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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Konstruktionen

Wir werden zu zeigen haben, daß etwas, was der Mensch in seiner wissenschaftlichen Technik MACHT (…), in der Natur nicht existiert und noch nicht einmal eine NATÜRLICHE Folge NATÜRLICHER Phänomene ist.*

Worum handelt es sich bei den „Konstruktionen“? (Bauwerk und Baum ist mir als Antwort nicht genau genug).

 

 

 


Gaston Bachelard. Epistemologie. Frankfurt 1993. S. 21

Diskussionen

20 Gedanken zu “Konstruktionen

  1. Ein Gemisch aus Ton und Papier erzeugt größere Haltbarkeit auch dünner Strukturen, weil sich der Ton in seiner Mikrostruktur „verästelt“.
    Man stellt ihn eigens dafür her.
    Das fällt mir dazu ein.

    Verfasst von kopfundgestalt | 6. März 2021, 00:14
  2. Brillant, die Gegenüberstellung der Abbildungen, und sehe anregend, über Wachstum und Konstruktion als (scheinbare?) Gegensätze nachzudenken.

    Verfasst von Ule Rolff | 6. März 2021, 08:54
    • Obwohl die Menschen sich in Wissenschaft und Technik sich viel von der Natur abschauen (Bionik), sind die menschlichen Konstruktionen meist sehr unterschiedlich. Offenbar liegt es daran, dass die Funktion dieser Konstruktionen (im vorliegenden Beispiel) jeweils eine andere ist. Die Baumstrukturen müssen nicht nur stabil sein, sie müssen auch so ökonomisch konstruiert sein, dass sie mit möglichst geringem Aufwand an Energie und Material ständig versorgt werden müssen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 6. März 2021, 09:11
  3. Ist das der Eiffelturm? Faszinierend, in dieser Zusammenstellung mit dem Baum, auf eine Ähnlichkeit wäre ich durch eine Gesamtansicht nie verfallen.

    Verfasst von puzzleblume | 6. März 2021, 09:58
    • Ja, das ist einer seiner „Füße“. Die Konstruktion sieht man in der Tat erst so richtig wenn man direkt darunter steht. Für ein Foto des Baums musste ich erst warten, bis alle Blätter gefallen sind. Darin sieht man auch schon einen wesentlichen Unterschied zwischen technischen und natürlichen Strukturen. Die technischen können nur Gerippe anbieten…

      Verfasst von Joachim Schlichting | 6. März 2021, 11:28
  4. Die Natur machts optimal.. die Technik schaut vieles ab, aber bleibt viel weniger effektiv oder graziös 😅

    Verfasst von Johanna | 6. März 2021, 10:39
  5. Wenn ich – nach meinem Verständnis – den Unterschied zwischen Natur und Technik in einem Begriffe-Paar beschreiben sollte, würde ich wohl zu Bescheidenheit und Vermessenheit greifen. In der Natur entwickelt sich alles nach gegebenen Möglichkeiten und ist dabei sehr bescheiden. Das Ziel ist, aus Wenigem das Maximum für die eigene Weiterentwicklung zu machen, und darauf baut sich dann wieder die Weiterentwicklung anderer Lebewesen auf. Ein Techniker würde den Vogel, der dem Krokodil die Zähne reinigt, bereits bei der Entwicklung des Krokodils mit einplanen (und käme sich deswegen sicher haushoch überlegen vor).
    In einem der phantastischen Romane von Johanna und Güner Braun gab es Häuser, die Bäumen nachempfunden waren. Die Wohnungen hingen wie Kugeln an den „Ästen“. Sehr hübsch und sehr unpraktisch – und auch ein Paradebeispiel dafür, dass es konstruktionsmäßig keinen Sinn hat, die Natur zu imitieren.

