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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Ein Baumstamm aus Stein

Der hier rumliegenden Steinbrocken sieht aus wie ein abgesägter Baumstamm. Er sieht nicht nur so aus, er war auch mal Teil eines Baums – vor sehr langer Zeit, und es hat Millionen von Jahren gedauert bis aus dem Holzstamm ein Steinstamm wurde. Wie es im Einzelnen dazu kam, ist insofern wissenschaftlich noch nicht verstanden, als es bislang nicht gelang, Holz im Labor zu versteinern. Aber man hat ein grobes Bild von den physikalisch-chemischen Vorgängen, die der Steinstamm hinter sich hat.
Die Geschichte beginnt damit, dass ein abgestorbener Baum von der Luft abgeschlossen wird, also beispielsweise  in ein Gewässer gerät und dort mit Sediment bedeckt wird. Auf diese Weise wird der Verfaulungsprozess weitgehend unterbunden und der Baum konserviert. Der Versteinerungsvorgang besteht darin, dass Mineralien aus dem Sediment, vor allem Quarz, langsam an die Stelle des Holzes treten und dabei insbesondere in sehr langsamen Prozessen die Struktur des Holzes bis in kleinste Details reproduzieren.
Anders als der Anblick des perfekt aussehenden Pseudobaumstamms nahelegen könnte, stand hinter seiner Hervorbringung keine Absicht, kein künstlerisches Interesse, sondern allein die physikalisch-chemische Notwendigkeit. Aber vielleicht macht gerade diese Einsicht die Versteinerung so eindrucksvoll, insbesondere wenn man den Stein abtastet und dabei den Widerspruch  zum visuellen Anblick als merkwürdige Irritation der Sinne erlebt.

Diskussionen

8 Gedanken zu “Ein Baumstamm aus Stein

  1. Dann ist also jedes einzelne Molekül den Bach hinuntergegangen.
    Organisches kann sich halt nicht ewig halten, auch ohne Luftzufuhr.
    Hat eigentlich Entropie damit zu tun?

    Verfasst von kopfundgestalt | 14. August 2020, 00:54
  2. Wo hast du dies Prachtstück gefunden? Sicher kennst du den versteinerten Wald von esbos, der als Naturdenkmal unter Schutz steht. Da kam es n icht zu Überflutung, sondern der Ascheregen eines Vullkanausbruchs schloss die Bäume von der Atmosphäre ab….

    Verfasst von gkazakou | 14. August 2020, 11:41
    • Das Prachtstück habe ich bei einem Besuch auf dem Gelände der University of Alaska in Fairbanks vorgefunden. Ich habe vom versteinerten Wals auf Lesbos gehört und wollte die Insel immer schon mal besuchen, hat aber bislang nicht geklappt. Entscheidend für die Versteinerung ist der Luftabschluss und das kann auch durch Ascheregen realisiert werden. Das hätte ich erwähnen sollen. Danke für den Hinweis.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 14. August 2020, 12:18
  3. Dankesehr für die interessante Erklärung

    Verfasst von eyeandview | 14. August 2020, 12:43

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