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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Ein Becher mit (physikalischem) Profil

Als ich in den leeren Becher hineinblickte, sah ich auf dem Boden eine sternförmige Lichtstruktur (oberes Foto). Und da nichts ohne Ursache ist, suchte ich nach selbiger. Sie steckte in der geriffelten äußeren Form des Bechers (unteres Foto links). Diese Riffel dienen der Wärmeisolierung bei heißen Getränken.
Bei der Prägung dieser Vertiefungen im Herstellungsverfahren und der damit verbundenen Verdichtung der Becherwand sind an den entsprechenden Stellen der Innenwand weder direkt sichtbare noch fühlbare winzige Erhöhungen entstanden, die auf diese Weise den Becher im Innern mit einem den äußeren Prägungen entsprechenden inversen Muster versehen haben. An diesem äußert kleinen wellenartigen Profil wird das von schräg oben auffallende Licht den Vertiefungen und Erhöhungen entsprechend abwechselnd fokussiert und defokussiert, was auf dem Innenboden des Bechers als entsprechendes Muster aus hellen und dunklen Streifen sichtbar wird.
Die Asymmetrie des Musters ist eine Folge des Blickwinkels (Kameraposition). Nachdem mir das klar war, versuchte ich durch nachträgliche Bildbearbeitung zu erreichen, dass man das leichte Wellenprofil auch direkt zu Gesicht bekommt. Und siehe da, es ist in der Tat schemenhaft zu erkennen (Foto unten rechts).

Dieser Becher erinnert ein wenig an den chinesischen Zauberspiegel, dessen Struktur auch erst in der Reflexion sichtbar wird.

Diskussionen

8 Gedanken zu “Ein Becher mit (physikalischem) Profil

  1. genauso faszinierend wie den Stern finde ich den Sichelmond aus Licht, über den er sich erhebt.

    Verfasst von gkazakou | 9. Dezember 2019, 00:08
  2. Dies erinnert mich auch wieder an die Arbeit mit Ton.
    Prägt man einer Schale von aussen nachträglich, also nachdem man sie etwa aus einer Gipform herausgeholt hat,Struktur ein oder glättet die Aussenfläche, weil sie ja aus Lagen Ton zusammengesetzt sein kann, dann hält man gewöhnlich die Hand auf der Innenseite dagegen, denn der Druck der aussen vorgenommenen Korrektur kann man schon sonst evtl. innen erkennen. Zudem könnten sich durch die Beanspruchung auch Risse bilden.
    Am allerbesten ist es natürlich, wenn man schon in der Gipform strukturbildende Dinge wie Ähren ect einlegt und darauf die Lagen Ton andrückt.

    Was Du da mit dem Becher in der Bildbearbeitung gemacht hast, machte ich unlängst mal an winzigen kleinen weißen Pilzen. Dadurch wird die Schirmstruktur der Pilze erst überhaupt sichtbar.

    Verfasst von kopfundgestalt | 9. Dezember 2019, 07:44
    • Deine Tonarbeiten sind hier natürlich sehr naheliegend. Vielen Dank für die als Ergänzung zu verstehende Beschreibung. Ich kann mir gut vorstellen, dass man auch beim Zauberspiegel durch digitale Nachbearbeitung des Fotos die ohne dies unsichtbaren Spuren herausarbeiten könnte. Aber mit der Spiegelung ist das natürlich ungleich spektakulärer.
      Trotzdem hat man mit den Bildbearbeitungsprogrammen ein mächtiges Gestaltungsinstrument.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 9. Dezember 2019, 09:58
      • Bis dato nutze ich fast nie solch ein Programm, ausser zum Schneiden natürlich.
        Wenn man ein Insekt vor hellem Hintergrund fotografiert, dann kann eine Aufhellung Wunder wirken, was sicher erlaubt ist und ich erst seit ganz Kurzem nutze.

        Verfasst von kopfundgestalt | 9. Dezember 2019, 13:21
      • Ich nutze es praktisch nur für physikalische Zwecke, z.B. um – wie im vorliegenden Fall – dem normalen Blick verborgene Strukturen sichtbar zu machen. Ansonsten muss das Foto für sich selbst sprechen. In den Digitalkameras kann man aus künstlerischen Gründen bestimmte „Verschönerungen“ der Wirklichkeit (höhere Sättigung, kräftige Farben, verschwimmender Hintergrund) ja bereits beim Fotografieren einstellen. Das kommt für mich wegen der Glaubwürdigkeit der Phänomene nicht in Frage. Das Bild soll so weit wie möglich dem ähnlicht, was man auch mit den Augen sieht.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 9. Dezember 2019, 14:18
      • Naja. Wenn ich ein Himmelsleuchten sehe und es kommt auf dem Foto nicht rüber? Ich weiß nicht, wieso das Auge da deutlich mehr sieht!
        Ansonsten ist es ja auch so, daß ein und dasselbe Insekt, etwa die blaue Schmeissfliege, je nach Licht ganz anders aussieht (meine jetzt nicht die Strukturfarben). Ist der Ort des Insekts etwas beschattet, verleugnet es sozusagen seine Art.
        Wenn Du ein Insekt mit Bing.com zur Identifikation suchst, könnte es sein, daß man es unter anderer Lichtgebung besser findet.

        Aber nein: Ich manipuliere nicht, das nochmal zum Schluß. Auch wenn ein Foto dann nicht so augenfällig daherkommen mag.

        Verfasst von kopfundgestalt | 9. Dezember 2019, 14:27
      • Ich denke wir sind einer Meinung.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 9. Dezember 2019, 14:42

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