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Didaktik, Geschichte, Wissenschaftstheorie, Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Zur Kunst der Handhabung

All perception of truth is
the perception of an analogy;
we reason from our hands to our head.

Henry David Thoreau (1817 -1862)

Als ich spaßeshalber mit der Hand feststellen wollte, wie sich das leicht übergefrorene Moos anfühlte, spürte ich wie die Hand zunächst auf harte, kalte Eispartikel stieß, die aber unversehens ihren Widerstand aufgaben, indem sie sich verflüssigten. Das Moss wurde weich, die Hand sank ein und das Gefühl entsprach wieder dem vertrauten Moosgefühl – wenn auch stark unterkühlt.
Doch das war nicht alles. Als ich die Hand wieder entfernte, hinterließ sie eine visuelle Spur, die mir deutlich vor Augen führte, dass meine Berührung den berührten Gegenstand verändert hatte.
In diesem kleinen Spiel liegt eine große Wahrheit: Um den wahren Zustand eines Systems zu ermitteln, muss man behutsam vorgehen. Denn die nicht zu vermeidende Rückwirkung ist oft unerwünscht.
Dies gilt zumindest für die physikalische Praxis. Denn die Sensoren/Messgeräte sollen möglichst keinen Einfluss auf das System ausüben und es dadurch verändern. In anderen Bereichen mag es genau umgekehrt sein.

Diskussionen

19 Gedanken zu “Zur Kunst der Handhabung

  1. eindrucksvoller fingerprint. “ In anderen Bereichen mag es genau umgekehrt sein“ – das stimmt. Manchmal möchte man ja seinen Duftstoff hinterlassen. Es ist jedenfalls gut, sich dessen bewusst zu bleiben.

    Verfasst von gkazakou | 5. März 2021, 00:09
  2. Ich dachte sofort ans Universum in Bremen.

    Der Beobachter soll nichts verändern. Ein sehr wackliges und schwieriges Prinzip.
    Manche Therapeuten sehen sich nur als Spiegel. Sie deuten nichts. Sie sind quasi nicht da.

    Verfasst von kopfundgestalt | 5. März 2021, 00:23
    • Du dachtest an die Wand mit den verschiebbaren Nadeln im Universum? Das Prinzip, durch Berührung nichts zu verändern, ist natürlich nicht durchzuhalten, weder im wahren Leben (Schon ein Blick kann einen anderen Menschen beeinflussen.) noch in der Quantenphysik (Jede Messung verändert das System.). Und was die spiegelnden und paraphrasierenden Therapeuten betrifft, so sind die sich schon sehr bewusst, dass diese Methode stark invasiv ist.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 5. März 2021, 09:51
      • Ja, die Nadelwand. 🙂

        Bei Therapeuten:
        Da gilt meist: So wenig invasiv wie möglich, damit sich das Problem „von sich aus“ nach und nach frei zeigen kann. Aber selbst das ist wie gesagt nur „eine Arbeitshypothese“.

        Zum Blick eines anderen: Wenn Raben den Blick eines anderen Raben – in ihre Richtung – bemerken, vergraben sie ihre Beute nach Abzug des anderen woanders.
        Jetzt gilt die Frage: Weiss der Rabe, was der beobachtende Rabe gedacht hat oder ist es reiner Automatismus: Falls A) geschieht, habe ich B) zu tun?

        Verfasst von kopfundgestalt | 5. März 2021, 10:15
      • Warum sollte es bei den Raben nicht anders sein als bei Menschen? Der Mensch möchte gern das „Denken“ für sich als Alleinstellungsmerkmal bewahrt wissen und wertet es bei Tieren mit Automatismus etc. ab. Die Wesen sind evolutionär auseinander hervorgegangen, warum sollten also unterschiedliche „Mechanismen“ zur Bewältigung ähnlicher Situationen benutzt werden?

        Verfasst von Joachim Schlichting | 5. März 2021, 12:13
      • Es gibt Altruismus und Gerechtigkeitsempfinden ect bei bestimmten Affen. Natürlich muss man trotzdem eine Grenze ziehen.

        Verfasst von kopfundgestalt | 5. März 2021, 13:08
      • Klar, aber diese Grenze betrifft nicht das Grundsätzliche, sondern vor allem artspezifische Details.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 5. März 2021, 13:27
  3. Sehr anschaulich dargelegt – das Begreifen! Und wieder ein fabelhaftes Foto! 🙂

    Verfasst von jetztistdiebestezeit | 5. März 2021, 09:28
  4. Klasse Foto! Ich glaube nicht, dass wir jemals ’neutral‘ sein können, das würde ja unsere Existenz verneinen. Die Quantephysik scheint zu zeigen, dass das blosse Beobachten das Experiment beeinflusst. Ist es das Sehen? Das Denken? Das Bewusstsein? Das Sein? 🤔

    Verfasst von Johanna | 5. März 2021, 10:34
  5. Erkennen und Begreifen, wie stark sie auf das Objekt der Beobachtung einwirken, wird für mich in der Medizin immer wieder klar: die Crux, nie zu wissen, ob durch Untersuchung schon und Behandlung etwas verbessert oder verschlimmert wird. Bei lebenden Untersuchungs“objekten“ nie zu beantworten, sie agieren und reagieren halt.

    Verfasst von Ule Rolff | 5. März 2021, 11:27
  6. Das faszinierende an dem Foto ist ja, dass die Hand garnicht wie ein Abdruck aussieht, sondern so, als ob sie aus dem Moos herauskäme. Die Fingerspitzen scheinen höher als die Handfläche.

    Verfasst von derdilettant | 5. März 2021, 22:46
    • Ja das stimmt. Ich sehe diesen Inversionseffekt (ähnlich den Mondkratern auf Fotos) genauso. Wie ich aber bei ähnlichen Phänomenen feststellen konnte, sehen viele Menschen es nicht so. Manche können sogar beide Versionen aktualisieren.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 6. März 2021, 08:54

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