//
Marginalia

Das laufende Nichts

Das vom Fernsinn durchstimmte Nichts läuft. Das Nichts ist ein vom Fernsinn durchstimmtes Loch. Es ist zugegeben und kann befragt werden. Ein schwarzes laufendes vom Fernsinn durchstimmtes Loch offenbart das Nichts in seiner ursprünglichen Offenbarkeit.*

 

 

 

Günter Grass (1927 – 2015) hat zwar mehr an einen Hund gedacht, aber ich denke, dass auch Menschen vom Fernsinn (nicht nur vom Fernsehen) durchstimmt sein können, besonders in diesen Tagen.
Warum wir das Nichts meist als schwarz und als Loch ansehen, kann ich nur vermuten. Schwarz ist die Lichtlosigkeit, keine Energie kommt aus der Schwärze. Nun weiß man zwar inzwischen, dass auch die schwarzen Löcher nicht ganz dicht sind, aber doch ziemlich. Nichts ist perfekt.
Die an die sperrige Sprache von Martin Heidegger angelehnte Darstellung ist vermutlich in satirischer Absicht erfolgt.


* Günter Grass. Hundejahre. Neuwied 1963, S. 456

Diskussionen

4 Gedanken zu “Das laufende Nichts

  1. Das Foto vermutlich aus dem Bremer „Universum“. Ich hatte mich da auch mit meiner Frau ausgetobt.

    Ein philosophisches Werk über die Nacht , vor 2 Jahren gekauft, ruht auf einem Stapel, der nicht kleiner wird. In diesen Tagen lese ich fast nichts…was wiederum den Kreis schließt.

    Verfasst von kopfundgestalt | 28. April 2020, 00:38
  2. „ich denke, dass auch Menschen vom Fernsinn durchstimmt sein können, besonders in diesen Tagen.“ Wie wahr! Da hat der Heideggernde Grass den Gegenwartszustand sprachlich treffend erfasst.(„Ein schwarzes laufendes vom Fernsinn durchstimmtes Loch …“) Tröstlich finde ich eine Mitteilung, dass auch schwarze Löcher nicht vollkommen dicht sind. So darf man hoffen, dass das Licht seinen Weg findet und das Schwärze langsam durchlöchert. (Myriade zeigt heute ein passendes Symbolbild)
    Du sagst uns nichts über das Bild? Wie kam es zustande?

    Verfasst von gkazakou | 28. April 2020, 11:27
    • Sowie mehrere Löcher ins Spiel kommen – so auch beim Symbolbild von Myriade – gibt zwei Möglichkeiten; entweder man fokussiert auf die Löcher oder man hält sich an den übrig gebliebenen Rest. So ähnlich kommen mir die Ansichten zu Corona vor, wenn man sie denn in zwei Gruppen aufteilen würde.
      Ja, das Bild. Es wurde im Science-Center Phaeno in Wolfsburg an einem interaktiven Projektionsspiel aufgenommen. Das Schwarze, das man nur durch den nichtschwarzen Kontext sieht, hat mich an die Grass’sche Passage erinnert, die mir immer mal wieder in den Sinn wabert…

      Verfasst von Joachim Schlichting | 28. April 2020, 13:09

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Photoarchiv

%d Bloggern gefällt das: