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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Aufrollen alter Geschichten

Manche alten Geschichten müssen neu aufgerollt werden. Das geht meist nicht in einem Stück, sondern ähnlich wie auf dem Foto.
Plötzlich kommt eine Farbe zum Vorschein, die an eine längst vergangene Zeit erinnert und Geschichten ins Bewusstsein hebt, die auf merkwürdige Weise mit dem Haus in dieser alten Farbe verbunden ist. Dabei hätte man ohne die „Platzwunden“ kaum sagen können, wie die alte Farbe aussah.

Eine ganz andere Geschichte betrifft die Frage, wieso Farben oder andere Flüssigkeiten auf einem festen Untergrund haften und welche Einflüsse zu einer Enthaftung führen. Und da fällt einem dann der aus finanziellen Gründen ignorierte Rat eines Freundes ein, den Untergrund sorgfältig vorzubereiten.
Denn damit es zu einer festen Haftung kommt, müssen die Substanzen, die hier eine gemeinsame Grenzschicht ausbilden, sowohl in der flüssigen Phase des Streichens als auch nach der Trocknung der Farbe genügend starke Anziehungskräfte aufeinander ausüben. Dies ist nicht immer der Fall und hängt stark von den benutzen Stoffen des Untergrunds und der Farbe ab.
Hinzu kommt ein weiteres Problem. Die Farbe trocknet von außen nach innen. Dabei büßt sie außen zunächst mehr Substanz ein (Wasser und andere flüchtige Bestandteile) als innen und gerät in einen horizontalen Spannungszustand. Dies ist besonders bei dickeren Farbschichten der Fall. Wird die Spannung zu groß wird, können Risse entstehen. Und wenn dann auch noch die Haftung mit dem Untergrund nicht besonders groß ist,  kann die Spannung dazu führen, dass sich die Farbschicht  der geringeren Masse an der Oberfläche entsprechend zusammenrollt, wie es im Foto zu sehen ist.
Sich ablösende Wandfarben sind natürlich nicht schön, vergisst man aber für einen Moment den Kontext, so kann man dieser „Strukturbildung“ eine gewisse ästhetische Wirkung nicht absprechen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

 

Diskussionen

6 Gedanken zu “Aufrollen alter Geschichten

  1. ach, schön geschrieben!

    Verfasst von versspielerin | 15. März 2020, 00:25
  2. „Dabei büßt sie außen zunächst mehr Substanz ein (Wasser und andere flüchtige Bestandteile) als innen …“

    Das ist auch immer „inneres“ Thema der Keramik.
    Gerade jetzt muss ich wieder einen Riss flicken, der wohl daher rührt, dass unterschiedlich getrocknete Teile zusammen in einem Verbund vor sich hin „transpiriert“ haben.

    Verfasst von kopfundgestalt | 15. März 2020, 00:29

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