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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene, Physik und Kultur

Ein Zeichen am Himmel zum 2. Advent

In der Adventzeit neigen manche Menschen dazu, Zeichen am Himmel zu sehen. Das ist nicht neu. So wurde beispielsweise in meiner Kindheit die rote Abenddämmerung mit den Brot backenden Engeln in Verbindung gebracht. Und was ist es diesmal? Eine rote Fahne, die aus den Wolken heraus hängt (siehe Foto)? Eine gewisse Flatterhaftigkeit kann man ihr nicht absprechen. In der Struktur des Streifens könnte man aber auch die leuchtende Spur eines Objekts sehen, der sich rotierend auf einer Spiralbahn nach unten bewegt (hat). Oder ist es doch nur der Rest eines verwirbelten (verwirrten?) Kondensstreifens?
Bleiben wir mal dabei. Kondensstreifen entstehen nur unter bestimmten Bedingungen.  Dazu gehört u. A. eine genügend große Feuchte (Wasserdampfkonzentration). Es könnte also sein, dass diese Bedingung nur in dem Bereich ausreichend groß ist, in dem man den Streifen sieht. Dort haben sich genügend Wassertröpfchen bzw. Eiskristalle gebildet, an denen das Sonnenlicht gestreut und daher indirekt sichtbar wird. Die rote Farbe zeugt davon, dass die Sonne bereits untergegangen ist  oder zumindest sehr tief steht. Ihr Licht legt einen langen Weg durch die Atmosphäre zurück und hat durch mehrfache Streuvorgänge die kurzwelligen Lichtanteile verloren. Und die verbleibenden langwelligen Rotanteile erreichen auch nur noch höhere Himmelregionenen in dem sich der Kondensstreifenrest wie eine Fahne im Wind bewegt.
Die dunklen Wolken liegen niedriger als der beleuchtete Kondensstreifenrest. Sie werden nicht mehr vom Sonnenlicht erreicht und bilden mit ihrem die kommende Nacht präludierendem Schwarz einen eindrucksvollen Kontrast, der auch ohne brotbackende Engel sehr schön zum heutigen 2. Advent passt.

Diskussionen

10 Gedanken zu “Ein Zeichen am Himmel zum 2. Advent

  1. Zeichen in einem ominösen Sinn pflege ich am Himmel nicht zu sehen, eine leuchtende Wolkensäule, wie auf dem Foto, aber habe ich schon gesehen, und, wenn ich mich recht erinnere, müsste das auch etwa zu dieser Jahreszeit gewesen sein. Ich stand auf dem Pariser Platz und wunderte mich gleichzeitig über das Wolkenphänomen und darüber, dass keiner von den unzähligen Menschen um mich herum es zu beachten schien. Das Brandenburger Tor war eben wichtiger. Die normalen Kondensstreifen, die besonders den Abendhimmel in eine Art Schnittmusterbogen verwandeln, haben mich allerdings oft beunruhigt. Viel zu viele Flugzeuge!

    Verfasst von christahartwig | 6. Dezember 2020, 05:05
    • Die Erfahrung, dass die meisten Menschen verlernt haben, Naturphänomene zu sehen gehört auch zu meinen Erfahrungen. Die Schnittmusterbögen am Himmel (schöne Bezeichnung) sind auch hier seit einer Pause im Sommer auch wieder zu sehen, wenn auch mit etwas gröberem Schnitt.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 7. Dezember 2020, 13:51
  2. ENGEL

    Der Engel schwebt,
    der Himmel lebt,
    die Engel backen Brot.
    Ein Mensch in sieben
    ist jetzt in Not, hast du gesagt,
    hat nicht genug zu essen
    im reichsten Land der Welt.
    Die Engel backen, der Himmel wird rot
    und wird dunkel am Nachmittag.
    Die Engel backen im Flüchtlingszelt.
    Wir zünden Kerzen an
    und backen und singen.
    Die Menschen haben gerade gewählt
    im reichsten Land der Welt.
    Ist es besser in China?
    Ein Mensch in fünf, ein Kind von sieben
    irgendwo drüben.
    Die Wolke schwebt,
    die Farbe lebt.
    Gott, gib uns unser tägliches Brot.

    MW 2. Adventssonntag 2020

    Verfasst von 中国大好き | 6. Dezember 2020, 09:24
  3. Wow. Das sieht wundervoll aus.
    Hab einen schönen Nikolaus!

    Verfasst von Nicole Kirchdorfer | 6. Dezember 2020, 10:34
  4. Das Frappierende für mich ist der fast senkrecht wirkende Eintrag. Dabei wissen wir, daß er waagrecht sein muß – oder fliehend in eine Neigung.

    Verfasst von kopfundgestalt | 6. Dezember 2020, 12:43
  5. Sieht ja schon recht rätselhaft aus🤔

    Verfasst von ele21 | 6. Dezember 2020, 15:04

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