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Marginalia

Lesen im Park

Ein kleiner Park mit Bänken. Vom Flanieren müde, nehme ich Platz, um mich ein wenig auszuruhen. Auf den anderen Bänken sitzen bereits Leute. Was mich wundert, fast alle lesen. Nicht irgend eine Zeitschrift, sondern ein Buch. Erstaunlich! Als ich später den Park verlasse, entdecke ich diesen Bücherschrank, gut bestückt. Eine gute Idee, die Schule machen sollte.

Zur Relativierung meiner Leseleidenschaft möchte ich an dieser Stelle den ersten deutschen Experimentalphysiker und Aufklärer Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799) mit einigen Aussagen zu Wort kommen lassen:

Es ist ganz gut, viel zu lesen, wenn nur nicht unser Gefühl darüber stumpf würde, und über der großen Begierde immer ohne eigne Untersuchung mehr zu wissen, endlich in uns der Prüfungs- Geist erstürbe und nicht welches noch übler ist, Gefühl und Denken in Erinnerung an das Gelesene verwandelt würde (besser) Lessing sagt (ich weiß nicht wo ich glaube in einem seiner Briefe an Klotzen) er glaube er habe für seinen gesunden Menschen- Verstand fast zu viel gelesen, und dieses beweist wie gesund sein Menschen- Verstand sei  (Vermischte Schriften 1844).

Es schicken wohl wenige Menschen Bücher in die Welt, ohne zu glauben, daß nun jeder seien Pfeife hinlegen oder sie anzünden würde, um sie zu lesen. Daß mir diese Ehre nicht zugedacht ist, sage ich nicht bloß, denn das wäre leicht, sondern ich glaube es auch, welches schon etwas schwerer ist, und erlernt werden muß. Autor, Setzer, Corrector und Censor mögen es lesen, vielleicht auch der Recensent, wenn er will, das sind also von tausend Millionen gerade fünfe (Sudelbücher J 238).

Schreibt man denn Bücher bloß zum Lesen? Oder nicht auch zum Unterlegen in die Haushaltung? Gegen eins, das durchgelesen wird, werden Tausende durchgeblättert, andere Tausend liegen stille, andere werden auf Mauslöcher gepreßt, nach Ratzen geworfen, auf andern wird gestanden, gesessen, getrommelt, Pfefferkuchen gebacken, mit andern werden Pfeifen angesteckt, hinter dem Fenster damit gestanden (Sudelbücher E 311).

 

 

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Diskussionen

10 Gedanken zu “Lesen im Park

  1. Das ist aber ein schickes Modell. In Lüchow gibt es seit einigen Jahren auch einen Bücherschrank zum Herausnehmen und Zurückstellen oder zum Tauschen, dem mangelt allerdings an dieser Eleganz.

    Verfasst von puzzleblume | 28. Mai 2019, 01:21
  2. Bücherwelten waren für mich früher Parks.

    In London besuchte ich vor 33 Jahren vornehmlich die Parks. Aber immer öfter löste sich zuletzt Park mit Kunstausstellung und dann mit Buch ab: Selbst in einer Kleinstadt wie Kelheim suche ich die vorhandenen Buchhandlungen auf – oder sogar in Fuerteventura.

    Dabei bin ich kein Schnellleser oder Vielleser im eigentlichen Sinne, aber das Faszinosum Buch wirkt so nachhaltig wie es andere Dinge früher waren: Leichtathletik oder Schach.

    Ein mir gut bekannter Großmeister sagte mal auf die Gewissens-Frage, ob er eher eine WM auf einer Insel verfolgen würde oder lieber eine tolle Frau kennenlernen wollte: Die Insel mit der Schach-WM.

    Das Buch ist das Glück des alten Manns, wer sagte das?!
    Nunja, auch junge Leser gibt es und das ist gut so.

    Verfasst von kopfundgestalt | 28. Mai 2019, 01:33
  3. Auf Reisen stets zuerst in die Buchläden, neuerdings zu den öffentlichen Bücherschränken. Kenne schon eine Menge. Chaotische (s.Netphen), sehr ordentliche (s.Bad Berleburg und Schmallenberg), und die bei Wikip. aufgeführte Liste ist längst nicht vollständig!
    Gruß von Sonja

    Verfasst von wildgans | 28. Mai 2019, 09:28
  4. Diese Bücherschränke sind eine feine Sache, und zum Glück werden immer mehr davon aufgestellt. Der erste offene Bücherschrank bei mir in der Gegend tauchte vor sechs oder sieben Jahren auf, und vor ein paar Wochen ist wieder einer „online“ gegangen, mit zwei neuen Bänken direkt daneben. Man hat damit fast immer Zugang zu irgendwelchem Lesestoff.

    Was ich auch mag ist bookcrossing.com, aber das ist unberechenbarer.

    Verfasst von gnaddrig | 28. Mai 2019, 10:50

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