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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Flachdacharchitektur – ein Kampf gegen die Schwerkraft

Die Idee des geneigten Daches ist von Anbeginn an in der Architektur präsent. Selbst die Schornsteine werden/wurden liebevoll mit Schindeln belegt und gepflegt. Man stelle sich nur vor, wie aufwändig es ist, eine defekte Schindel an einem hohen Schornstein zu ersetzen. Geneigte Dächer sind eine ebenso natürliche wie geniale Möglichkeit, Wasser zu kanalisieren. Nur viele Architekten des 20. Jahrhunderts und danach meinten eine bessere Idee zu haben, indem sie das ebene Flachdach einführten.
Nicht nur dass dadurch die Bauwerke oft wie überdimensionale Zigarettenschachteln aussehen, es tat sich auch ein Dichtigkeitsproblem auf. Mein Fazit nach jahrzehntelangen Beobachtungen und eigenen Erfahrungen in öffentlichen Bauwerken: Die Flachdächer sind kaum dauerhaft dicht. Manchmal sogar noch in der Garantiezeit treten Wasserschäden auf, deren Ursache nur mit äußerstem Aufwand zu finden ist. Diese sind – das habe ich selbst an drei verschiedenen Dienststellen in modernen Gebäuden erlebt – nur mit großem, wochenlang dauernden Einsatz zu beheben –  eine Zeit, in der man mit Eimern und anderen Gefäßen leben muss, die das fehlgeleitete Wasser auffangen. „Beheben“ heißt hier, bis zum nächsten Einsatz, der oft nicht lange auf sich warten ließ.
Meine Frage: Warum glauben unsere Architekten und Bauherrn, dass man alte Erfahrungen mit dem Wasser, „das überall durchkommt“ in den Wind schlagen kann oft mit dem Argument der Schönheit der Flachdacharchitektur? Besser wäre es im Einklang und Einvernehmen mit den Naturgesetzen zu bauen und dem Wasser nicht den Weg nach unten zu verbauen. Für mich sind die alten Dächer, die man in einigen Orten von oben zu sehen bekommt, oft ein Kunstwerk für sich, jedenfalls eine Augenweide. Das Foto wurde in Bern aufgenommen.

Diskussionen

6 Gedanken zu “Flachdacharchitektur – ein Kampf gegen die Schwerkraft

  1. So ein Bürogebäude, wo das Flachdach mieft, weil Wasser die verlorene Schalung von Pilzen zerfressen lässt, kenne ich auch. Zum Wasserproblem kommt aber noch ein statisches. Es gibt Gegenden, meist sind die traditionellen Dächer dort auch einen Ticken steiler, wo alle paar Jahre die Flachdachhallen entsorgt werden müssen, wenn außergewöhnliche Niederschläge den nassen Schnee meterhoch schichten.

    Verfasst von Richard | 14. Juni 2020, 07:43
  2. Meine Frau hat solch einschneidende, gerade auch finanziellen Erfahrungen, an 2 Stellen und mehrfach machen müssen – am Carport und am Haus.

    Verfasst von kopfundgestalt | 14. Juni 2020, 13:24
  3. Passt zu meinem Posting und Wahrnehmung hier Zuhause, Garagendach und Schuppendach sind häufiger undicht

    Verfasst von aquasdemarco | 14. Juni 2020, 14:58

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