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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Warum sich die Spinne nicht selbst auf den Leim geht

Schaut man eine Kreuzspinne an, wie sie sich gewissermaßen auf Zehenspitzen auf den Fäden ihres filigranen Netzes bewegt, so bekommt man den Eindruck, dass sie Vorsicht walten lässt. Das ist nötig, denn der Spiralfaden der eng mit Klebetropfen ausgestattet ist, stellt nicht nur eine Gefahr für die Beutetierchen der Spinne dar. Sie muss selbst aufpassen, dass sie sich nicht auf den Leim geht.
Spinnen haben zwar gewisse Vorteile, indem durch eine dichte Anordnung von verzweigten Härchen an den Beinen die Kontaktfläche mit dem Klebstoff und damit die Haftkraft minimiert werden kann. Außerdem sind die Härchen mit einer Substanz beschichtet, die die Haftung zusätzlich verringert. Das entbindet die Spinne aber nicht davon, sich vorsichtig im eigenen Netz zu bewegen, dabei die Klebefäden möglichst zu meiden und die Berührfläche so klein wie möglich zu halten*.

Das Spinnennetz ist auch in mechanischer Hinsicht sehr spannend (z.B. hier und hier und hier) und hält auch optisch einige faszinierende Phänomene parat (z.B. hier und hier und hier und hier und hier und hier und hier).


Quelle
* R D Briceño, W G Eberhard: Spiders Avoid Sticking to Their Webs: Clever Leg Movements, Branched Drip-Tip Setae, and Anti-Adhesive Surfaces. Naturwissenschaften 2012 Apr;99(4):337-41.doi: 10.1007/s00114-012-0901-9.

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Diskussionen

15 Gedanken zu “Warum sich die Spinne nicht selbst auf den Leim geht

  1. Es ist ein Unterschied, ob man als Insekt da hineinfliegt oder um die Gefährlichkeit weiss. Der Gegensatz bewusst- unbewusst.

    Verfasst von kopfundgestalt | 16. Juni 2020, 01:16
  2. Wieder eine solcher Fragen, die Mensch sich stellen sollte und oft genug nicht stellt. Genauso faszinierend das Foto.
    Bei den Kommentaren lache ich über den großzügigen Gebrauch von Wörtern wie bewusst-unbewusst-Nächstenliebe-lernen aus Erfahrung. Welche Theorie über tierische Intelligenz steht da wohl dahinter? Ich selbst finde Sheldrakes Annahmen und Befunde recht überzeugend

    Verfasst von gkazakou | 16. Juni 2020, 11:41
    • Ich denke die Kommentare sollte man nicht so sehr streng wissenschaftlich sehen. Sie sind insbesondere wenn Gerhard und ich uns auf diese Weise austauschen zumindest augenzwinkernd wenn nicht manchmal sogar humoristisch gemeint. Diese Anthropomorphisierung ist eine Möglichkeit leicht darüber zu sprechen, nicht mehr und nicht weniger. Bei Shaldrake habe ich als Wissenschaftler meine Schwierigkeiten. Zumindest befindet er sich außerhalb des von T.S. Kuhn so bezeichneten naturwissenschaftlichen Paradigmas. Damit will ich nicht sagen, dass seine Ideen vielleicht auch inspirierend wirken können vor allem wenn es um ungeklärte Dinge geht. Im Übrigen muss man sich m.E. als Teil der Natur bescheiden und einsehen, dass wir keine Gewissheit erlangen können mit unseren „Einsichten“ über die Natur.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 16. Juni 2020, 12:54
      • Sehr kluge und diplomatische Worte!

        Verfasst von Myriade | 16. Juni 2020, 14:53
      • Vielen Dank für die Einschätzung!

