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Physik im Alltag und Naturphänomene

Es ist nicht alles Gold was glänzt

Gold ist etwa zu 0,2 Millionstel Prozent in der Erdkruste enthalten. Das ist angesichts der Größe der Erdkruste gar nicht so wenig. Das Problem ist nur es zu gewinnen. Es erfordert nämlich erheblich mehr als die sprichwörtliche Stecknadel im Heuhaufen zu „schürfen“. Aber es gibt ja die Goldadern, in denen das Gold in einer etwa 1000 mal so großen Konzentration enthalten ist.
Wie entstehen solche Goldadern? Diese Frage stellte sich mir als ich im Sockel eines Denkmals vermeintliche Goldadern vor Augen zu haben glaubte (siehe Foto). Obwohl es so aussieht, wird es sich natürlich nicht um Gold handeln. Ich schätze mal, dass es Pyrit ist, bin aber auch nicht sicher.
Echte Goldadern entstanden anders und zwar während der Perioden der Gebirgsentstehung vor 3 Milliarden Jahren. Das Gold war ursprünglich wie andere Spurenelemente auch in riesigen Wassermassen enthalten, das durch tiefe seismisch aktive Schluchten strömte. Es war trotz sehr hoher Temperaturen nur deshalb flüssig, weil es unter großem Druck stand, wodurch eine Verdampfung verhindert wurde. Wenn es dann durch Erdbeben zu aderförmigen Riss- und Spaltenbildungen im Gestein kam, konnte das Wasser sich plötzlich ausdehnen. Wegen des damit verbundenen Druckabfalls verdampfte es und entzog dem Gestein weiteres Gold und andere Elemente enthaltendes Wasser. Dieses verdampfte abermals, bis sich ein neues Gleichgewicht eingestellt hatte. Infolge vieler Erdbeben reicherten sich daher diese Elemente in den Gesteinsadern an und blieben zurück als das Wasser längst verschwunden war – sehr zum Nutzen der Goldgräber*


* Dion K. Weatherley, Richard W. Henley. Flash vaporization during earthquakes evidenced by gold deposits. NATURE GEOSCIENCE 6/4 (2013), p. 294

Diskussionen

17 Gedanken zu “Es ist nicht alles Gold was glänzt

  1. Man sieht ja oft weisse Adern bei Gesteinen am Meer. Woraus diese Adern bestehen, weiss ich nicht. Kalk kann es wohl nicht sein?!
    Jedenfalls fotografiere ich gerne diese Zeichnungen.

    Verfasst von kopfundgestalt | 15. Januar 2020, 01:24
  2. Wir hatten letztes Jahr eine „Goldader“ an einer Baumrinde im Wald entdeckt, die sehr natürlich mit dem Baumharz ausgeschieden worden zu sein schien. Bei australischen Goldlagern wurde ja schon eine erhöhte Konzentration in Blättern und Rinde wissenschaftlich nachgewiesen. Leider stellte sich nach längerer gründlicher Untersuchung und Nachforschung heraus, dass offenbar jemand aus unerfindlichen Gründen die von uns gesehene „Gold“-Fichte mit Goldfarbe „verziert“ hatte!

    Verfasst von Wolfram | 15. Januar 2020, 12:13
  3. und woher kommt das Gold? Aus dem Kosmos?

    Verfasst von gkazakou | 15. Januar 2020, 17:38
    • Genau. Die Elemente stammen aus Sternexplosionen. Die schweren Element wie Gold setzen eine SuperNova voraus. Da auch wir Menschen schwere Elemente enthalten, stammen wir letztlich von den Resten einer Supernova ab 😉

