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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Seerose

Rote Rosen, stolz und prächtig,
Blühen in der Gärten Rund,
Eine weiße wiegt sich nächtig,
Wurzelnd in der Welle Grund.

Ihre zarten bleichen Wangen
Färbte nie der Erde Lust,
Nur ein stilles Traumverlangen
Blieb das Sehnen ihrer Brust.

Gerne spräch‘ sie mit den Sternen,
Aber wenn sie kaum erwacht,
Müssen jene sich entfernen,
Folgend ihrer Mutter Nacht.

Goldne Blätter wirft hernieder
Vom Gestad ein stolzer Baum,
Und sie hascht darnach, und wieder
War es nichts als nur ein Traum.

Denn das Laub, wie Purpur glühend,
Färbte nur der Herbst so rot,
und sie selbst sinkt nun verblühend
Mit hinunter in den Tod.*

Seerosen faszinieren nicht nur durch ihre Schönheit. Sie bieten auch aus physikalischer, naturphilosphischer und poetischer Sicht interessante Aspekte. Bevor sie demnächst ihre Aktivitäten auf den Teichboden verlegen, sei ihnen dieses herbstliche Gedicht gewidmet.


Hermann Lingg (1820 – 1905)

Diskussionen

13 Gedanken zu “Seerose

  1. Beeindruckendes Gedicht!

    Verfasst von kopfundgestalt | 12. September 2020, 00:04
  2. Zauberschön ist dein Seerosenspiegelfoto …
    Herzliche Morgengrüße vom Lu

    Verfasst von finbarsgift | 12. September 2020, 07:32
  3. welch herrliches Foto wieder! Da geht das Herz auf, danke dafür

    Verfasst von gkazakou | 12. September 2020, 10:23
  4. Wunderschön dein Text und Bild! LG Hania

    Verfasst von Hania Kartusch | 13. September 2020, 08:32

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