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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Veränderungen 1

Als ich vor vielen Jahren den Pont du Gard zum ersten Mal besuchte, genoss ich es in lichter Höhe über die mit Steinplatten abgedeckte ehemalige Wasserleitung zu spazieren. Manchmal fehlten einige Platten, dann musste man springen oder ein Stück auf der Seitenwand balancieren. Ich vermied es in solchen Fällen, in die Tiefe zu blicken. Es war ein Abenteuer! Die Straße über das Flüsschen Gardon gibt einen Eindruck davon, welcher Aufwand in der Römerzeit getrieben wurde, um das Wasser aus den Bergen in die Städte zu transportieren.

Der freie Zutritt ist schon lange nicht mehr möglich (seit wann, konnte ich nicht in Erfahrung bringen). Es ist auch für mich aus heutiger Sicht kaum noch vorstellbar, dass es einmal anders war und solche Kletterpartien möglich waren. Die Brücke hält Jahrtausende – heute werden Gebäude aus den 70er Jahren (beispielsweise Universitätsbebäude) gesprengt und abgerissen und durch neue ersetzt – vermutlich durch solche mit noch geringerer Lebenszeit. Das gibt zu denken.
Derartige Veränderung finden allenthalben statt, man bemerkt sie meist nicht, weil sie schleichend sind. Man denke nur an das eigene Älterwerden.

Diskussionen

11 Gedanken zu “Veränderungen 1

  1. „Es ist auch für mich aus heutiger Sicht kaum noch vorstellbar, dass es einmal anders war und solche Kletterpartien möglich waren“ – das denke ich auch bisweilen, wenn ich gelegentlich überlege, ob ich einen etwas schwierigeren Abstieg noch wagen kann (von wegen Älterwerden).

    Verfasst von gkazakou | 20. Januar 2021, 00:32
    • Bei vielen Klettergelegenheiten wie früher beim Pont du Gard, erstaunt mich vor allem, dass so etwas früher zugelassen wurde, aber auch, dass ich es damals als völlig normal fand. Ich hätte meinen Kindern niemals erlaubt, etwas Vergleichbares zu tun. Da hat offenbar ein großer gesellschaftlicher Wandel in der Einschätzung von Gefahren stattgefunden.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 20. Januar 2021, 10:38
      • So etwas führte auch Hans Rosling in „Factfulness“. Die Kindersterblichkeit nahm generell ab, weil man Vorkehrungen schaffte. Also Löcher , Kanäle absichern ect.,

        Verfasst von kopfundgestalt | 20. Januar 2021, 14:56
      • Man kann schlecht herausrechnen, welchen Anteil daran die elterliche und behördliche Vorwegnahme von vermeintlichen Gefahren die Sorglosigkeit und damit das Gegenteil bewirkt.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 20. Januar 2021, 16:51
  2. In Spanien hatte ich mal eine solche Brücke über das Tal erlebt. Das war einer meiner besten Urlaubserinnerungen, kaum je gab es etwas Vergleichbares.
    Die Altstadt nahe des Äquadukts war ungeheuer lieblich und nahezu perfekt, mit vielen kleinen Nischen und wunderbaren Kleincafes.
    Nie werde ich je so etwas noch mal erleben dürfen!!
    Das war mir schon damals klar, vor etwa 20 Jahren.

    Verfasst von kopfundgestalt | 20. Januar 2021, 00:46
  3. Nach meinem Eindruck waren in früheren Zeiten Gefahren selbstverständlicher Bestandteil des Lebens. Zudem galt in höherem Maße das Prinzip der Eigenverantwortung. Und um vieles hat man sich schlicht nicht gekümmert. Heute sind Gefahrenquellen potentielle Versicherungsfälle, da geht es um Geld und Schadensersatzansprüche. Wenn man so will, die Durchkapitalisierung des Lebens, deren Prinzip auch zunehmende Bevormundung (Diktat der gesunden Lebensweise) ist. Ok, vielleicht ein bisschen viel hineingelegt…

    Verfasst von derdilettant | 20. Januar 2021, 13:48

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