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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Ein Baum wie aus einem Traum

Bäume sind nicht nur schön, mächtig, grün und was man sonst noch alles an ihnen gut finden kann. Manchmal sind sie auch skurril. Das wurde schon mehrfach in diesem Blog dokumentiert (z.B. hier und hier und hier und hier und hier). Aber der Baum auf diesem Foto übertrifft vieles, was ich in dieser Hinsicht gesehen habe. Wie diese Verwachsungen entstanden sind, und wie der enorme Stammzuwachs durch einen Ast des Nachbarbaums zwischen den beiden Bäumen organisiert wurde, ist kaum noch zu rekonstruieren.
Indem der Nachbarbaum gewissermaßen einen Versorgungs in Form eines Astes beisteuert wird nicht nur kräftiger, er wird durch diese Verschränkung mit dem anderen Baum auch wesentlich stabiler. Beide Bäume schaffen sich durch diese Kooperation gewissermaßen ein zweites Standbein: Windlasten dürften dadurch erheblich ungefährlicher werden.
Wie man unschwer erkennt, ist inzwischen der astspendende Baum eingegangen, während der andere nunmehr allein zurechkommen muss. Der Grund für das Absterben hat allerdings nichts mit der Kooperation der beiden zu tun. Hier waren Schnitzer am Werk – ahnungslos oder böswillig – , die am unteren Ende des nunmehr absterbenen Baums einen Streifen der Baumrinde ringsherum herausgeschnitten haben.

Diskussionen

5 Gedanken zu “Ein Baum wie aus einem Traum

  1. Eine Animation wäre hier schön, um das Wachstumsvorgehen bildhaft zu machen 🙂
    Die Verschmelzung ist schon eigenartig: Welches Programm mag das veranlassen?

    Anfänglich wird sich dicke Rinde nicht gebildet haben. Die zwei Äste gingen in gleiche Richtung , waren vielleicht verhindert, auseinanderzugehen durch einen jetzt schon abgeholzten älteren Baum an der Seite, als sich die dicke Rinde zu bilden begann. So schoben sich wie bei der Continentaldrift die Rindenschichten der zwei Äste übereinander. Der ältere Baum zur Seite fiel, da war die Bruderschaft der Äste daneben schon fest.

    Verfasst von kopfundgestalt | 17. Juni 2019, 00:24
  2. Tree shaping nennt sich die Kunst, diese Fähigkeiten in der Gartenkunst zu verwenden.
    https://en.wikipedia.org/wiki/Tree_shaping

    Verfasst von puzzleblume | 17. Juni 2019, 07:12
    • Vielen Dank für den Hinweis. Dass der Mensch hier einiges vermag, z.B. das Pfropfen, ist schon erstaunlich, dass die Natur von „sich“ aus kaum nachvollziehbare Strukturen hervorbringt, ist kaum zu glauben, wenn man es nicht mitten in einem Wald vor Augen hätte.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 17. Juni 2019, 08:59

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  1. Pingback: Auch Bäume stützen müssen sich manchmal abstützen | Die Welt physikalisch gesehen - 25. Februar 2021

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