vielleicht laufen da einfach auch zuviele dem Strand entlang. 😉

    Verfasst von kopfundgestalt | 10. Mai 2019, 00:14
    • Man muss schon am Strand sein, wenn das Wasser abläuft und die Touristenschar noch nicht aktiv ist. Morgens gibt es dazu zahlreiche Gelegenheiten. Ich kenne das Phänomen bislang nur von Gran Canaria. Es ist meiner Recherche zufolge kaum bekannt.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 10. Mai 2019, 08:31
      • Ich habe das nochmal gelesen, weil ich nach Mitternacht nicht so aufnahmefähig bin.

        Eine Frage zu:
        „Sofern diese minivulkanartigen Kegelbauten, die oft an Hervorbringungen von kleinen Tieren erinnern, bis zur nächsten Flut überleben, werden sie durch das auf- und ablaufende Wasser angetragen, sodass wie bei einem Kegelschnitt die Sandschichtung in Form von Ringen sichtbar wird (Foto)“
        Was ist mit angetragen gemeint?
        Ist es so, daß diese Kegel durch das stete Kommen und Gehen des Wassers im Sekundentakt soweit abgetragen werden, daß Schnittflächen entstehen wie bei einer durchgeschnittenen Zwiebel?

        Verfasst von kopfundgestalt | 10. Mai 2019, 11:59
      • Gut dass ich so aufmerksame Leser habe. Es muss natürlich „abgetragen“ heißt. Das „n“ liegt zu dicht beim „b“. Du hast es aber richtig verstanden: es ist wie bei der durchgeschnittenen Zwiebel.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 10. Mai 2019, 13:21
      • Fragt sich jetzt nur, wie der jeweilige Austausch vor sich geht: Das Wasser treibt die Luft raus, wenn die Kegel bedeckt sind von Wasser.
        Zurückgelassen am Strand scheint der Effekt gegenläufig gewesen zu sein. Luft hat das Wasser ersetzt.
        Vielleicht ist beides relativ einfach.
        Im 2. Fall sackt das Wasser nach unten weg und Luft nimmt einfach den Platz ein.?!

        Verfasst von kopfundgestalt | 10. Mai 2019, 13:25
      • Das steigende Grundwasser treibt die Luft aus dem Kapillarsystem heraus wodurch am oberen Rande des auflaufenden Wassers wie beim Kochen der Dampf in einem zähen Brei Blasen aufbläst, die dann allerdings meist wegen der Gewölbebildung erhalten bleiben und nicht gleich wieder in sich zusammensacken. Bei Ebbe bleiben diese aufgeblasenen Erhebungen erhalten und die Luft gewinnt ihr Reich im Sand bis zum abgesunkenen Grundwasserspiegel zurück.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 10. Mai 2019, 18:59
      • Das auflaufende Grundwasser bläst also diese Sandhügel erst richtig auf? Entschuldigung, daß ich nochmal nachfrage.

        Verfasst von kopfundgestalt | 10. Mai 2019, 19:27
      • Ja, so ist es. Das Wasser drückt die Luft heraus und einigen Stelle entweicht sie nicht einfach so in die Atmosphäre, sondern drückt an einigene Stelle eine temporär und partiell luftundurchlässige Sandschicht hoch.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 10. Mai 2019, 21:37
      • Oh toll!

        Verfasst von kopfundgestalt | 10. Mai 2019, 22:12
  3. Das ist ja wieder einmal faszinierend.!

    Verfasst von Myriade | 10. Mai 2019, 10:42
    • Vielen Dank! Ich bin auch immer wieder beeindruckt von der Gestaltungsvielfalt der Natur.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 10. Mai 2019, 11:51
      • Ja, wie schön die Welt erst ohne Menschen wäre. Vielleicht ist es ja bald so weit ….

        Verfasst von Myriade | 10. Mai 2019, 11:55
      • … hoffentlich nicht so bald, obwohl der Mensch alles darauf anlegt.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 10. Mai 2019, 13:23
      • Es wird einfach nicht kooperiert. Einzelne und zudem schmalste Lösungen…
        Plastikeinkaufstüten weg, aber Verpackungen aus Plastik, die mind. 90 % des täglichen Einkaufs ausmachen, sind omnipräsent.
        Unsere Spezies ist einfach unvernünftig, man kann es drehen wie man will.

        Verfasst von kopfundgestalt | 10. Mai 2019, 13:29
      • …und wenn man im Geschäft auf eine (Plastik-) Verpackung verzichtet, wird man oft wie ein Spielverderber angeschaut.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 10. Mai 2019, 16:48
      • Dann würde Schönheit, so wie wir sie verstehen, garnicht mehr existieren.

        Verfasst von kopfundgestalt | 10. Mai 2019, 13:26
      • Kann man so sehen.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 10. Mai 2019, 16:55
      • Wieso nicht.? Nur wir würden nicht existieren und könnten sie nicht genießen

        Verfasst von Myriade | 10. Mai 2019, 18:31
      • Myriade, Ich denke, Schönheit ist ein menschliches Konzept.

        Verfasst von kopfundgestalt | 10. Mai 2019, 19:21
      • Natürlich, aber, das, was wir als schön empfinden, verschwindet nicht wenn wir verschwinden.

        Verfasst von Myriade | 10. Mai 2019, 21:59
      • Nehmen wir an, Menschen sähen eine „Farbe“, die sonst niemand sieht. Wenn er weg ist, existiert diese „Farbe“ sozusagen nicht mehr. Niemand kann sie dann sehen.
        „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“, sagt man auch.

        So meinte ich das, mit meiner lapdiaren Bemerkung :-).

        Die Natur würde gut gedeihen und sich erholen und aller Vorraussicht nach prosperieren. Alles würde gut ineinandergreifen.

        Verfasst von kopfundgestalt | 10. Mai 2019, 22:30
      • Ja, so wäre das wohl. aber wir werden es nicht erfahren 🙂

        Verfasst von Myriade | 11. Mai 2019, 21:16
  4. Wahrscheinlich wäre das so. aber wir werden es nie erfahren 🙂

    Verfasst von Myriade | 11. Mai 2019, 21:19

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  1. Pingback: Filigrane Sanddächer in der Wüste | Die Welt physikalisch gesehen - 16. Mai 2019

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