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Didaktik, Geschichte, Wissenschaftstheorie, Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Blumen der Nacht

Trotz der kalten Nächte der letzten Tage hat der Winter keine Chance mehr, so sehr er auch des Nachts mit kristallinen Blumen (siehe Foto) gegen die sich tagsüber allenthalben entfaltenden botanischen Blumen zu konkurrieren versucht. Denn objektiv wird der jahreszeitliche Wechsel vor allem in der Bahn der Sonne um die Erde oder der Erde um die Sonne – wenn man es denn heliozentrisch beschreiben möchte – festgelegt. Weil die Drehachse der Erde schräg zu dieser Bahn orientiert ist und den Kreiselgesetzen entsprechend auch so bleibt (jedenfalls in absehbaren Zeiten), wendet sich die Nordhalbkugel im Sommerhalbjahr der Sonne zu. Wir erleben das von der Erde aus betrachtet darin, dass die Sonne im Sommer höher steigt und länger über dem Horizont verweilt und angenehme Temperaturen beschert.
Nachts ist es entsprechend umgekehrt. Bei klarem Himmel sind wir stundenlang dem kalten Weltraum ausgesetzt. Dadurch strahlt die Erde Wärme ab und kühlt sich ab. Wegen der großen Wärmekapazität des Bodens und der Gewässer führt diese Abkühlung immer seltener dazu, dass die Temperatur unter den Gefrierpunkt sinkt.
Das gilt aber vorerst noch nicht für Gegenstände mit geringer Wärmekapazität wie das blechernen Dach oder die Scheiben eines Autos. Das gestern Morgen aufgenommene Foto zeigt, dass sich die daran kondensierte Feuchtigkeit auf einem Autodach zu blumenartigen Gebilden kristallisiert, die in merkwürdigen Kontrast zu den jetzt allenthalben immer auffälliger und üppiger aufblühenden echten Blumen gerät.

Diskussionen

17 Gedanken zu “Blumen der Nacht

  1. So so, das kalte Weltall malt also 😀

    Verfasst von kopfundgestalt | 15. April 2021, 00:11
  2. Sehr schöne Nachteisblumen …
    Herzliche Morgengrüße vom Lu

    Verfasst von finbarsgift | 15. April 2021, 04:59
  3. Das Bild ist faszinierend schön und die Infos dazu sehr interessant!
    Liebe Grüße von Hanne

    Verfasst von hanneweb | 15. April 2021, 09:18
  4. Creatures of the night 🙃 von der wunderschönen Sorte

    Verfasst von Myriade | 15. April 2021, 11:29
  5. Sehr schön deine Gegenüberstellung von Nachtfrostblumen und Frühingsvegetation.
    Ich habe eine Frage: Was ist deine Ansicht: leben wir in einer Zeit einer ungewöhnlichen CO2-getriebenen Erderwärmung, oder eines menschengemachten Klimawandels (und was ist das genau?) oder erleben wir einfach nur den üblichen immerwährenden Wandel der Witterungslagen, den zB ich, die ich schon etwas länger lebe, in lebhafter Erinnerung habe? Ich neige der letzteren Ansicht zu.
    In meiner Kindheit erlebte ich Winter, in denen die Ostsee zufror oder riesige Schneemassen weggeschaufelt werden mussten, ich erlebte Sommer, in denen unsere Gäste aus dem gelben Regenmantel gar nicht rauskamen, aber ich erinnere mich natürlich auch an andere heitere Sommer, wo ein Sonnenbrand dem nächsten folgte..
    Bei uns ist es grad allzu trocken.In den 80er Jahren war es sechs Jahre lang sehr trocken, so dass das Wasser rationiert wurde. Dann kamen viele Jahre, in denen es ausreichend oder sogar ungewöhnlich viel regnete, aber wir sparen immer noch Wasser, verwenden zB das Abwaschwasser für die Toilettenspülung. .
    Mich würde deine Einschätzung sehr interessieren, da das Thema des „Klimawandels“ mich genauso umtreibt wie das der „Pandemie“. Mir fehlt der Glauben, ich neige dazu, beides für fake zu halten, von großen Interessen getrieben..Vielleicht hast du darüber schon mal etwas Ausführlicheres geschrieben oder hast vor, das zu tun? .

