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Physik im Alltag und Naturphänomene

Milchkaffee zwischen Kunst und Physik

Wenn man in Italien einen Cappuccino bestellt, kann es passieren, dass einem ein Kunstwerk präsentiert wird, bei dem aus den Brauntönen des Kaffees und dem Weiß des Milchschaums blumenartige Strukturen gestaltet wurden. Inzwischen hat sich diese künstlerische Aufwertung des Kaffeegenusses auch in unseren Breiten verbreitet.
Er war einer dieser Künstler, die aus der Vermischung der dunklen Kaffeespur mit dem Weiß des Milchschaums kleine Ornamente und Figuren auf die Oberfläche zaubern konnten; die Zeichnung in meiner Tasse erinnerte an Farnblätter, eine schlanke, fein gezackte, florale Struktur, die wie widerwillig verging, als ich vorsichtig Zucker auf sie häufte; der Schaum hielt den Zucker einige Momente an der Oberfläche, dann sogen die Kristalle Feuchtigkeit, quollen bräunlich auf und sackten durch den Schaum auf den Grund der Tasse, und wo das Ornament gewesen war, erschien der glatte Spiegel der dunklen Flüssigkeit, über dem sich aber die Schaumschicht sofort wieder schloß.“*
Merkwürdig, Schaum besteht doch vollständig aus Flüssigkeit und Gas (Luft) –  und das soll etwas Schweres tragen können?
Der Schaum ist eine Art zelluläres Ensemble, deren Zellen aus winzigen Blasen bestehen. Blasen sind relativ stabile Gebilde, was sie insbesondere ihrem gewölbeartigen Aufbau verdanken. Wenn man es erreicht, dass die Flüssigkeit aus den Wänden der Blasen nicht so schnell (durch Schwerkraft, Diffusion, Verdunstung… ) verschwindet wie man es von Seifenblasen her kennt, dann kann der Schaum eine erstaunlich lange Zeit erhalten bleiben. Die in Milch enthaltenen Eiweiße machen es möglich, dass durch die Aufschäumung ziemlich langlebige Figuren gestaltet werden können. Man kann leichte Gegenstände auf den Schaum legen, ohne dass sie untergehen. Auch der Zucker bleibt eine Zeit lang obenauf. Doch Zucker liebt Feuchtigkeit. Es dauert daher nicht lange, das die Kristalle den Schaumzellen das Wasser entziehen und der Schwerkraft nachgebend durch das schöne Kunstwerk hindurch sacken.


* Modick, Klaus: Das Licht in den Steinen. Fischer: Frankfurt 1995, S. 72f

Diskussionen

4 Gedanken zu “Milchkaffee zwischen Kunst und Physik

  1. Der italienische Café fehlt mir 😦
    Wir mussten im März unseren jährlichen Italienurlaub (dieses mal Capri) absagen.
    Viel Spaß zwischen Kunst und Physik,
    Susanne

    Verfasst von Susanne Haun | 27. Juli 2020, 09:19
    • Die Aufnahme stammte noch aus Florenz, insofern auch für mich eine Erinnerung an eine unbeschwerlichere Zeit.
      Ich hoffe, dass ihr eine Alternativ zu Capri gefunden habt (was natürlich gar nicht so leicht ist.
      Liebe Grüße und eine schöne Woche!
      Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 27. Juli 2020, 09:24
      • Am meisten trauere ich der preiswerten Ferienwohnung auf Anacapri hinterher. Sie lag laut Booking Com so schön und war Zentrum unserer Planungen.
        Wir haben neulich einen Tagesausflug nach Bad Muskau in den Pückler Garten unternommen. Das war auch sehr schön. Der Kaffee jedoch ist lange nicht so gut wie in Italien 😉
        Guten Kaffee ☕️ bekommt man fast nur dort. Wir nehmen uns jedesmal mindestens eine, wenn wir im Auto unterwegs sind eine Kiste Kaffeebohne mit.
        LG von Susanne

        Verfasst von Susanne Haun | 28. Juli 2020, 14:10
  2. Und ich dachte, dass in Coronazeiten die Feriendomizile eher noch günstiger sind. Von Freunden erfahre ich, dass z.B. die Campingplätze in Südfrankreich nur schwach belegt sind.
    Kaffee ist für die Italiener offenbar kein Getränk, sondern eine Lebenseinstellung… Ich weiß nicht, ob es genügt nur gute Bohnen zu haben. Liegt das Geheimnis nicht auch in der Zubereitung und spielt die Urlaubsstimmung nicht vielleicht auch eine Rolle?
    Liebe Grüße, Joachim.

    Verfasst von Joachim Schlichting | 28. Juli 2020, 15:13

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