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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene, Physik und Kultur

Spinnennetze als indirekte Beleuchtung

O sieh das Spinnennetz im Morgensonnenschein,
Wie es vom Tau noch voll kristallner Tropfen hängt!
Im leichten Winde wiegt es seiner Perlen Pracht,
Die in den silbergrauen Maschen hier und dort
So flüchtig sich wie sanft und zierlich eingeschmiegt.
Sieh, so ist alles Glück. So hängt es flüchtig sich
In unsrer Tage schwankendes Gespinst,
Und es erschauert unter seiner köstlichen Last
Des Majaschleiers weltdurchwallendes Geweb*

An manchen Morgen in dieser Zeit, wenn es gerade hell geworden ist, scheint die vertraute Landschaft der Krummhörn verändert. Überall an den Feldrändern, den schilfgesäumten Schloten und Kanälen blitzen hell leuchtende Spinnennetze in den verschiedensten Formen auf. Sie sind nicht erst heute dort, aber sie werden erst jetzt sichtbar, weil die kühlen Nächte für reichlich Tau sorgen, der sich besonders in den Spinnennetzen niederschlägt. Diese Wassertropfen sind so klein, dass sie das Licht wie Nebeltropfen in alle Richtungen streuen und die ansonsten aus verständlichen Gründen nahezu unsichtbaren Spinnennetze zu einer erstaunlichen Sichtbarkeit verhelfen. Sie scheinen aus sich heraus zu leuchten.

 


*Christian Morgenstern (1871 – 1914)

Diskussionen

8 Gedanken zu “Spinnennetze als indirekte Beleuchtung

  1. Sieh, so ist alles Glück. von flüchtiger Dauer.

    Verfasst von kopfundgestalt | 13. Oktober 2019, 00:03
  2. Herrlich, das Foto. Ich finde im Moment auch jeden Morgen Spinnennetze, aber meistens fehlt schon etwas. Mich wundert ja, dass sich die Natur im Laufe der Evolution nichts einfallen hat lassen, um die Spinnennetze auch im Morgentau unsichtbar zu machen, aber wahrscheinlich ist das gar nicht notwendig. In der Früh sind noch keine Insekten unterwegs, und sobald die Sonne hervorkommt, ist das Netz schnell wieder trocken und unsichtbar. Am Nachmittag finde ich dann kaum noch die Stelle, wo ich in der Früh fotografiert habe.

    Verfasst von Richard | 13. Oktober 2019, 10:14
    • Danke! Ich teile deine Vermutung. Die Insekten haben am Morgen noch selbst damit zu kämpfen, ihre Tautropfen loszuwerden, mit denen sie oft bedeckt sind. Leider ist es mir noch nicht gelungen, in Tropfen gehüllte Insekten zu fotografieren. Die wenigen Male wo ich sie zufällig sah, hatte ich keine Kamera dabei.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 13. Oktober 2019, 10:21
      • Ich hatte schon Insekten, die mit Tropfen im Pelz ihr Tagewerk vollführten. Wenn es nicht viele sind, ist es für sie kein Malheur.

        Verfasst von kopfundgestalt | 13. Oktober 2019, 10:32
      • Merkwürdig, offenbar sind sie diesen natürlichen Vorgängen ausgeliefert. Ich selbst habe mal ein Insekt entdeckt, dass sich von den Tropfen, die es mit den Beinen/Armen erreichen konnte zu befreien versuchte. Eine Rolle spielt sicherlich auch noch die Temperatur. Bei zu niedrigen Temperaturen sind die Insekten einfach immobil ob sie wollen oder nicht.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 13. Oktober 2019, 10:52
  3. Allerfeinst!!

    …grüßt Syntaxia

    Verfasst von o)~mm | 13. Oktober 2019, 13:09

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