    Verfasst von gkazakou | 15. April 2021, 12:29
    • Wie du weißt, liebe Gerda, bin ich teilweise wissenschaftlich sozialisiert. Demnach sehe ich, dass eine strenge Korrelation zwischen Erderwärmung und C02- Verbrauch infolge der Industrialisierung besteht. Das ist das eine Faktum. Das zweite Faktum ist mir durch einen früheren Erdkundelehrer lange vor der Dokumentation des Club of Rome sehr plastisch vor Augen geführt worden. Er argumentierte, dass eine Voraussetzung für „höheres Leben“ auf der Erde eine Atmosphäre mit einem geringeren CO2-Gehalt darstellt. Die Versiegelung riesiger Tropenwälder und anderer organischer Stoffe infolge von (zufälligen?) Erdumwälzungen habe dann diese Voraussetzung erfüllt. Und dann fügte er hinzu: „Und wir Idioten haben nichts Besseres zu tun, das alles wieder hervorzuholen“. Nachdem was Naturwissenschaftler darüber sagen können spricht also sehr viel dafür, dass die Klimaerwärmung zumindest in der Geschwindigkeit vom Menschen gemacht ist. Natürlich gab es immer wieder Warm- und Kaltzeiten auf der Erde, aber die Veränderungen traten nicht in so kurzer Zeit auf und die Korrelation mit der CO2-Zunahme ist einfach zu offensichtlich. Selbst wenn der Klimawandel nicht menschengemacht wäre – was ich nicht glaube – kann ein Gegensteuern ja nicht schaden. Das ist in etwa meine Meinung dazu. Und was die Pandemie betrifft, so kann zumindest nicht geleugnet werden, dass die enorme Zunahme der Todesfälle durch das Virus (jetzt auch schon jüngere Menschen) und die vielen weitere schweren Verläufe Fakt sind. Die Alternative zu den Bemühungen, wie bei früheren Pandemien, nichts zu tun und auf die Herdenimmunität zu warten ist aus meiner Sicht moralisch nicht zu vertreten.
      Nein, ich habe nicht vor, mich mit diesen Dingen wissenschaftlich zu befassen, vielmehr geht es mir in meinem Ruhestand darum, mich für mehr Vertrauen in die Naturwissenschaften einzusetzen, indem ich versuche durch lebensweltliche Beispiele die Schwellenangst etwas zu vermindern.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 15. April 2021, 14:07
      • Herzlichen Dank, Joachim, dass du dir die Mühe gemacht hast, mir zu antworten. Ich nehme daraus: „Es kann ein Gegensteuern zumindest nicht schaden“. Das stimmt und gilt für all die Fehlentwicklungen und Übel, unter denen die Erde und die Menschheit leiden.
        Deine Beiträge sind auf jeden Fall ein Augenöffner für die Schönheiten der Natur und die wunderbaren Gesetze, die in ihr walten. Ich freue mich immer sehr, sie als letzte des Tages noch anzuschauen.

        Verfasst von gkazakou | 15. April 2021, 16:21
      • Vielen Dank! Insbesondere für dein echtes Interesse an den Problemen der Welt. Es ist wirklich nicht leicht angesichts der zahlreichen Widersprüche, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, befriedigende Antworten zu finden. Sobald man sich im Besitz einer Lösung zu finden vermeint (zumindest für sich selbst) fressen sich vom Rande her neue Zweifel in das bereits sicher Geglaubte. Wie du richtig bemerkst, erfreue ich mich nach wie vor an den Schönheit der Natur und darüber ihren Geheimnissen ein wenig näher gekommen zu sein…

        Verfasst von Joachim Schlichting | 15. April 2021, 17:06
  6. Ich empfinde diese bezaubernden Eisblumen weniger als Konkurrenz, sondern als Einladung früh aufzustehen, um sie besser betrachten zu können! Ich bin da immer viel zu spät dran. Dann hat die Sonne bereits gewonnen 😉 Wunderschönes Bild!

    Verfasst von Fotohabitate | 17. April 2021, 08:42
  7. Naja, es war auch mehr ironisch gemeint. Dass ich sie schön fand, magst du daran erkennen, dass ich sie für einen Blogbeitrag geeignet hielt. Eine andere Sache ist das mit dem frühen Aufstehen. Gerade an diesem Beispiel erfuhr ich, dass bereits kurz nach Sonnenaufgang das Ganze verwässerte… 😉

    Verfasst von Joachim Schlichting | 17. April 2021, 21:39

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