        Verfasst von Joachim Schlichting | 16. Juni 2020, 15:41
      • Aber klar doch, lieber Joachim. Das Augenzwinkernde eures Austausches ist mir durchaus bewusst, eigentlich gehört es auch zu meinem Grundtenor. Dennoch kommt hinter allem Augenzwinkern immer wieder die ernsthafte Frage hoch: was ist es, das die Spinne befähigt, die geeigneten Füße und das geeignete Verhalten auszubilden, um ihrem eigenen Netz nicht auf den Leim zu gehen? Es scheint ja ein Lernprogramm zu existieren. Klassischerweise würde man wohl sagen: wer besser lernt, überlebt. Die Info wird dem genetischen Material des Individuums aufgeprägt (wie das geschieht? das ist wohl noch umstritten.). Im Gegensatz dazu hat Sheldrake den Begriff des (morphogenetischen) Feldes in die Diskussion geworfen, das alle Individuen einer Art informiert und wohl auch alle Einzelfelder der Natur integriert. Natur wäre mithin ein allumfassendes integriertes intelligentes Feld. Wird irgendwo etwas gelernt, lernen es auch die anderen Individuen derselben Art leichter, und so entstehen neue Gestaltungen und Gewohnheiten, die der Art insgesamt nützen, was dann wiederum Rückwirkungen auf andere Arten hat etc pp
        Bescheiden sein gegenüber der Natur, deren Teil wir sind, kann doch nicht heißen, den Erkenntniswillen auf Darwins Niveau zu halten und die Lücken mit anthropozentrischen Wortspielereien zu füllen. Wenn es zB stimmt, dass die Spinne „ungeeignete Beute befreit“, dann muss man sich doch fragen: welche Intelligenz gibt ihr das ein? Ich denke, dass es nicht die Intelligenz des Individuums, sondern die Intelligenz der Art ist, die ihrerseits kommuniziert mit den anderen Arten, die ihr als Nahrung dienen, und darüberhinaus mit der gesamten Natur. Nur wir Menschen haben uns aus diesem Zusammenhang und dann durch Individualisierung auch aus dem Zusammenhang unserer Art herausgeschnitten und versuchen nun die immer offenkundiger werdenden Dysfunktionen mit technischer Intelligenz zu kompensieren.. .

        Verfasst von gkazakou | 17. Juni 2020, 19:42
  3. Liebe Gerda, ich bin zur Zeit an der Nordsee im Ferienhaus ohne gute Internetverbindung. Ich werde in einigen Tagen antworten.

    Verfasst von Joachim Schlichting | 18. Juni 2020, 10:25
    • O, das ist ja wunderbar! Diese längsten Junitage sind im Norden so wunderbar. Ich kenne sie von der Ostsee, wo ich aufwuchs.

      Verfasst von gkazakou | 19. Juni 2020, 06:30
    • So, jetzt habe ich wieder die technischen Möglichkeiten auch längere Kommentare absetzen zu können:
      Ja, liebe Gerda, du schneidest hier ein weites Feld an. Ich habe auch vor Jahren über Sheldrakes morphologischen Felder gelesen und finde es in mancher Hinsicht sehr eingängig. Nur ist es ziemlich spekulativ und ihm fehlt die empirische Basis. Die Empirie gehört nun mal zu den heutigen wissenschaftlichen Überzeugungen. Den Darwinismus in seiner klassischen Form finde ich ebenfalls nicht sehr überzeugend. Ihm versucht man in der Biologie alles unterzuordnen, was im pflanzlichen und tierischen Bereich nicht unmittelbar erklärt werden kann. Außerdem gibt es m.E. rein logische Probleme, wenn das Prinzip auf die Formel „Survival oft he surviver“ hinausläuft.
      Um auf das konkrete Beispiel zurückzukommen: Wenn die Wissenschaften bestimmte Phänomene nicht erklären können, kann es auch daran liegen, dass wegen der Beschränkung auf die bekannten Sinne (Sehen, Hören usw.) möglicherweise weitere „sinnliche Leistungen“ noch gar nicht in den Blick gekommen sind, weil uns der sinnliche oder auch wissenschaftlich-technische Zugang fehlt. So wird beispielsweise in jüngster Zeit entdeckt, dass Insekten und Pflanzen möglicherweise auf elektrischer Grundlage miteinander kommunizieren. Da den Menschen ein solcher Sinn fehlt und die Elektrizität als solche erst sehr spät durch indirekte Wirkungen entdeckt wurde, ist es schwierig sich in solche „Welten“ hineinzuversetzen. Wer sagt uns außerdem, dass nicht weitere sinnliche und übersinnliche Leistungen existieren, die wir uns gar nicht vorstellen können?

      Verfasst von Joachim Schlichting | 25. Juni 2020, 08:29
  4. Ja, das stimmt, die Nächte sind sehr kurz. Hinzu kommen hin und wieder: Leuchtende Nachtwolken. (Nur das Internet ist hier eine Katastrophe, obwohl der Nachbar hier ständig wohnt.)

    Verfasst von Joachim Schlichting | 19. Juni 2020, 08:34

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