//
Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Mehrfachabbildungen eines Falters

Dieses Foto bekam ich von Claudia Hinz geschickt. Es scheint auf den ersten Blick so etwas wie ein mehrfacher Schatten eines Falters zu sein, der auf nicht unmittelbar zu erkennende Flächen geworfen wird. Um damit etwas anfangen zu können, ist die Information wichtig, dass der Falter auf der Außenseite einer Doppelglasscheibe eines Flughafengebäudes fotografiert wurde.
Damit beginnt aber auch schon dass Problem. Denn wenn eine Scheibe nur einigermaßen sauber ist, fehlt die für die Ausbildung eines merklichen Schattens notwendige Absorption des Lichts.
Was wir hier sehen sind also keine Schatten, sondern mehrere Spiegelungen der dunklen, weil kaum beleuchteten Unterseite des Falters. Die Spiegelungen finden an jeder Grenzschicht des Glases mit der Luft statt. Die (vom Falter aus gesehen) erste Spiegelung findet also auf der Oberfläche der äußeren Glasscheibe des Fensters statt. Die zweite Spiegelung an der Rückseite derselben Glasscheibe. Die dritte Spiegelung wird durch die Innenseite der zweiten Scheibe und die vierte Spiegelung durch deren (ins Innere des Gebäudes weisende) Außenseite bewirkt.
(Wer nicht vertraut ist mit der Tatsache, dass Vorder- und Rückseite eines Spiegels reflektieren, halte ein Taschenlampe oder eine brennende Kerze dicht an einen Spiegel. Sie oder er wird erkennen, dass neben der Spiegelung durch die metallische Hinterseite auch die Vorderseite das Licht ein wenig reflektiert. Zum Glück merkt man davon bei normal hellen Gegenständen nichts.)
Auffallend sind sowohl der vergleichsweise große Abstand der Spiegelungen zwischen Vorder- und Rückseite der Scheiben als auch der Abstand zwischen den beiden Spiegelungspaaren. Das lässt auf dicke Scheiben schließen, die außerdem einen großen Abstand voneinander haben. Der Grund dafür könnte darin liegen, dass die Scheiben eines Flughafengebäudes einen extremen Schallschutz bieten müssen.
Die dritte Spiegelung hat außerdem einen leichten Gelbschimmer, was auf eine dünne Beschichtung der Innenseite dieser Scheibe schließen lässt. Das insgesamt vorherrschende Blau macht deutlich, dass das Fenster außer der Unterseite des Falters vor allem das bläuliche Tageslicht reflektiert.  Darin kann ein weiteres Argument gesehen dafür gesehen werden, dass es sich bei dem Phänomen nicht um Schatten handeln kann. Für eine derartig ausgedehnte Lichtquelle wären sie viel zu scharf.

Werbung

Diskussionen

11 Gedanken zu “Mehrfachabbildungen eines Falters

  1. cool ein interessantes Phänomen sehr gut erklärt!
    sag mal, bist Du Lehrer?

    Verfasst von Uschi | 20. Mai 2019, 05:35
  2. Licht fällt also auf die Unterseite des Falters und wird an der 1. Grenzfläche reflektiert.
    Da der Falter auf der Glasscheibe sitzt, fragt man sich, woher das Licht denn kommt. Ah, wahrscheinlich fällt es in Richtung des Kopfs und zwar fast parallel zur Glafläche? Die 4 Reflecxionen zeigen ja auch die Einfallsrichtung an.

    Bin sehr müde vom gestrigen Tag, daher weiß ich nicht, ob meine Anmerkungen von Wert sind.

    Verfasst von kopfundgestalt | 20. Mai 2019, 11:33
    • Deine Anmerkungen sind immer von Wert und wenn sie nur auf Schwächen in meiner Argumentation hinweisen. Das Licht, das von der Unterseite der Flügel ausgesendet wird, kann ja nur aus dem Innern des Gebäudes kommen. Es ist daher und durch zusätzliche Absorptionen am der Unterseite des Falters im Vergleich zum Licht von außen von vergleichsweise geringer Intesität.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 20. Mai 2019, 12:17
      • Herzlichen Dank!
        In welchem Winkel zur Glasscheibe fällt dann das Licht von innen (hatte ich zuerst auch vermutet ) auf die Unterseite des Flügels?

        Verfasst von kopfundgestalt | 20. Mai 2019, 12:49
      • Im allgemeinen aus allen Richtungen. Es ist für den dargestellten Effekt aber völlig unbedeutend. Entscheidend ist nur, dass das von der Unterseite der Flügel ausgehende Licht je nach deiner Blickposition gemäß Einfallswinkel = Reflexionswinkel von den Grenzflächen aus in dein Auge kommt. Es ist eben eine Spiegelung.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 20. Mai 2019, 12:59
      • Danke!

        Verfasst von kopfundgestalt | 20. Mai 2019, 13:23
  3. Vielen lieben Dank, dass Du das aufgegriffen und so gut erklärt hast. Ich war selbst auch auf dem Holzweg, dass es sich um Mehrfach-Schatten des Falters gehandelt hat.

    Verfasst von ch | 22. Mai 2019, 21:12
    • Gerne! Nun hast du es schon selbst gefunden. Ich wollte dich gerade benachrichtigen. Mit der Schattenvermutung warst du nicht allein. Selbst Kollegen auf einer Fortbildung äußerten dies beim ersten Anblick spontan.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 22. Mai 2019, 21:19

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Photoarchiv

%d Bloggern gefällt das: