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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Auf die Spitze getrieben…

Dieses unfassbare Wesen, der Augenblick,
liegt zwischen der Bewegung und der Ruhe
als in keiner Zeit seiend…
Platon, Parmenides 156 e

Die Fotografie liefert uns eine Möglichkeit, zumindest einen Aspekt des Faustischen Wunsches zu realisieren, zu einem Augenblick sagen zu können: „Verbleibe doch,du bist so schön!“ – eine Situation als Bild zu fixieren. Dies ist dann besonders eindrucksvoll, wenn ein Augenblick aus einem schnell ablaufenden Vorgang herausgeschnitten wird, der während der realen Beobachtung gar nicht die Zeit hat, ins wache Bewusstsein zu dringen. Wenn man an einer solchen Performance als Beobachter beteiligt ist, wird einem jedenfalls nicht die komisch wirkende äußerst kurzzeitige Situation auffallen, dass hier der Fahrradfahrer mit dem Vorderrad auf der davon völlig unbeeindruckten Spitze eines Baumes balanciert. Was hier im räumlichen und zeitlichen Ausschnitt als physikalisch unmöglich erscheint, ist zwar auch im Kontext des Gesamtszenarios nicht trivial aber mit einiger Mühe erklärbar. Der wie ein geworfener Stein auf einer physikalisch vorbestimmten Bahn befindliche Fahrradfahrer nutzt hier in der Kürze des Flugs die Freiheitsgrade, die ihm bleiben, um eine möglichst interessante und verwegen erscheinende Figur abzugeben.

Diskussionen

6 Gedanken zu “Auf die Spitze getrieben…

  1. Ein continuum der Wahrnehmung gibt es ja nicht.
    Töne einer melodie treffen auf neuronale raster und aus diesen rasterinfos wird eine melodie errechnet.

    Verfasst von kopfundgestalt | 21. März 2021, 00:56
    • Alles scheint in der Tat quantisiert zu sein. Auch wenn die menschliche Wahrnehmung immer als Gegenstück zum Film angesehen wird, der aus Einzelbildern besteht, so weiß man inzwischen, dass dies im Prinzip nicht viel anders ist.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 23. März 2021, 09:42
  2. wieder toll beschrieben. danke. schönen sonntag dir!

    Verfasst von wolkenbeobachterin | 21. März 2021, 11:32
  3. Schaut verwegen aus. Die Kameraposition tut hier ein übriges dazu.
    Edgar

    Verfasst von seescho | 22. März 2021, 20:03

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