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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Ein Baum wie aus einem Traum

Bäume sind nicht nur schön, mächtig, grün und was man sonst noch alles an ihnen gut finden kann. Manchmal sind sie auch skurril. Das habe ich schon mehrfach in meinem Blog dokumentiert (z.B. hier und hier und hier und hier und hier). Aber der Baum auf diesem Foto übertrifft mit seiner Struktur alles, was ich in dieser Hinsicht gesehen habe. Wie diese Verwachsungen entstanden sind, in welcher Reihenfolge sich die einzelnen Stämme vereinigt haben, ist kaum noch zu rekonstruieren. Offenbar hat er auch den Förster so beeindruckt, dass der ihn hat stehenlassen. Denn holzwirtschaftlich dürfte er kaum einen Wert haben.
Betrachtet man das Phänomen, das in den Naturwissenschaften unter dem Terminus Inosculation bekannt ist, aus künstlerischer Perspektive, so wird man vielleicht an den Garten der Lüste von Hieronymus Bosch erinnert, wo (in der Hölle) ein bewohnbares Gebilde zu finden ist, das von mehreren Ästen zweier Bäume getragen wird. Jedenfalls kam mir das in den Sinn, als ich mir klarmachte, dass sich hier zwei Äste eines Baums vereinigen, von denen der eine aus einem dritten hervorgeht. Dabei sieht es so aus, als ob er umgekehrt in letzteren einmünden würde. Aber das kann ja wohl nicht sein, weil ansonsten die Richtung der Saftströme nicht mehr stimmte.
Der obere Stamm, der aus den beiden zusammenwachsenden Ästen hervorgeht, erscheint dicker als die Äste zusammen. Das ist ebenfalls erstaunlich, weil ein Baumstamm in der Regel nach oben hin dünner wird. Wie dem auch sei, der Baum lebt, hat eine Krone mit grünen Blättern und wird wohl – wenn man ihn lässt – so auch noch eine Weile weiter wachsen.

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Diskussionen

4 Gedanken zu “Ein Baum wie aus einem Traum

  1. Eine Animation wäre hier schön, um das Wachstumsvorgehen bildhaft zu machen 🙂
    Die Verschmelzung ist schon eigenartig: Welches Programm mag das veranlassen?

    Anfänglich wird sich dicke Rinde nicht gebildet haben. Die zwei Äste gingen in gleiche Richtung , waren vielleicht verhindert, auseinanderzugehen durch einen jetzt schon abgeholzten älteren Baum an der Seite, als sich die dicke Rinde zu bilden begann. So schoben sich wie bei der Continentaldrift die Rindenschichten der zwei Äste übereinander. Der ältere Baum zur Seite fiel, da war die Bruderschaft der Äste daneben schon fest.

    Verfasst von kopfundgestalt | 17. Juni 2019, 00:24
  2. Tree shaping nennt sich die Kunst, diese Fähigkeiten in der Gartenkunst zu verwenden.
    https://en.wikipedia.org/wiki/Tree_shaping

    Verfasst von puzzleblume | 17. Juni 2019, 07:12
    • Vielen Dank für den Hinweis. Dass der Mensch hier einiges vermag, z.B. das Pfropfen, ist schon erstaunlich, dass die Natur von „sich“ aus kaum nachvollziehbare Strukturen hervorbringt, ist kaum zu glauben, wenn man es nicht mitten in einem Wald vor Augen hätte.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 17. Juni 2019, 08:59

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