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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Ungewöhnliche Sehhilfe

Das Foto – in einer Einkaufs- und Flaniergasse am Strand aufgenommen – sieht aus wie durch eine rosarote Brille betrachtet. Ist es aber nicht, sondern wie das untere Foto zeigt an einer entsprechend gefärbten verspiegelten Brille reflektiert. Die Brillengläser entlarven jedes für sich die beiden Seiten der Situation. Rechts sieht man die Spiegelung eines hinter dem Fotografen liegenden offenen Restaurants; links die Spiegelung des Fotografen, der die Brille als „Sehhilfe“ in einer eher ungewohnten Weise nutzt. Der Betrachter ist also im doppelten Sinne im Bilde, als Sehender und Gesehener, auch wenn das eigene Bild leicht übersehen wird.

Die Situation hat ungewollt etwas Voyeuristisches. Keiner der Abgebildeten ahnt etwas davon, dass er im „Bilde“ eines Beobachters agiert.
Die klassische Situation ist eine andere. Der erste deutsche Experimentalphysiker Georg Christoph Lichtenber (1742 – 1799) hat es einmal so ausgedrückt:
Die Gesichter der gemeinen Leute auf einer Strase anzusehen ist jederzeit eines meiner grösten Vergnügen gewesen. Keine Zauberlaterne komt diesem Schauspiel bey.
Und Charles Baudelaires sagt:
Der Beobachter ist ein Fürst, der überall sein Inkognito genießt.

 

Diskussionen

4 Gedanken zu “Ungewöhnliche Sehhilfe

  1. Viele Assoziationen kommen dazu hoch.
    Um nur eine zu nennen:
    Ich war einst im neuen Kunstmuseum Nürnberg.
    Da gab es eine Installation mit etwa 6×6 Bildschirmen. Auf diesen sah man meist junge Leute reden, ohne sie zu hören. Die allermeisten dieser Leute wirkten interessant, sie schienen bedeutsames zu äußern.
    Wenn man sich einen der 6×6 Kopfhörer griff, verstand man, dass es Selbstdarstellungen waren. Und was man dann hörte , klang plötzlich nicht, wie vom Auftreten her suggerierend, intellektuell, sondern unfreiwillig unwahrhaft, eitel, falsch. Es war entwaffnend, gespiegelt (!) zu bekommen, was man wohl so alles äußert, wenn man sich selbst nicht ständig „zensiert“.

    Verfasst von kopfundgestalt | 29. Juli 2019, 10:41

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