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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Vor dem längsten Tag mache ich mich noch einmal lang

Das ist einfacher gesagt als getan. Denn man muss wirklich früh aufstehen, sodass die Sonne weit genug über den Horizont gestiegen ist, um einen deutlichen Schatten werfen zu können. Aber dann wird man – wie dieses leider nur mit einem Handy aufgenommene Schattenselfie zeigt – zumindest in seinem Schatten so lang wie nie. Außerdem erscheint der Schattenkopf von einer Aufhellung – einer Art Heiligenschein – umgeben. (Leider versagt die Handykamera hier die Helligkeitsübergänge gut wiederzugeben.)
Genau genommen ist es nämlich kein vollständiger Heiligenschein, wie man ihn von der morgendlichen Wiese kennt, denn es fehlen die Wassertröpfchen. Wir haben es hier nur mit einem Oppositionseffekt zu tun. Der rührt daher, dass um den Sonnengegenpunkt (Antisolarpunkt) alle Schatten der Rauigkeiten des Weges minimal werden. Denn man blickt ziemlich genau mit der Sonne im Nacken auf sie. Die Stelle erscheint daher sehr hell. Aber je weiter man sich von diesem Punkt entfernt und damit immer schräger auf den Untergrund blickt, desto mehr beschattete Bereiche kommen ins Bild mit der Folge, dass die mittlere Helligkeit der Szenerie abnimmt.
Bei den grotesken Verzerrungen spielt die perspektivische Verkürzung eine wichtige Rolle. So erscheinen die Schatten umso mehr in die Länge gezogen, je näher sie sich beim Original befinden (siehe die Entfernung bis zum unteren Ansatz der Hosenbeine).

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Diskussionen

9 Gedanken zu “Vor dem längsten Tag mache ich mich noch einmal lang

  1. Gab es eigentlich irgendwann, sagen wir ab Newton, „Übersetzer“ dessen, was solche Gelehrten fanden?
    Heutzutage gibt es ja viele Autoren, die etwa Einsteins Relavitätstheorie versuchen, anschaulich zu machen.
    Ab wann setzte also der Wissenschaftsjournalismus ein? .

    Verfasst von kopfundgestalt | 19. Juni 2020, 00:39
    • Ich kann von hier (einsames Nest an der Nordsee) wegen der katastrophalen Internetverbindung nur kurz antworten.
      Damals (zur Zeit Newtons) gab es auch schon Popularisierer und Verbreiter der neuen Ideen. Das reichte von Philosophen wie Voltaire (der Newton in Zentraleuropa) bekannt machte bis zu Künstlern, die sich teils kritisch mit den neuen Ideen auseinander setzten. Ein schönes Beispiel der das Bild von Wright of Derby in dem einem allgemeinen Publikum die Vakuumpumpe vorgeführt wurde. Allerdings war der Adressatenkreis im Vergleich zu heute sehr klein.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 19. Juni 2020, 08:45
      • Danke, trotz mieserm Internet: Alles gut angekommen, Wort für Wort 🙂
        Das Bild „Das Experiment mit dem Vogel in der Luftpumpe“ ist ja ausgezeichnet. Man ist erstaunt über die durchaus „modernen Gesichtszügen“ der Portraitierten.

        Verfasst von kopfundgestalt | 19. Juni 2020, 10:22
      • Wenn du irgendwann einmal in London bist, musst du dir unbedingt das Original ansehen (National Gallery).

        Verfasst von Joachim Schlichting | 19. Juni 2020, 19:31
      • Das letzte Mal war ich vor 35 Jahren in London…

        Verfasst von kopfundgestalt | 19. Juni 2020, 21:01
  2. Ein Giacometti!

    Verfasst von gkazakou | 19. Juni 2020, 06:27
  3. Na, dann wird’s aber Zeit. Neben vielem andern wird die die Tate Modern in einem alten Kraftwerk besonders zusagen.

    Verfasst von Joachim Schlichting | 20. Juni 2020, 10:11

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