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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Blätter im Sonnenlicht

Das zierlich eingekerbt-, und nett-gezackte Laub,
Wodurch die Adern sich bis an die Ecken,
Voll klares Safts, wie Blut, erstrecken,
Ist recht verwunderlich geweb´t. Solch eine Menge
Stets wiederum aufs neu geteilter zarter Gänge
Durchflicht das ganz Blat, wodurch es sich vereint,
Und, wie ein grünes Fleisch, voll grüner Adern scheint.
Ein Blat beschattet oft das ander´, und vermehret,
Durch seine dunk´le Zierlichkeit
Der Schatten, Bildungen und Farben Unterscheid.


* Barthold, Hinrich Brockes (1680 – 1747). Im grünen Feuer glüht das Laub. Weimar o.J., S. 31

Diskussionen

4 Gedanken zu “Blätter im Sonnenlicht

  1. „Grünes Fleisch“ wäre ganz gut für diese Erde 🙂

    Verfasst von kopfundgestalt | 15. Juni 2020, 00:15
  2. „nett-gezackt“- klingt seltsam…

    Verfasst von wildgans | 15. Juni 2020, 08:20
    • Für unsere heutigen Ohren ist das ganze Gedicht gewöhnungsbedürftig. Allerdings ist diese Verfremdung – und das gilt für viele Gedichte Brockes – oft auch erhellend, weil sie oft die ursprüngliche Wortbedeutung bewusst macht. Und wer noch etwas tiefer geht, kann sich an manchen Beispielen auch den Bedeutungswandel mancher Worte vor Augen führen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 15. Juni 2020, 09:01

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