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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene, Strukturbildung, Selbstorganisation & Chaos

Virtuelle Weihnachtsbäume

Ich denke, dass uns das diesjährige Weihnachtsfest lange in Erinnerung bleiben wird. Wie immer man es gestaltet, es wird anders sein. Ein Virus hat unsere Realität weitgehend in eine Virtualität verwandelt. Das gibt mir die Chance auch den Weihnachtsbaum virtuell auftreten zu lassen und zwar nicht nur einmal, sondern unendlich oft in drei verschiedenen Farben. (Durch Klicken auf Foto vergrößern. Seht ihr ihn jetzt?)
Wie kommt man zu einem solchen fraktalen Gebilde? Man nehme vier Weihnachtsbaumkugeln und füge sie zu einem Tetraeder zusammen. Da diese Konstellation dank der Schwerkraft nicht stabil ist, fixiere man sie mit einem transparenten Klebeband (siehe unteres Foto). Blickt man nun in den Hohlraum zwischen den Kugeln, so tut sich ein unendlich detailliertes Panorama von Reflexionen von Reflexionen… und so weiter ad infinitum auf.
Um nun ganz weihnachtsgemäß noch etwas Farbe in die Angelegenheit zu bringen, stellt man hinter den Kugeln noch einige farbige Kartons auf, so wie es im unteren Foto zu sehen ist. Statt eines Reflexionschaos der im Zimmer herumstehenden Dinge hat man jetzt klare Farben, die mit ihrer Farbe auf den Ursprung der Reflexe verweisen. Dabei dominiert – oh Wunder – die Figur eines Weihnachtsbaums in all seinen Zuständen und Größen bis hin zum unendlich kleinen. Im oberen Ausschnittsfoto steht er in gelber oder besser noch goldener Farbe oben in der Mitte. Er ist umgeben von vielen weiteren Exemplaren. Es sind theoretisch unendlich viele, weil das Reflektieren des Reflektierens…etc. ja zumindest theoretisch nicht aufhört. Um allerdings auf einer endlichen Fläche untergebracht werden zu können, werden sie immer kleiner, schließlich unendlich klein.
In der Physik nennt man solche Strukturen Einzugsbereiche, im vorliegenden Fall sind es sogenannte Wada-Bassins oder Wada-Seen, benannt nach dem japanischen Mathematiker Takeo Wada.

Ich wünsche Euch/Ihnen Frohe Weihnachten und ein paar erholsame Tage zwischen den Jahren. Bleibt/bleiben Sie gesund.

Diskussionen

12 Gedanken zu “Virtuelle Weihnachtsbäume

  1. Frohe Weihnachten!

    Verfasst von gkazakou | 25. Dezember 2020, 00:14
  2. Virtualilität passt jetzt ganz wunderbar.
    Dein Vexierspiel hier kommt daher ganz

    Verfasst von kopfundgestalt | 25. Dezember 2020, 00:48
  3. Wie durch Zufall betrachtete ich gerade eine Arbeit eines Künstlers, der nur mit Lupe und feinstem Pinsel ein solch irres vexierspiel kreiert hatte. Absolut perfekt und ohne Software.
    Ich kaufte es vor 10 Jahren meiner Frau.
    Zu Weihnachten.

    Verfasst von kopfundgestalt | 25. Dezember 2020, 00:52
    • Das erinnert mich an das kleinste Buch in meinem Bestand (Pensées et Maximes)- 27 mm x 37 mm – das man nur mit der Lupe lesen kann. 🙂

      Verfasst von Joachim Schlichting | 25. Dezember 2020, 10:32
      • Da muss jedes Wort wohl gewählt worden sein!

        Verfasst von kopfundgestalt | 25. Dezember 2020, 11:29
      • Genau, auf jeder Seite steht ein Aphorismus. Zum Beispiel: Der Mensch ist weder Engel noch Bestie und das Unglück will es, dass der, der ein Engel sein will, zur Bestie wird (Blaise Pascal) (meine unvollkommene Übersetzung aus dem Französischen)

        Verfasst von Joachim Schlichting | 25. Dezember 2020, 12:10
      • Am besten man nehme immer eine Engelwaage: Ist meine geplante Handlung jetzt engelhaft oder dem Satan abgeschaut?!
        Das weiß im Einzelfall wohl niemand so genau, aus welchen Tiefen seine Antriebe kommen – und was sie bewirken auch.

        Verfasst von kopfundgestalt | 25. Dezember 2020, 13:42
  4. Wada-Bassins – das klingt wie japanische Gartenkunst und ist auch wieder so ein Spiegel-Spiel, das ich am liebsten sofort nachspielen möchte. Nur hängen die wenigen Weihnachtskugeln, die ich noch besitze, am Weihnachtsstrauß und sowieso sind nur zwei davon so schlicht blank, wie es für diese Konstruktion erforderlich ist. Nächstes Jahr!

    Verfasst von christahartwig | 25. Dezember 2020, 11:36

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