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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Worte erschaffen Dinge…

Gegenstände existieren, sobald es Worte dafür gibt, die sie erschaffen.
Obwohl sich die Sprache u.A. aus dem Bedürfnis heraus entwickelt hat, die ursprünglichen Kommunikationsmöglichkeiten zu erweitern und zu präzisieren, trägt sie die Potenz in sich, Wirklichkeiten zu entwerfen und sie sich in der einen oder anderen Form anzueignen. Dazu gehört auch, dass die Grenzen der darin enthaltenen Möglichkeiten erkannt werden einschließlich eben dieser Erkenntnis…

Die im Foto abgebildete Kreation ist ein hybrides Gebilde, aus menschlicher und natürlicher Gestaltung hervorgegangen. Eine Spielerei am Strand am Tage und die darüber geschwappte Flut in der Nacht hinterließen dieses „natürliche Kunstwerk“.

Diskussionen

8 Gedanken zu “Worte erschaffen Dinge…

  1. Worte erschaffen Wirklichkeit.
    Habeck benutzte das, auch Harald Welzer.
    Von wem stammt es ursprünglich?

    Unsere Art, zu sprechen, Dinge zu fokussieren, zu benennen, anderes dann auch wegzulassen, Sachverhalte aus bestimmter Warte zu betrachten, schafft erst eine Wirklichkeit.
    Sprache konstituiert Sein , könnte man verstärkend sagen.

    Ein Neurowissenschaftler, Georg Nordhoff, untersuchte wie viele andere die Realitätswahrnehmung von Asiaten. Ein sehr bekanntes Beispiel ist das kleine Blockhaus im Wald, das Asiaten meist so wahrnehmen, dass sie das gesamte Bild auffassen, der Europäer fokussiert auf das Blockhaus.
    Auch das Phänomen Zeit erfährt in den Kulturen eine zuweilen ganz andere Wahrnehmung.
    Lebewesen leben in subjektiv verschiedenen Zeitrastern.
    Wenn ich eine Langhornmücke fotografieren will, muss ich schnell sein. Sie aber verweilt adäquat lange da, wo sie gelandet ist. Und geht zum nächsten über.
    Ich komme nicht nach, da meine internen neuronalen fixierten Zeiteinheiten andere sind. Gröber sozusagen.
    Wir sind überhaupt das grobe Tier auf Erden.

    Per Handy getippt.

    Verfasst von kopfundgestalt | 19. Dezember 2020, 00:23
    • Woher die Einsicht kommt, dass Dinge durch Worte geschaffen werden, kann ich nicht sagen. Ich habe dies schon vor ca. 30 Jahren in einer Einführungsveranstaltung benutzt im Zusammenhang mit der kulturellen Prägung der Wahrnehmung. Ich habe damals auf eine Studie verwiesen, in der Menschen, die mit der westlichen Zivilisation noch nicht in Kontakt gekommen waren (das gibt es heute kaum noch) gebeten wurden, Fotos hinsichtlich ihres Realitätsgehalts zu beurteilen. Dabei zeigte sich u.a., dass bei ihnen das perspektivische Sehen nicht ausgeprägt war.
      Was du von den Insekten sagst, lässt sich teilweise auch durch die Flächen-Volumen-Relation erklären. Aber das ist wieder ein anderes Fass.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 19. Dezember 2020, 10:44
  2. Meines Wissens wurde auch in Europa Raumsehen, also von einem Gipfel auf eine darunterliegende Landschaft recht spät so benannt und kolportiert. Ob das so stimmt?!

    Das mit dem Raster der Wahrnehmung, das gerade aktive Hirnströme bereitstellen, habe ich aus einer Dlf- sendung, also durch Verwertung von Essen.😃

    Abgesehen von den oft sehr eigenen Sprachkulturen in Asien oder bei Naturvölkern schafft Sprache ja auch Wirklichkeit in unseren engsten heimischen Kreisen.
    Da wird es entsprechende sozialpsychologische Untersuchungen geben.

    Verfasst von kopfundgestalt | 19. Dezember 2020, 12:22
    • Was heißt spät? Ich erinnere mich an einen Text von Petrarca aus dem 14 Jahrhundert, der auf den Mont Ventoux gestiegen war und wie ich aus eigener Erfahrung weiß einen faszinierenden Blick gehabt haben muss. Oder denkst du an Zeiten vor unserer Zeitrechnung?
      Das Gehirn ist in der Tat einer der großen Energieverbraucher des Menschen, obwohl hier keine körperliche Arbeit im engeren Sinne verrichtet wird. Ich war jedenfalls erstaunt, als mir das zum ersten Mal bewusst wurde. Und musste erneut daran denken, dass Google und Co. in Silicon Valley riesige Kraftwerken am Laufen haben, die nur dazu da sind Datenströme aufrechtzuerhelten.
      Ja, Sprache schafft Dinge und damit Wirklichkeit, davon bin ich überzeugt.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 19. Dezember 2020, 21:58
      • Diesen Text von Petrarca meinte ich. Den hatte jemand zitiert und seine Schlüsse daraus gezogen.

        Gestern dachte ich über Gehirnleistung und damit den Energieverbrauch von Schmetterlingen nach, die aus dem Süden nach Europa ziehen.
        Jemand meinte mal an anderer Stelle, daß sie ihre Neuronen multifunktional nutzen, daß sie also vertrackt gut verschaltet sind, sodaß die Betrachtung der nackten Zahl von vielleicht 10000 Neuronen in die Irre führt.

        Verfasst von kopfundgestalt | 19. Dezember 2020, 22:50
      • Mir scheint es auch plausibel, dass die nackte Zahl der Neuronen nicht das alleinige Maß sein kann, die Art der Nutzung ist ebenfalls wichtig.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 20. Dezember 2020, 08:55
  3. Konstruktion der Wirklichkeit – ein weites Feld.

    Wahrnehmen – benennen / benennen – wahrnehmen ist, wie wir wissen, ein komplexer wechselseitiger Prozess, der gleich nach der Geburt beginnt, wenn die Mama mit dem Baby spricht und ihm die Menschen und Dinge benennt. Die Struktur der Sprache bestimmt dabei mit, wie die Welt sich für das Kind organisiert.
    Dass unsere Weltwahrnehmung von der Sinnesorganisation abhängig ist, ist ja spätesten seit Kant Allgemeingut. Dass die Weltwahrnehmung aber auch von der jeweils gesprochenen Sprache abhängig ist, weil sie unserem Denken eine bestimmte Struktur aufprägt, ist wohl erst seit dem 20. Jh bewusst geworden.
    Sprache und Denken stehen ihrerseits in einem Wechselverhältnis . Mit dem Altgriechischen denkt man anders als mit dem Neugriechischen, mit dem mittelalterlichen Deutsch anders als mit dem Deutsch des 21. Jahrhunderts.
    Das Sprachen sich entwickeln, spiegelt umgekehrt den Einfluss des Denkens auf die Sprache.

    Wer heute den kurzen Ausdruck „shut-down“ in die deutsche Sprache einführt, beschreibt nicht nur ein Phänomen, sondern schafft es auch. 🙂

    Verfasst von gkazakou | 19. Dezember 2020, 19:39
    • Das ist eine geistreiche Ergänzung dessen, was ich ja nur andeutungsweise zur Diskussion gestellt habe. Sprache und Denken bedingen sich gegenseitig. Inzwischen glaubt man ja sogar, dass Denken ohne Sprache zumindest in Form, in der wir uns das vorstellen, gar nicht möglich ist.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 19. Dezember 2020, 22:01

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