      Verfasst von Joachim Schlichting | 15. Januar 2020, 17:43
      • Danke, Joachim. das bestätigt, was ich woanders bereits gelesen hatte. Tatsächlich habe ich das Motiv in meinem „Schwanenroman“ (2005, nie beendet) genauso verwendet und wollte gern eine Bestätigung von dir. 😉 Die Passage lautet:
        „Ludwig hatte den gewaltigen blutroten Nebel der Supernova auf einem Foto gesehen. Er glich einem gefährlichen Polypen, der sich zwischen den schönen Hauptsternen der Zwillinge ausbreitete, den Rücken gegen Pollux, die Fangarme gegen Kastor gerichtet. Nach herkömmlicher Theorie hatte sich hier eine Supernova selbst in die Luft gesprengt – eine etwas unbefriedigende Ausdrucksweise, wie Ludwig fand. Denn von welcher Luft konnte hier die Rede sein? Die chemischen Elemente, die der Stern während seiner Lebenszeit synthetisiert hatte, zerstreuten sich bei dieser gewaltigen kosmischen Explosion im Raum – Material für künftige Sternenwelten und planetarische Systeme. Aus diesen Stern-Prozessen stammte auch das Eisen im Blut, stammte das Calcium der Knochen. Die noch schwereren Elemente – Gold und Silber und Kupfer -, brauchten, um sich zu bilden, die unvorstellbar hohe Energie einer explodierenden Supernova. Wenn man solche Metalle in der Hand hielt – einen Kupferpfennig zum Beispiel, oder ein goldenes Kettchen -, wer war sich schon dieser gewaltigen Entstehungszusammenhänge bewusst?
        Während Ludwig seinen Blick auf den Ort gerichtet hielt, an dem er den roten Schleier von IC443 mehr erahnte als sah, sann er, in sich hineinschauend, dem Schicksal seines Blutes und seiner Knochen nach, und ihm kam das Lied von Joanie Mitchell in den Sinn: Aus Sternenstaub sind wir geschaffen. Leise pfiff er die Melodie vor sich hin in die Stille der Nacht, die sich über das hügelige Land und das Wasser breitete, eine Stille, die durch das leise Regen, plötzliche Quaken und Flattern, Auffliegen und Quietschen unsichtbaren Nachtgetiers noch vertieft wurde.“

        Verfasst von gkazakou | 15. Januar 2020, 18:08
      • Das liest sich gut. Schade, dass der Roman noch nicht erschienen ist 🙂

        Verfasst von Joachim Schlichting | 15. Januar 2020, 19:15
      • Nun, immerhin habe ich ihn geschrieben. 700 Seiten…. 🙂

        Verfasst von gkazakou | 15. Januar 2020, 20:26
      • Grundsätzlich liebe ich solche Bücher, die unsere Ursprünge beleuchten.
        Von Gottfried Schatz, dem Biochemiker, liebte ich den Artikel „Der Kobold in uns“, in dem er auf das Spurenelement Kobalt hinwies, das für uns unabdingbar ist.

        Verfasst von kopfundgestalt | 16. Januar 2020, 00:55
      • Es ist schon interessant sich klarzumachen, dass 13 Milliarden Jahre „ins Land gehen mussten“, bis die „Bauelemente“ ausgebrütet waren, die für Biosphäre, also insbesonder uns Menschen, nötig waren.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 16. Januar 2020, 09:45
      • Du stösst auch etwas an, was ich mich vor Jahren schon fragte: Wie kann man große Zahlen versinnbildlichen. Ich sties dabei durch Recherche auf Chris Jordan „Running the numbers“
        http://www.chrisjordan.com/gallery/rtn/#silent-spring

        Er zeigt vorbildlich, was es z.b. an Fläche, Stück an Stück, bedeutet, daß 2007 in den USA pro Tag 426.000 Handys weggeworfen wurden. Genauso natürlich mit Plastikabfällen und vielem mehr.

        Verfasst von kopfundgestalt | 16. Januar 2020, 11:34
      • Eine solche Veranschaulichung ist wirklich eine wichtige Sache. Bei Zahlen scheint es eine obere Grenze zu geben, ab der der Eindruck von der Größe nicht mehr steigt. Um solche Steigerungen dennoch wahrnehmbar zu machen, ist man auf entsprechende Vorstellungshilfen angewiesen. Danke für den interessanten Link.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 16. Januar 2020, 13:19

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