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Physik im Alltag und Naturphänomene

Schönheit und ihre Schattenseite

Was auf den ersten Blick wie ein Ausschnitt aus den Ringen des Saturns aussieht, war ohne Fernglas auf einem durch Algenblüte besetzten See zu sehen. Zu den leicht gebogenen erstaunlich gleichmäßigen Streifen kommt es, weil durch den Wind der zunächst nur leichte Bewuchs zusammengeschoben wird. Die schmalen Zwischenräume deuten darauf hin, dass hier Grenzen zwischen unterschiedlichen Bewüchsen bestehen, die die Wasseroberfläche auf geringfügig andersartige Weise verändern. Die in den Algen enthaltenen Stoffe verändern in je spezifischer Weise die Oberflächenspannung des Wassers, was sich darin äußert, dass es nicht einfach zu einer Vermischung bzw. Durchdringung der zusammengeschobenen Bereiche kommt. Besonders stark ist dies an dem etwas breiteren Streifen mit unregelmäßigen Rändern zu erkennen, die durch schwimmende Blätter besetzt sind.
So schön dieser Anblick auch sein mag, so alarmierend ist seine umweltbezogene Aussage. Denn die Algenblüte ist das Ergebnis einer plötzlichen, massenhaften Vermehrung von Algen oder Cyanobakterien (Blaualgen) und verweisen auf eine ernsthafte Störung des Ökosystems: Das Sonnenlicht wird an der Oberfläche stark absorbiert, sodass es meist nicht für die Photosynthese der Pflanzen im Gewässer ausreicht. Hinzu kommt, dass durch absinkende Algen sowie durch Vermehrung ihrer Konsumenten ein Sauerstoffmangel entsteht, der im Extremfall zum „Umkippen“ des Gewässers führen kann. Die Algen und Cyanobakterien produzieren außerdem giftige Substanzen, die für Lebewesen gefährlich werden können.
Eine der wesentlichen Ursachen für dieses Phänomen ist die Eutrophierung von Gewässern infolge der Anreicherung mit Nährstoffen, die das Pflanzenwachstum übermäßig begünstigen. Dabei handelt es sich meist um Stickstoff und Phosphor, die aus Abwässern und/oder den Eintrag aus übermäßig gedüngten landwirtschaftlichen Nutzflächen stammen.

Diskussionen

2 Gedanken zu “Schönheit und ihre Schattenseite

  1. Das womöglich hässliche hinter dem schönen ist immer wieder mal Thema der Kunst.
    Mir fällt z.b. Koyaanisquatsi ein, 1980 gedreht:
    Chromblitzende Industriearchitektur verliert alsbald seine Magie, wenn man die Hetze, Vereinsamung und Anonymisierung zeigt, die darauf folgen kann, anschaulich gemacht in den rush-hourn in Tokios U- bahnstationen.

    Verfasst von kopfundgestalt | 19. Juli 2020, 00:29

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