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Energie und Entropie, Physik im Alltag und Naturphänomene

Steine mit Geweih

Es sieht nur so aus als wüchsen den Steinen im Überflutungsbereich des Strands Geweihe. In Wirklichkeit wachsen die dendritischen Strukturen den Steinen entgegen. Genau genommen interessieren sie sich nicht einmal für die Steine, sondern nur für die Vertiefung im Sand, die durch die Steine bewirkt wurde.
Durch das Auflaufen und Ablaufen des Wassers im Überflutungsbereich des Strands verlieren die wie auch immer dorthin gelangten Steine an Untergrund. Sie werden immer wieder unterspült, wobei Sand verloren geht und sie im Sand einsinken. Auch in der unmittelbaren Umgebung wird Sand weggespült, sodass eine Vertiefung entsteht. Weil das ablaufende Wasser um den Stein herum einen größeren Weg zurücklegt und daher schneller fließt, wird mehr Sand aufgewirbelt und von der Strömung mitgerissen.
Das im Sand einsinkende Wasser strebt den lokalen Vertiefungen zu und das geschieht nach dem Prinzip minimaler Energiedissipation. Durch die Strömung werden ihrerseits winzige Priele in den Sand gespült und wo schon einer ist, dort gesellen sich weitere hinzu. Es ist energetisch günstiger gemeinsam mit anderen Prielen in deren Bett zur Senke zu fließen als ein eigenes Bett zu graben.
Die schwarze Färbung des Adersystems rührt daher, dass der Sand aus leichten hellen und schweren dunklen Körnern besteht und durch die Strömung eher die leichten Teilchen mitgenommen werden als die schweren.
Auf diese Weise malt die Natur ein naturschönen Muster, indem sie in Gegenwart zufälliger materieller Gegebenheiten den Naturgesetzen folgt.

 

Diskussionen

20 Gedanken zu “Steine mit Geweih

  1. Solche Steingeweihe habe ich noch nie gesehen. Vielleicht lagen im Überflutungsbereich der Stränden, an denen ich spazierte, nicht die richtigen Steine, oder mein Blick war zu sehr auf die Suche nach schönen Muschelschalen konzentriert. Das Wort „naturschön“ klemme ich mir jetzt mal unter den Arm und nehme es mit. Im Duden findet man nämlich nur die „Naturschönheit“, nicht aber das passende Adjektiv.

    Verfasst von christahartwig | 17. Dezember 2020, 06:56
    • Ich habe die Erfahrung gemacht, dass beim Suchen nach bestimmten Dingen (z.B. schönen Muschelschalen) aus ökonomischen oder sonst welchen Gründen die Aufmerksamkeit für andere Schönheit teils drastisch reduziert wird. Man muss sich da schon auf bestimmte Dinge konzentrieren und auf andere verzichten. Das Wort naturschön benutze ich schon sehr lange ganz bewusst, um mich von der Schönheit menschgemachter Kunstwerke abzusetzen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 17. Dezember 2020, 11:33
      • Die Aufmerksamkeit des Blickes wird ja schon durch die Suche nach Fotomotiven gestört – selbst wenn man nicht auf konkrete Motive aus ist. Die selektive Wahrnehmung kann nützlich sein, aber auch ein erhebliches Manko. – Und „naturschön“ gehört unbedingt in den Duden.

        Verfasst von christahartwig | 17. Dezember 2020, 11:39
      • Das sehe ich auch so. Deshalb lasse ich schon mal den Fotoapparat zu Hause, um ohne diese Such(t)absicht die Natur genießen zu können.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 17. Dezember 2020, 11:44
      • Ich stellte schon vor 30 Jahren auf Reisen fest, daß Leute, die nur durch den Sucher eines Fotos oder sogar Videoaufnahmegeräts schauen, garnicht das unmittelbare Sehen erleben können und so auch bestimmter Dinge NICHT ANGESICHTIG werden können.
        Das ist unmittelbar einleuchtend, finde ich..

        Verfasst von kopfundgestalt | 17. Dezember 2020, 11:59
      • Ja, diese Gefahr ist sehr groß. Das kann ich von mir behaupten und steuere dann schon mal dem entgegen. Manchmal fühle ich mich erleichtert, wenn ich keinen Fotoapparat u.ä. dabei habe.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 17. Dezember 2020, 13:17
      • aja, das muss man wissen, was damit ausgedrückt sein soll. 🙂

        Verfasst von kopfundgestalt | 17. Dezember 2020, 11:56
  2. Seht schönes Foto mit sehr schöner Geschichte/Erklärung dazu! LG Hania

    Verfasst von Hania Kartusch | 17. Dezember 2020, 08:04
  3. Das „Sand aus leichten hellen und schweren dunklen Körnern “ gefällt mir am meisten, da schon durch Dich bekannt, haha.

    Verfasst von kopfundgestalt | 17. Dezember 2020, 11:55
  4. Ein Baum von frappierender Ähnlichkeit mit dem auf der Walnuss. Du wirst sagen: es sind eben dieselben Naturgesetze am wirken. Oder?
    Nachdenklichstimmt der verallgemeinerungsfähige Satz „Es ist …günstiger gemeinsam mit anderen Prielen in deren Bett zur Senke zu fließen als ein eigenes Bett zu graben.“ Wobei einer ja immer beginnen muss mit der Graberei, die andern laufen dann gemächlich hinterher, und je mehr es sind, desto mehr reihen sich ein. So wird ein fehlgeleiteter Tropfen, ohne es vielleicht zu ahnen, zum Leithammel.

    Verfasst von gkazakou | 17. Dezember 2020, 15:05
    • Wie heißt es doch so schön in dem bekannten Gedicht von Hesse: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. So ist es, wie du messerscharf erkannt hast auch bei den entstehenden Rinnsalen. Durch Zufall müssen an einer Stelle mehrere „Tropfen“ zusammengekommen sein, sodass es „günstiger“ ist, dass andere Tropfen sich hinzugesellen usw. Ja, du hast es sehr schön auf den Punkt gebracht.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 17. Dezember 2020, 17:52
      • Freut mich, Joachim. Ich persönlich hoffe, nie ein fehlgeleiteter Tropfen zu sein, der zum Leithammel wird. Aber einfach in bereits gegrabenen Systemen mitzufließen, weil es bequemer ist, liegt mir auch nicht. Lieber selbst graben und notfalls versickern. was ja dem Ganzen auch irgendwie zugute kommt. 😉

        Verfasst von gkazakou | 18. Dezember 2020, 01:09
      • Das hast im wahrsten Sinne des Wortes „fabelhaft“ ausgedrückt. Eigentlich ist es ja umgekehrt: Wir beschreiben natürliche Vorgänge mit menschlichen Mitteln (Leithammel u.ä.) und sehen dann in diesen Vorgängen ein für bestimmte menschliche Verhaltensweisen typisches Geschehen.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 18. Dezember 2020, 10:17
      • Nebenbei ist mir klargeworden, warum es heißt: jemand sei ein armer Tropf bzw eine arme Tröpfin. 🙂

        Verfasst von gkazakou | 18. Dezember 2020, 13:19
      • Das passt sehr schön! Wenn sich aber die armen Tröpfe*innen in einem dendritischen System organisieren, können sie zum großen Strom werden… 😉

        Verfasst von Joachim Schlichting | 18. Dezember 2020, 13:30
      • das klingt schön und verheißungsvoll 🙂

        Verfasst von gkazakou | 18. Dezember 2020, 17:19

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  1. Pingback: Naturschönheit und Kunst – ein paar verstreute Gedanken. | GERDA KAZAKOU - 17. Dezember 2020

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