    Verfasst von christahartwig | 6. März 2021, 12:21
    • Natürlich ist es sinnlos, die Natur blind kopieren zu wollen. Da hätten die Menschen keine Chance. Schon Lichtenberg sagte dem Sinne nach: Kathedralen bauen könne der Mensch, aber keine Mücke brächte er zustande.
      Worum es geht und wovon die modernen Wissenschaften immer mehr profitieren ist, der Natur bestimmte Techniken, Materialien etc. abzuschauen und in High-Tech-Produkten unterzubringen (Stichwort: Bionik). Dazu gehört z.B. die Entspiegelung von Brillengläsern (dem Mottenauge abgeschaut), die Fabrikation von Farben mit der Eigenschaft, leicht verstrichen zu werden, aber in Ruhe gelassen an der Stelle zu bleiben (kommt im Schneckenschleim vor), Oberflächen so zu behandeln, dass sie nicht benetzt werden können (der bekannte Lotus-Effekt) usw.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 6. März 2021, 15:10
  6. Möglicherweise „funktionieren“ die natürlichen Konstruktionen, weil sie dynamisch sind, also in ständigem Wachstum begriffen. So gesehen bestand die Herausforderung für den Menschen darin, stabile Konstruktionen aus „totem“ Material zu bauen. Das Zitat ist übrigens ein gutes Beispiel dafür, dass sich der Mensch partout nicht als Teil der Natur begreifen will und offenbar von der Selbsvergewisserung zehrt, etwas „Höheres“, wahlweise „Besseres“ zu sein. Schön finde ich demgegenüber einen Ausspruch Jackson Pollocks, der auf den Rat eines Kunstkritikers hin, er solle doch mehr „nach der Natur“ malen, erstaunt erwiderte: „ich bin doch Natur“. Die Frage ist ja auch, wo die Natur eigentlich aufhören soll. Ist eine vom Biber gebaute Burg in diesem Sinne auch noch eine „natürliche“ Konstruktion?

    Verfasst von derdilettant | 6. März 2021, 14:42
    • Genau, so sehe ich das auch. Die Hybris der Menschen, der Natur überlegen zu sein, zeigt sich vielleicht am ehesten darin, dass der Mensch dabei ist, ganze Bereiche der Natur zu vernichten. Nur merken es wenige, dass er damit letztlich am eigenen Ast sägt. Und wenn er dann mit samt dem Ast gefallen ist, wird sich der Rest der Natur sehr schnell regenerieren, auch wenn es wohl nicht wieder genauso wird, wie es war. Pollock hat zwar Recht, dass wir Menschen Natur sind, aber irgendetwas läuft da schief.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 6. März 2021, 16:28
      • Die Erde ist wohl einfach kein stabiles System…

        Verfasst von derdilettant | 6. März 2021, 17:40
      • Das ist sie wohl in mehrfacher Hinsicht nicht. Unseren kosmologischen Kenntnissen entsprechend ist die Bahn der Erde um die Sonne instabil (in einigen Millionen Jahren kann sie chaotisch werden) und in 5 Milliarden Jahren kollabiert das Sonnensystem. Aber das ist m.E. keine Rechtfertigung dafür, dass wir die „kurze“ Episode der Menschheit auf der Erde mutwillig weiter zu einem kosmologischen Augenblick verkürzen.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 6. März 2021, 18:13
  7. Der Mensch sieht die Folgen seines Tuns nicht. Dafür bräuchte er einen weiteren Sinn, den die Natur so schnell nicht bereitstellen konnte.

    Verfasst von kopfundgestalt | 6. März 2021, 23:15
  8. Eiffelturm und Eiche, würde ich mal sagen. Da falllen mir die vielen Annäherungen von Delauney an den Eiffelturm ein.“Zufälligerweise“ habe ich bei den Bildbeispielen in meinem heutigen Eintrag zwei Mal Eiffelturm von Delauney, in denen man einen Versuch sehen könnte, die Eisenkonstrukton via Licht und Farbe in eine lebendige Wachstumsform zu überführen. Umgekehrt ist es bei einem anderen dort eingefügten Bild. aus dem lebendigen Baum wird eine abstrakt-geometrische Form.

    Verfasst von gkazakou | 7. März 2021, 00:18
    • Zufälligerweise setze ich mich gerade mit Delaunays Fensterbildern auseinander, in denen der Eiffelturm ja das vorwiegende Motiv ist. Man kann die Entwicklung in Richtung Abstraktion sehen, wenn man seine Bilder des „schwankenden“ Eiffelturms von 1910 (z.B. „La tour aux rideaux“ oder „Champs des mars“) mit denen von 1912 (z.B. „Fenêtres“ oder „Fenêtres simultanées“) vergleicht, wo sich alles in farbige Flächen aufgelöst hat, der Eiffelturm aber wegen seine „geometrischen“ Form dennoch zu erkennen ist. Ich sehe den schwankenden Turm als beginnende Auflösung der festen Stahlkonstruktion. Ich frage mich ob die Verzerrungen beim Blick durch die Fensterscheiben (damaliger Stand der Technik) Delaunay beeinflusst haben…

      Verfasst von Joachim Schlichting | 7. März 2021, 09:18

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