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Marginalia

Alle wollen nach oben…

Die Ehrgeizigen setzen alles dran, die oberste Stufe der Karriereleiter zu erklimmen,

die Bergwanderer streben dem Gipfelkreuz zu,

die Vögel setzen sich meist auf die oberste Spitze, die in ihrem Territorium zu erreichen ist, bevor sie

in höchsten Tönen tirilieren,

die Inserenten wollen bei Google ganz oben stehen,

Richter Adam in Kleists Zerbrochenen Krug will unbedingt durch das obere Fenster ins Haus,

der Heliumballon steigt auf Nimmerwiedersehen hoch,

die Sektblasen beeilen sich die Oberfläche des Getränks zu erreichen,

und die Schnecken auf dem Foto, machen es nicht anders…

Ihr werdet weitere Beispiele kennen.

 

Und wozu das Ganze?

Letztlich holt die Schwerkraft alles auf die Erdoberfläche zurück. Dann kann man nur wünschen, dass es behutsam abgeht und der freie Fall vermieden wird.

Diskussionen

26 Gedanken zu “Alle wollen nach oben…

  1. Der Text mit seinem Schlussatz erinnert mich an einen Song vom Alan Parsons Project-Album ‚Pyramids‘: „What comes up, must come down, what must rise must fall …“

    Ein schönes Foto mit den Heideschnecken. Ich meine, Weinreben im Hintergrund zu erahnen und erinnere den blauen Bindestrick von österreichischer Landwirtschaft, so denke ich alles in allem ans Burgenland oder Niederösterreich.

    Verfasst von puzzleblume | 10. Oktober 2020, 00:56
  2. Wer immer emsig sich bemüht…
    Fleiss wird honoriert, kaum dass der Sägling krabbeln lernt.

    Aber selbst auf zellulärer Ebene gibt es dieses Streben wohl, es scheint eingeschrieben.

    Verfasst von kopfundgestalt | 10. Oktober 2020, 01:04
    • Ja leider… Allerdings gibt es auch gegenteilige Beispiele aus der Natur, in der sich Tiere und Pflanzen altruistisch verhalten.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 10. Oktober 2020, 10:56
      • Ja, sicherlich. Es gibt das Phänomen, daß ein anderes Tier seinem Artgenossen einen Zugang zum Futter verschafft, ohne einen (sofortigen) Vorteil. Es rechnet aber damit, daß ihm in Zukunft ähnliche Güte widerfahren wird.

        Verfasst von kopfundgestalt | 10. Oktober 2020, 14:00
      • Ich kenne diese Interpretation des Altruismus als verkappten Egoismus, bin aber der Meinung, dass die Natur so großherzig (sic!) ist, beide Varianten zuzulassen. Nimm nur die Mehrzeller, zu denen wir ja auch gehören. Hier haben sich Einzeller auf Gedei und Verderb unter Aufgabe ihrer Individualität zu einem größeren Ganzen zusammengeschlossen… Jedenfalls, kann man es so sehen.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 10. Oktober 2020, 15:35
      • Ein Evolutionsbiologe sieht das wohl sehr streng.
        Vielleicht hast Du zwischen den Zeilen gemerkt, dass ich die genannte Egoismusinterpretation zwar kenne, aber mir nicht sicher bin, ob man nicht schon Versuche gemacht hat, in der der Rabe oder Menschenaffe ganz sicher nicht annehmen kann, er bekäme etwas zurück.
        Danke für das Mehrzellerbeispiel.
        In diesem Bereich gibt es ja auch Versuche, in denen man zeigen konnte, daß fehlende Kooperation bestraft wird.

        Verfasst von kopfundgestalt | 10. Oktober 2020, 15:48
      • Mir kommt bei diesen Überlegungen immer wieder der Spruch ins Bewusstsein: Wissenschaft ist der aktuelle Stand unseres Irrtums. 😉

        Verfasst von Joachim Schlichting | 10. Oktober 2020, 17:06
      • Dieser Satz scheint von Prof. Gerhard Maletzke zu stammen?!
        Bloß sollte man den Satz nicht mit Zweiflern in der jetzigen Krise teilen 😉

        Verfasst von kopfundgestalt | 10. Oktober 2020, 20:50
      • Das könnte sein. Ich weiß nur, dass er inden 70er Jahren an einer unserer Institutstüren zu lesen war. Im Übrigen gebe ich dir völlig recht, dass die terribles simplificateurs unserer Tage daraus falsche Schlüsse ziehen könnten.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 10. Oktober 2020, 21:09
  3. Eine tolle Versammlung, in Wort und Bild, lieber Joachim.
    Solche Schneckenknubbel an Halmen habe ich bisher nur auf Rügen gesehen.

    Verfasst von Ule Rolff | 10. Oktober 2020, 09:13
  4. Hermetik, wie oben, so unten

    Verfasst von aquasdemarco | 10. Oktober 2020, 09:32
  5. Und was ist mit denen, die sich dem Aufstieg verweigern – wie die Schnecken am blauen Band? Sind das die Klugen oder die Zurückgebliebenen, die sozial Schwachen? Oder sind sie bereits wieder im Abstieg begriffen?

    Verfasst von gkazakou | 11. Oktober 2020, 21:55
    • Um ganz ehrlich zu sein – die sind heruntergefallen. Als ich mein Fahrrad gegen den Zaun lehnte, gab es eine derartig große Erschütterung, dass die mittleren Schnecken sich offenbar nicht mehr halten konnten. Leider musste ich danach abreisen und konnte das weitere Schicksal nicht verfolgen. Aber wenn wir schon im Bereich der Fabel sind, können wir auch dieses krisenhafte Ereignis integrieren und feststellen, dass es den Menschen nicht anders ergeht. Die Oberschicht bleibt von Erschütterungen weitgehend verschont, die Mittelschicht stürzt ab und der Unterschicht geht es bereits so schlecht, dass es schlechter kaum werden kann.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 11. Oktober 2020, 22:07

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