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Energie und Entropie, Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Gestylte Wimpern durch Mutter Natur

Man schaue sich die Wimpern dieses Kindes an. Sie scheinen sorgfältig gestylt, zu spitz auslaufenden Bündeln vereinigt. Dahinter steckt jedoch keine exaltierte Mutter, sondern letztlich Mutter Natur. Denn das Kind hat nur heftig im Wasser geplanscht. Alles andere geschah von selbst (Selbstorganisation). Wer mit dem Tuschpinsel vertraut ist, kennt das Phänomen in einem völlig anderen Kontext. Solange sich der Pinsel in Wasser befindet, bleiben seine Borsten in etwa so buschig wie außerhalb. Nimmt man ihn aber aus dem Wasser heraus, ziehen sich die Borsten mehr oder weniger stark an, sodass sie meist in einer feinen Spitze auslaufen.
Sobald der Pinsel aus dem Wasser herausgenommen wird, tropft ein großer Teil des Wassers schwerkraftbedingt ab. Eine dünne Schicht bleibt an den Haaren haften, weil diese das Wasser lieben (physikalisch: sie sind hydrophil). Es kostet nämlich weniger Grenzflächenenergie, wenn Wasser eine Grenzfläche mit den Borsten eingeht als mit der Luft. Die dadurch bedingte Anziehungskraft hält so viel Wasser zurück, wie es dessen Schwerkraft erlaubt. Da das Wasser außerdem Grenzflächenenergie einsparen kann, dass es eine möglichst kleine Grenzfläche ausbildet, zieht es sich und damit die benetzten Borsten eng zusammen.
Ähnliches passiert bei den Wimperhaaren. Die Anziehung gegen die elastische Kraft der Wimpern gerade und auf Abstand zu den Nachbarharen zu bleiben ist so groß, dass mehrere Wimpern durch den gemeinsamen Wasserfilm zusammengezogen werden. Da die elastische Rückstellkraft der Wimpern umso größer wird, je stärker sie ausgelenkt bzw. gekrümmt werden, reicht die Oberflächenkraft des Wasserfilms immer nur für ein paar Wimpern aus, bis ein neues Bündel gebildet wird.
Mich würde nicht wundern, wenn dieses Phänomen nicht auch schon in der Kosmetik ausgenutzt würde.

Diskussionen

6 Gedanken zu “Gestylte Wimpern durch Mutter Natur

  1. Wieso hat die Natur nicht gleich diese „dickeren“ Wimpern erfunden?! 😉
    Kleiner Spaß muss sein.

    Verfasst von kopfundgestalt | 11. Dezember 2020, 00:21
  2. Umwimpelte* Augenspiegel. Leider konnte ich das Foto nicht ausreichend vergrößern, um zu erkennen, in welcher Landschaft und von wem es aufgenommen wurde.

    (*dass Wimpel und Wimper fast gleichlauten, fiel mir erst jetzt auf, wo sie ja auch recht ähnlich aussehen)..

    Verfasst von gkazakou | 11. Dezember 2020, 15:51
    • Ja, die Augenspiegel sind manchmal verräterisch. Ich habe mir nochmal das Original angeschaut. Viel mehr gibt es auch nicht her. Allerdings würde, wer mich kennt, meine Silhouette erkennen. Deine kreative Zusammenschau von Wimper und Wimpel zeigt, dass du es gewohnt bist mit der Sprache zu arbeiten…

      Verfasst von Joachim Schlichting | 11. Dezember 2020, 16:18

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