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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Wie groß ist der Mond?

Der Mond hat sich im Geäst verfangen. So stellte sich die Situation für mich in einem nicht ganz so klaren Moment dar. Zur meiner Entschuldigung ist zu sagen, dass es ja auch sehr dunkel war. Wenn wenigstens Vollmond gewesen wäre.
Da man ein ungefähres Gefühl für die Größenordnung der Äste des Baumes hat und sich den Mond im Baum verhaspelt vorstellen kann – zumal Äste vor und hinter dem Mond erscheinen – kann man für einen Moment ein Gefühl für die absolute Größe des Mondes haben. Er ist gewiss größer als ein Apfel, vielleicht so groß wie ein Kürbis? Die alten Griechen sahen den Mond in etwa so groß wie einen Menschenfuß an. Jedenfalls sagt Heraklit „Die Sonne ist so breit wie ein Menschenfuß“. Und da Sonne und Mond am Himmel gleich groß erscheinen, gilt das auch für den Mond. Vielleicht hat man die Himmelskörper damals ebenfalls im Geäst eines Baumes hängen sehen.
Wenn eine konkrete Entfernung bei der Einschätzung der Größe eines Gegenstandes fehlt, hat man nur den Sehwinkel – und der erlaubt alle möglichen Größen.
Der tatsächliche Durchmesser des Mondes beträgt etwa 3475 km – von wegen Kürbis.

Diskussionen

28 Gedanken zu “Wie groß ist der Mond?

  1. Lächel … Größe ist eben relativ und hängt wohl von der Entfernung ab.
    Feines Foto!
    Herzliche Morgengrüße vom Lu

    Verfasst von finbarsgift | 16. Februar 2021, 04:25
  2. Ich hoffe, du hast den Mond aus dem Gezweig befreit, damit er wieder seinen gehörigen Platz einnehmen kann.

    Verfasst von Ule Rolff | 16. Februar 2021, 08:35
  3. ..zumal Äste vor und hinter dem Mond erscheinen
    Wie ist das denn möglich?

    Verfasst von kopfundgestalt | 16. Februar 2021, 11:06
    • Es handelt sich wieder einmal um eine optische Täuschung, der nicht nur unser visuelles Wahrnehmungssystem, sondern auch die fotografische Technik erliegt.
      Normalerweise werden die gesehenen Gegenstände den Gesetzen der geometrischen Optik entsprechend auf der Netzhaut des Auges farb- und helligkeitsgetreu abgebildet. Bei sehr hellen Objekten werden die Rezeptoren aber gegebenenfalls über die Sättigung hinaus angesprochen und dadurch so stark erregt, dass auch noch einige der benachbarten Rezeptoren reagieren. Dadurch entsteht der Eindruck, dass es auch noch im Bereich der den Mond tatsächlich abdeckenden Äste hell ist, obwohl es „in Wirklichkeit“ nicht der Fall ist. Dieser physiologische Effekt wird auch als Überstrahlung oder Irradiation (Hermann von Helmholtz) bezeichnet.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 16. Februar 2021, 12:20
      • Dieses „Mitschleppen“ benachbarter Bereiche gibt es ja auch bei den Farbtäuschungen.

        Heisst das, daß das Auge so „konstruiert“ ist, daß es einen zwar großzügigen Bereich abdeckt, aber solche Grenzphänomene wie die Überstrahlung nicht meistern kann.. und auch nicht will?!

        Verfasst von kopfundgestalt | 16. Februar 2021, 13:32
      • Um die krassen Helligkeitsunterschiede tonwertmäßig differenziert zu registrieren wäre ein sehr großer physiologischer (bei der Kamera apparativer) Aufwand nötig, der sich angesichts der Seltenheit solcher Verhältnisse wohl nicht „gelohnt“ hätte. Hinzu kommt, dass in vielen Fällen ein Vermeidungsverhalten beabsichtigt zu sein scheint, uns daran zu hindern in zu helle Lichtquellen (wie die Sonne) zu blicken. Das ist meine Vermutung. Da es sich teilweise um physiologische Vorgänge handelt, möchte ich hier lieber etwas vorsichtig sein.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 16. Februar 2021, 14:02
      • Verstehe. 🙂
        Wenn man länger in überhelle Bereiche gucken würde, dann wäre man evtl. hilflos die nächsten Sekunden. Das wil, der Organismus natürlich vermeiden.

