//
Marginalia, Physik und Kultur

In einer Form verfangen…

Abstrakt ist man nicht. Das Sein muß sich in einer Form verfangen, eine Zeitlang in ihr erscheinen, hier oder dort, so oder so. Jedes Ding ist, solange es dauert, zu seiner Form verurteilt, dazu, so zu sein, wie es ist, nicht mehr anders sein zu können.*


* Luigi Pirandello. Einer, Keiner, Hunderttausend. Frankfurt 1969

Diskussionen

7 Gedanken zu “In einer Form verfangen…

  1. Kann man sich eine Blüte vorstellen, eine meinetwegen eingefrorene ( also nicht dem wind ausgesetzt), die bei jedem Blick zu ihr ihre Gestalt ändert?

    Verfasst von kopfundgestalt | 11. September 2020, 09:25
  2. Pirandellos Gedanke ist interessant. er sagt: es gibt nicht die Nicht-Form. Jedes Ding hat zu jedem Zeitpunkt seiner Existenz zwangsläufig eine Form. Dann aber geht er, meine ich, einen Schritt zu weit. Er nennt diese Notwendigkeit eine Verurteilung. Das ist das eine.

    Das andere wäre, wie es sich mit dem Lebendigen verhält. Goethe lässt bekanntlich in den „Urworten“ den ΔΑΙΜΟΝ sagen: „…Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt
    Geprägte Form, die lebend sich entwickelt“, worauf ΤΥΧΗ, Das Zufällige geschmeidig antwortet:
    „Die strenge Grenze doch umgeht gefällig Ein Wandelndes, das mit und um uns wandelt…“

    Verfasst von gkazakou | 12. September 2020, 17:33
  3. Ja, hier kommt man auf das unsichere Gelände der Interpretation. Zum einen: Könnte es nicht sein, dass P. mit verurteilt meint, dass ein Mensch kein Huhn werden kann, auch wenn sie oder es sich noch so sehr wünscht?
    Auch Goethe bringt ja zunächst die geprägte Form ins Spiel, die sich jedoch mit und in der Zeit wandelt, ohne die Prägung zu verlieren.

    Verfasst von Joachim Schlichting | 12. September 2020, 19:25
  4. Ist es nicht auch tröstlich, in dieser Form verfangen zu sein, Joachim?
    Ich frage mich das gerade.
    Stell dir vor, wir wären Gestaltenwandeler und müssten von Sekunde zu Sekunde entscheiden, wie wir aussehen wollen!
    Welch ein Streß!
    Einen schönen Tag von Susanne

    Verfasst von Susanne Haun | 14. September 2020, 10:18
    • Ja, das finde ich auch. Denn eine Form ist ja nicht starr: Ein Apfel ist ein Apfel ist ein Apfel… – auch wenn sich die Individuen sowohl in Farbe, Geschmack, Größe etc. unterscheiden mögen. Heute eine Mensch, morgn ein Hund und übermorgen eine Ratte zu sein wäre wirklich stressig.
      Danke für den schönen Tag, er ist schon angekommen. Dasselbe wünsche ich dir, liebe Susanne!
      LG, Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 14. September 2020, 12:21

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Photoarchiv

%d Bloggern gefällt das: