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Marginalia

Würd‘ ich’s vermissen?

Würd‘ es mir fehlen, würd‘ ich’s vermissen?

Heut’ früh, nach gut durchschlafener Nacht,
Bin ich wieder aufgewacht.
Ich setzte mich an den Frühstückstisch,
Der Kaffee war warm, die Semmel war frisch,
Ich habe die Morgenzeitung gelesen
(Es sind wieder Avancements gewesen).
Ich trat ans Fenster, ich sah hinunter,
Es trabte wieder, es klingelte munter,
Eine Schürze (beim Schlächter) hing über dem Stuhle,
Kleine Mädchen gingen nach der Schule —
Alles war freundlich, alles war nett,
Aber wenn ich weiter geschlafen hätt’
Und tät’ von alledem nichts wissen,
Würd’ es mir fehlen, würd’ ich’s vermissen?

Theodor Fontane (1819 – 1898)

Diskussionen

6 Gedanken zu “Würd‘ ich’s vermissen?

  1. höchst raffinierte Spiegelungen. Vielleicht Genua?

    Verfasst von gkazakou | 25. März 2020, 00:11
    • (von uns aus gesehen) im Süden schon, aber nicht Genua, sondern Genf. Ich habe oft lange vor den entsprechenden Gebäuden gestanden, um mir klarzumachen, wie es zu den Spiegelungen kommt. Selbst wenn es vor Ort gelang, war es zu Hause wieder weg, weil der Kontext fehlte und der macht ja bekanntlich den Text. Ich denke, die Spiegelungen in den Städten würde ich schon vermissen…

      Verfasst von Joachim Schlichting | 25. März 2020, 08:35
  2. Das hat gerade eine gewisse Aktualität, ein melancholischer Fund.

    Verfasst von puzzleblume | 25. März 2020, 08:10

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