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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Selfies und ihr plötzliches Verschwinden

Als ich mich dem Teich näherte, hatte ich den Eindruck intensiv aus vielen Augen angeglotzt zu werden. Als ich näher kam, erwies sich dieser Eindruck auf unerwartete Weise korrekt. Ich sah mich selbst auf zahlreichen Halbblasen, die der Springbrunnen hinterlassen hatte, abgespiegelt. Selfies an einem so ungewöhnlichem Ort ist schon etwas Besonderes. Aber in der Vielzahl erschien mir das dann doch ein wenig übertrieben. Irgendwie war das auch den Blasen klar – eine nach der anderen platzte und verschwand und nahm das Spiegelbild gleich mit. Wo die wässrige Substanz der Blase – Wasser – geblieben ist, weiß ich. Aber was ist aus den Bildern, meinen Selfies, geworden?

Vielleicht helfen uns die Worte von Michel Foucault (1926 – 1984): Dieses Verschwinden, dieses Aufgehen des Endlichen ist keine einfache Möglichkeit, die sich verwirklichen läßt oder nicht, sondern die Natur der Dinge ist eine solche, daß sie den Keim ihres Verschwindens in sich tragen. Die Stunde der Geburt ist zugleich die ihres Todes.

Übrigens: Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass jede Halbblase mehrere Spiegelbilder zeigt. Wie viele? Und wie kommen sie zustande?

 

Diskussionen

4 Gedanken zu “Selfies und ihr plötzliches Verschwinden

  1. das ist einfach zu zauberhaft, um es mit einer physikalischen Erkläung zu prosaisieren. Aber soviel: Ich habe den Eindruck, dass immer vier Selfies auf einer Halbblase erscheinen. Doch handelt es sich um verkümmerte Selfies, bis auf die eine, dominante.

    Verfasst von gkazakou | 30. August 2019, 00:13
    • Du hast recht. Es sind jeweils vier. Die Verkümmerungen inklusive der Kopfstände sind wirklich beträchtlich. Ich muss irgendwo noch ein Foto haben, wo alle vier relativ gut zu sehen sind. Wenn ich es finde, zeige ich es hier.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 30. August 2019, 08:30
  2. Frech würde ich sagen: Vier.

    Was ist der Sinn unserer Existenz? Das fragt man sich immer wieder.
    Unser Verschwinden wird völlig ohne Belang sein. Eine Zeit lang wird eine „Rede“ existieren, es wird Dokumente geben, die aber keiner einsehen wird.
    Ich hörte unlängst die Stimme meines toten Bruders, die ich aufgezeichnet hatte. Sie klingt so seltsam unbekannt. Was also höchstens bleibt, sind bestimmte Erinnerungsfetzen, die aber wohl jeder anders innerlich erleben würde. Letztlich keine überzeugenden innerlichen Dokumente.
    Was bleiben kann, ist unser Impact. Das was wir weitergeben, im Guten und Bösen. Es baut am Ganzen mit. Ameisenhaft.

    Verfasst von kopfundgestalt | 30. August 2019, 00:22
    • Die Antwort ist richtig, obwohl es schon schwierig ist alle vier Spiegelbilder zu sehen: Es treten jeweils ein Bild an der Vorder- und Rückseite der eigentlichen Halbblase auf und jeweils ein Bild (kopfstehend) an der kehlenartigen konkaven Aufwölbung des Wassers am Fuße der Halbblase. Das erwähne ich nur noch mal für diejenigen, die Schwierigkeiten haben, die vier Abbilder zu erahnen.
      Was deine philosophischen Einlassungen zum eigenen Verschwinden betrifft, so sehe ich das als Versuch, eines der größten Welträtsel für einen selbst zumindest „ruhig zu stellen“. Da sich bislang keiner aus dem Reich der Toten gemeldet hat, bleibt alles Spekulation.:)

      Verfasst von Joachim Schlichting | 30. August 2019, 08:26

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