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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Fenster im leichten Schneegestöber

Wenn Schnee oder Graupel ans Fenster schlagen kann man oft einen interessanten Wachstums- und Strukturbildungsvorgang beobachten, insbesondere dann, wenn die Außentemperaturen nicht zu niedrig und die Raumtemperatur einigermaßen hoch ist. Der Schnee haftet zunächst an der Scheibe, beginnt durch die Scheibe erwärmt zu schmelzen und auf dem dadurch entstandenen „Schmierfilm“ durch die Gravitationskraft beflügelt abzugleiten. Der Vorgang vorläuft manchmal sehr langsam, weil die Adhäsionskraft zwischen Wasserfilm und Scheibe am oberen Ende überwunden und am unteren Ende neu gebildet werden muss.
Es zeigt sich eine deutliche Tendenz der rutschenden Schneefladen, sich mit anderen zu vereinigen und es kommt infolgedessen zur Ausbildung länglicher Strukturen, die auf die bereits am unteren Ende der Scheibe angekommenen und durch nachfolgende Fladen zusammengedrückten Schneebasis auftreffen. Die Strukturen sehen oft wie wachsende Büsche aus. Im Unterschied zu botanischen Büschen wachsen sie allerdings von oben nach unten und gehen in dem Maße, wie von oben angebaut wird unten in die bereits bestehende Schneebasis über.
Im vorliegenden Fall hat sich also schnell ein stationärer Zustand ausgebildet. Auch die Schneebasis behält ihre mittlere Höhe bei, weil der Schnee unten genauso schnell wegschmilzt wie er oben hinzukommt.
Kleinere Schneeteile, die sofort an der Scheibe auftauen sowie bereits in der Luft entstandene Tropfen besiedeln die Scheibe ebenfalls. Wegen ihrer geringeren Masse bleiben sie oft an einer Stelle haften, es sei denn sie werden durch einen größeren Schneefladen mit nach unten genommen. Obwohl die Tropfen ziemlich unförmig sind, betätigen sie sich pflichtgemäß als eine Art Sammellinse. Das ist daran zu erkennen, dass sie die Landschaft kopfstehend abbilden: Der helle Himmel erscheint unten das grüne Feld oben. Auf diese Weise konterkarieren sie zumindest stellenweise das durch die Scheibe zu sehende Bild der Landschaft im Hintergrund. Ein ähnliches nichtbotanisches Buschwerk findet man manchmal aus im Solnhofener Plattenkalk.

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