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Didaktik, Geschichte, Wissenschaftstheorie, Marginalia

Vom Nutzen der Schmetterlinge

Zur Verteidigung des Witzes. In bequemeren Zeitaltern, als unser gegenwärtiges ließ man den Himmel durch die Philosophie befragen warum er das Böse geschaffen hätte, da es etwas höchst Unangenehmes wäre. Unser gegenwärtiges ernsthaftes Dezennium wird ihn hoffentlich bald befragen warum er die bunten Schmetterlinge und den Regenbogen hat werden lassen, der offenbar zu weiter nichts da ist, als daß sich die Gassenjungen und Mädchen darüber freuen, oder ein physikalischer Müßiggänger in Betrachtungen darüber gerät.*

Wenn Lichtenberg (1742 – 1799) gewusst hätte, dass diese – von ihm ironisch gemeinte – Bemerkung insofern von der Menschheit geteilt werden würde, als diese sich um das Schicksal der Schmetterlinge kaum gekümmert und ihren Lebensraum inzwischen arg begrenzt hat, wäre er vermutlich sehr betroffen. Während der Regenbogen bislang wohl noch nicht bedroht ist (wenn man einmal davon absieht, dass der Regen in unseren Breiten auch immer seltener zu werden scheint), sind Schmetterlinge und andere Insekten selten geworden. Und die vermehrte Aufmerksamkeit die sie erfahren hängt vermutlich nur damit zusammen, dass man etwas spät entdeckt hat, wie abhängig die Menschheit von ihnen ist. Lichtenberg würde dieses Gegenbeispiel, dass dieses „Böse“ nicht vom Himmel, sondern vom Menschen geschaffen wurde, vermutlich mit dem Hinweis kontern, dass auch der Mensch ein Geschöpf des Himmels sei.


* Georg Christoph Lichtenberg. Sudelbücher (D 182)

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Diskussionen

4 Gedanken zu “Vom Nutzen der Schmetterlinge

  1. Immer mehr Menschen fühlen sich betroffen. Anscheinend ist die Zeit reif dafür. Man wusste ja schon seit längerem von dem artenschwund bei den Insekten, meines Wissens seit 30 Jahren.
    Gebiert jetzt diese Betroffenheit genug monentum, das nötige mit Nachhaltigkeit zu tun?!
    In meinem persönlichen, nähesten Umfeld machen sich mindestens 60 Prozent Gedanken. Der Rest scheint sich nicht anders zu verhalten wie sonst, lässt sich nicht beeinträchtigen von allem.
    In den letzten Tagen versuchte ich – ein wenig – über das Stichwort „konstruktiver journalismus“ etwas Entlastung zu finden.
    Es gibt Innovationen, einzelne kümmern sich konkret und tragen bei. Doch weiss ich nicht, wie groß die Anstrengungen sein müssen.
    Ich finde es wie gesagt wichtig, sich einen gewissen Optimismus zu bewahren

    Verfasst von kopfundgestalt | 11. August 2019, 00:19
    • Ich mache ganz ähnliche Erfahrungen. Allerdings ist eine pessimistische und resignative Haltung auch nicht gut, insbesondere wenn man sie Kindern vorlebt, die ja das Leben noch vor sich haben. Allerdings sollte man sich schon mit den jeweils zur Verfügung stehenden Mitteln dafür einsetzen, das Ruder herumzureißen und die dazu notwendigen (politischen) Entscheidungen unterstützen. Dabei wird man um drastische Maßnahmen und Verbote nicht herumkommen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 11. August 2019, 09:03
  2. womit Lichtenstein ganz richtig liegt. Auch der Mensch ist ein Geschöpf des „Himmels“.

    Verfasst von gkazakou | 11. August 2019, 11:51

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