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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Man sieht nicht, was man zu sehen glaubt…

In den Scheiben des Schiffes spiegeln sich die Sonnenreflexe des welligen Wassers. Und umgekehrt, so ist man geneigt zu sagen, spiegeln sich diese Spiegelungen in den Scheiben im Wasser. Doch so einfach ist es nicht.
Wie man an den Schatten erkennen kann, strahlt die Sonne von rechts oben auf die Breitseite des Schiffs und auf die Wasserfläche davor.
Von der Wasseroberfläche wird das Licht gemäß dem Reflexionsgesetz zum Schiff hin und damit auch auf die Scheiben reflektiert. Da die Wasseroberfläche nicht vollkommen eben, sondern leicht gewellt ist, kommt das Licht diesen Unebenheiten entsprechend aus leicht unterschiedlichen Richtungen und wird daher von den Scheiben auch in unterschiedliche Richtungen reflektiert. Die so entstandenen Lichtfetzen, die dabei die Augen des Beobachters bzw. die Kamera erreichen sind von blendender Helle – stellen sie doch deformierte Abbilder der Sonne dar. Da die Vorgeschichte der mehrfach reflektierten Lichtstrahlen vom Auge nicht erfasst werden kann, erscheint es so, als seien die Scheiben mit den Wasserreflexen überzogen.
Die Sonnenstrahlen, die direkt von links oben auf die Fensterfront fallen, werden nach unten auf das Wasser reflektiert. Wenn sie dann von dort aufgrund günstiger Neigungen (Einfallswinkel = Reflexionswinkel) des leicht bewegten Wassers die Augen des Beobachters erreichen, sieht es so aus, als käme das Licht von der Wasseroberfläche, die demnach aussieht als wäre sie mit deformierten Fensterscheiben belegt. Jedenfalls lässt sich eine ungefähre Zuordnung zwischen den Fenstern des Schiffs und den Reflexen auf dem Wasser treffen. Es ist also nicht so, dass man auf dem Wasser die Strukturen reflektiert sieht, die man im Fenster sieht.
Der weiße Schiffskörper ist im Übrigen so hell, das auch sein Spiegelbild schemenhaft auf dem Wasser zu sehen ist.

 

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Diskussionen

2 Gedanken zu “Man sieht nicht, was man zu sehen glaubt…

  1. Es ist verwirrend.
    Zwei Mal spielen die Fenster sowie das bewegte Wasser eine Rolle: Fenster bildet sich auf Wasser ab und Wasser auf Fenster.
    Man könnte meinen: Was kommt denn zuerst?! 😉

    Verfasst von kopfundgestalt | 7. September 2019, 00:10
    • In jedem Fall sieht man die Sonne reflektiert. Man muss sich nur klarmachen, dass unsere Augen die „Knicks“ in den Lichtwegen nicht mitbekommen und die reflektierte Sonne stets in geradliniger Verlängerung der Richtung sehen, aus der das Licht ins Auge fällt. Etwas verworren klingend, aber durchaus einfach nachvollziehbar. 🙂

      Verfasst von Joachim Schlichting | 11. September 2019, 10:13

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