        Verfasst von kopfundgestalt | 16. Februar 2021, 14:09
      • Ja, und beim Blick in die Sonne genügen Sekunden, um die Netzhaut zu zerstören.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 16. Februar 2021, 14:18
      • Das ist klar,

        Verfasst von kopfundgestalt | 16. Februar 2021, 14:20
      • Entschuldige! Ich höre richtig deine Entrüstung. 😉

        Verfasst von Joachim Schlichting | 16. Februar 2021, 15:17
  4. Ne, ich war nicht entrüstet, Joachim.
    Du musstest es anfügen, nicht daß einer auf „dumme Gedanken“ kommt.

    Verfasst von kopfundgestalt | 16. Februar 2021, 17:06
  5. Das Phänomen, das du hier beiläufig erwähnst – dass Mond und Sonne von der Erde aus gleich groß erscheinen – ist für mich eines der großen Welträtsel. Physikalisch lässt es sich natürlich erklären, aber hier geht es nicht um Erklärung, sondern ums Wundern. Als ich einmal bei untergehender Sonne und aufgehendem Vollmond im Parnithagebirge bei Athen wanderte, sah ich zum ersten Mal diese erstaunliche Himmelswaage: Mond, im Westen die Sonne – gleich groß, als hätten sie dasselbe Gewicht.
    Es gibt auch einen Film, mit einer Oper auf einem Ozeandampfer, wo eben dieses Phänomen bestaunt wird. Leider habe ich sonst alles vergessen, erinnere mich auch an keinen Titel. Du vielleicht?

    Verfasst von gkazakou | 16. Februar 2021, 17:50
    • Das Phänomen lässt sich nicht einmal physikalisch erklären. Und in solchen Situationen sprechen die Physiker gerne vom Zufall. Wir leben also zufällig in einer Zeit, in der wir aufgrund der gleichen Winkelgrößen unserer beiden dominierenden Gestirne, totale Sonnenfinsternisse erleben dürfen.
      An einen wie von dir beschriebenen Film kann ich mich auch nicht erinnern. Das will aber nichts besagen, da ich nicht sehr häufig Filme sehe.
      Ja, ich liebe auch die Momente in den Vollmondtagen, wenn man die Gelegenheit hat beide Himmelskörper einander gegenüberliegend zu sehen und ich als kleines Wesen dazwischen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 16. Februar 2021, 20:38
      • Schade, ich hatte gehofft, die Physiker würden auf diesen Begriff verzichten können. Zufall ist eine Gottheit. Da können wir doch gleich beim Schöpfergott bleiben.

        Verfasst von gkazakou | 16. Februar 2021, 21:04
      • Der Zufall spielt in der nichtlinearen Physik (Chaosphysik) eine große Rolle. Darin wird die bereit von den alten Griechen hervorgebrachte Idee des Clinamen implementiert. Ohne dies wäre die Welt aus dem Blickwinkel der Physik ein bloßer deterministischer Mechanismus. Das wäre zu einfach. Wenn du mal Zeit hast, kannst du ja einen älteren Aufsatz von mir lesen, die ich unter (https://hjschlichting.files.wordpress.com/2011/01/strukturen_der_unordnung1.pdf) abgelegt habe. Was den Schöpfergott betrifft, so hat doch schon Einstein gesagt: „Raffiniert ist der Herrgott, doch boshaft ist Er nicht“.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 16. Februar 2021, 22:18
    • Du meinst Fitzcarraldo?!

      Verfasst von kopfundgestalt | 16. Februar 2021, 23:08
  6. Tolles Bild und interessante Überlegung!

    Verfasst von Johanna | 18. Februar 2021, 22:54

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