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Marginalia

Der Gedanke, der Spiegel, die Welt, die Wiederholung

Wo der Gedanke des Ichs nicht eins ist mit dem Begriffe der Welt, kann man sagen, daß dies reine Denken des Gedankens des Ichs nur zu einem ewigen Sichselbstabspiegeln, zu einer unendlichen Reihe von Spiegelbildern führt, die immer nur dasselbe und nichts Neues enthalten.*

Immerhin scheint die Reihe der ewigen Selbstabspiegelung zumindest perspektivisch auf einen imaginären Punkt zuläuft, so dass man nur hoffen kann. Bleibt nur zu hoffen, dass es kein Nullpunkt ist.


* Friedrich Schlegel: Kritische Ausgabe. München etc 1964, Bd. 2, S. 351

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Diskussionen

13 Gedanken zu “Der Gedanke, der Spiegel, die Welt, die Wiederholung

  1. eins sein mit dem Begriffe der Welt…..Kannst du dazu mehr sagen?

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    Verfasst von gkazakou | 25. März 2021, 00:17
    • Ich habe Schlegel so verstanden, dass die Identität zwischen Welt und Ich ein Gegenüber ausschließt, sodass so etwas wie Reflexion gar nicht erst zustande kommt. Diese Identität ist natürlich allenfalls als Zielvorstellung realisierbar. Mich hat an diesem Zitat beeindruckt, dass Schlegel hier eine physikalische Anschauung benutzt, die wir allenfalls aus Science Centern und Fahrstühlen kennen und nachdenklichere Zeitgenoss*innen ins Grübeln bringen können.

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      Verfasst von Joachim Schlichting | 25. März 2021, 08:49
  2. Wir hatten einen Geschichtslehrer, der recht eitel war. Ich zeichnete ihn mit einer vorgehaltenen Maske ( mit Stiel) , die nahezu exakt seinem Gesicht glich. Auf dem Boden lagen weitere identische Masken, die er schon benutzt hatte.

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    Verfasst von kopfundgestalt | 25. März 2021, 00:24
    • Da ist es dann schon einfacher, sich zwischen zwei Spiegel zu stellen, dann hat man gleich unendlich viele „Masken“ aufeinmal. Problem ist nur, dass sie nach einigen Spiegelungen immer grüner werden…

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      Verfasst von Joachim Schlichting | 25. März 2021, 08:32
      • D.h. das Spiegelbild verliert zusehends farbanteile. Wieso ist das so?

        Meine Zeichnung hatte auch den Inhalt, dass der Lehrer glaubte, eine vielschichtige Person zu sein, eine, die kaum auszuloten sei.
        Uns und mir kam es aber vor, dass er eigentlich immer derselbe war, dass von Reichtum keine Rede war.

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        Verfasst von kopfundgestalt | 25. März 2021, 09:35
      • Vielleicht ist dir schon einmal aufgefallen, dass hinreichend dickes Glas grün erscheint, z.B. wenn man auf die Kante einer Glasscheibe blickt. Das bedeutet, dass Glas in ganz geringem Maße alle Farben, außer dem speziellen Grün absorbiert. Ähnlich wie beim Wasser, bei dem man die Absorption der Komplementärfarbe von Blau auch erst bemerkt, wenn man durch eine dickere Schicht blickt, fällt einem bei der normalen Glasdicke nichts von dieser geringen Absorption auf. Und nun zum Unendlichkeitsspiegel: Bei jeder Hin- und Herreflexion, wird Licht absorbiert mit derselben Wirkung als würde man durch eine ganz dicke Scheibe blicken, die dann einen Grünschimmer zeigt.

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        Verfasst von Joachim Schlichting | 25. März 2021, 14:10
      • Das klingt sehr gut, danke!

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        Verfasst von kopfundgestalt | 25. März 2021, 15:54
      • Das freut mich!

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        Verfasst von Joachim Schlichting | 25. März 2021, 17:03
  3. Immerhin scheint, es dass… Oder anders, damit es nicht zwei „dass“ gibt. Oder drei. (Sorry! Schönes Bild!)

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    Verfasst von 中国大好き | 25. März 2021, 10:32
  4. Ich glaube, einen Nullpunkt gibt es zwar mathematisch, nicht aber in der physischen Welt. Rein theoretisch endet die Erdachse an den Polen in einem Nullpunkt. Tatsächlich dreht sich aber dort auch der winzigste Bruchteil eines winzigen Bruchteils noch um sich selbst. Sowohl die Achse, als auch der Nullpunkt sind lediglich gedacht.

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    Verfasst von christahartwig | 25. März 2021, 11:37
    • Die Mathematik hat das schöne Privileg, mit solchen fiktiven Entitäten zu operieren als wären sie real. Darin besteht auch ihre Stärke, jenseits der menschlichen Anschauung Welten zu erschließen und zu kreieren. Die unendliche Folge von Spiegelungen endet praktisch sehr schnell, weil bei Reflexion Licht absorbiert wird. Dennoch haben wir das Gefühl oder fühlen den Drang das Schema beliebig fortzusetzen, weil der Gedanke, es könnte einmal aufhören, auch seine Schwierigkeiten hat…

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      Verfasst von Joachim Schlichting | 25. März 2021, 14:37

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