//
Physik im Alltag und Naturphänomene

Was heißt hier ’nur eine Pfütze‘?

Ich würde sagen: Besonders die Wasserpfützen und zwar die am merkwürdigsten geformten bringen die schönsten Eisstrukturen hervor. Die Vertiefung im Boden hat eine durch welche Zufälle auch immer geformte Morphologie, die meist durch Regenwasser mit einer mehr oder weniger transparenten ebenen Oberfläche eingeebnet wird. Sinkt die Temperatur unter den Gefrierpunkt, kristallisiert das Wasser zunächst an der Oberfläche und bedeckt die Pfütze mit einer Eisschicht, die bei weiterhin niedrigen Temperaturen in die Tiefe wächst.
Schon dies ist ein großes Wunder, denn nur weil die Lebenssubstanz Wasser – ganz anders als die meisten vertrauten Stoffe – sich beim Gefrieren ausdehnt und nicht zusammenzieht, wächst die Pfütze – solange der Frost anhält – von oben nach unten zu. Man stelle sich nur wie es anderenfalls wäre.
Aber die Pfütze bleibt auch unter der Eisfläche aktiv. Der Pfützenboden, den die tiefen Temperaturen noch nicht erreicht haben, bleibt frostfrei und das Wasser kann nach und nach weiterhin in ihm versickern. Dadurch entstehen unter der Eisschicht Hohlräume. Die Eisschicht hängt im wahrsten Sinne des Wortes partiell in der Luft und im Dampf, der vom Wasser abgegeben wird.
Wenn nun die relative Feuchte 100% überschreitet bildet sich an der Unterseite der Eisschicht Kondenswasser und/oder Reif. Daran wird das Licht gestreut und das Eis verliert seine Transparenz zugunsten einer weißen Färbung. Nur an einigen Stellen bleibt die Eisschicht weiterhin mit dem Wasser oder – im vorliegenden Fall – mit den hochragenden Schlammwällen verbunden. Hier ist das Eis nach wie vor durchsichtig und  gibt den Blick auf die dunkle Schlammschicht frei. Das ist die Ursache für die Schwarzweiß- Strukturierung, die dem Foto seinen ästhetischen Reiz verleicht.
Die feinen hellen Krümel, die die äußere Eisschicht bevölkern sind Reifkristalle, die in der kalten feuchten Nacht an der Eisschicht angedockt haben. An diesem Tage waren auch Büsche und andere Pflanzen sowie die Scheiben mancher Autos mit Reif bedeckt.

Werbung

Diskussionen

2 Gedanken zu “Was heißt hier ’nur eine Pfütze‘?

  1. So zeichnet die Natur clever den Verlauf der Schlammwülste nach.
    Auch im Kleinen zeigt sich das Feine 🙂

    Verfasst von kopfundgestalt | 5. März 2020, 10:02

Trackbacks/Pingbacks

  1. Pingback: Die letzten Kunstwerke des Winters | Die Welt physikalisch gesehen - 30. März 2020

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Photoarchiv

%d Bloggern gefällt das: