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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene, Physik und Kultur

Stutenschwänze aus Eiskristallen

Der nächste Tag brachte blauen Himmel und Zirruswolken, die gezerrt und vom Licht verklärt eine Vorstellung von hoher Ferne erzeugten. Als Kind hatte er lange unter dem Blattwerk der Sommerbäume gelegen, neben Getreidefeldern, um den vorüberziehenden Wolken Formen und Gesichter zu geben.*

Auf dem Foto sind klassische Cirruswolken zu sehen, die manchmal auch Stutenschwänze genannt werden, eine Bezeichnung, die vermutlich aus dem bäuerlichen Milieu stammt, in dem man mit Pferden zu tun hatte. Cirren treten in großer Höhe auf (5000 bis 13700 m) und bestehen wegen der dort herrschenden tiefen Temperaturen aus Eiskristallen. Sie sind oft vor einer Verschlechterung der Wetterbedingungen zu sehen und kündigen Niederschläge an. Sie selbst sind daran allerdings nicht beteiligt. Allenfalls fallen sie als Fallstreifen in wärmere und trockene Luft und verdampfen dabei ohne die Erdoberfläche zu erreichen.
Ihrer locken- und strähnenartigen Beschaffenheit zufolge kann man ihnen ansehen (Foto), wie sie durch die in großen Höhen herrschenden Winde auseinandergetrieben werden.


*Nicolaus Bornholm. America oder Der Frühling der Dinge. Frankfurt 1980, S. 112 

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Diskussionen

8 Gedanken zu “Stutenschwänze aus Eiskristallen

  1. Mir fällt hierzu „Häuptling Silberlocke“ ein. Gestern Nacht erschien mir diese Anmerkung zu doof, heute nicht.

    Verfasst von kopfundgestalt | 20. April 2021, 11:10
    • Meist ist es umgekehre, und man ist nachts mutiger. Locken sind auch nicht ganz abwegig, um das Phänomen zu cherakterieren. Ich freue mich immer darüber wie anschaulich und volksnahe Naturphänomene, Pflanzen und Tiere von unseren Altvorderen benannt wurden. Manchmal ist die Bezeichnung bereits so weit weg, dass man keinen direkten Bezug mehr dazu hat. „Stutenschwanz“ ist ja nun auch nicht gerade sehr verbreitet 😉

      Verfasst von Joachim Schlichting | 20. April 2021, 11:58
      • Ein spannendes Thema, das mit Sprache.
        „Manchmal ist die Bezeichnung bereits so weit weg, dass man keinen direkten Bezug mehr dazu hat.“
        Und dann kommen die Spracharchäologen und schauen nach den Wurzeln. Aber wieso hat man einst etwas gerade so benannt.
        Die Archäologen sind ja sogar in der Lage, rückwärts eine Sprachentwicklung und sogar Aussprache zu ermitteln, ohne jegliche Dokumente. Das ist in etwa wie ein Sprungbrett auf dem 15m-Turm, das sich scheinbar endlos sich in die Weite fortführt.

        Verfasst von kopfundgestalt | 20. April 2021, 13:40
      • In der Tat, ein spannendes Thema. Man weiß gar nicht, wo man zuerst anfangen soll…. 😉

        Verfasst von Joachim Schlichting | 20. April 2021, 17:12
      • …und wo man aufhören soll 🙂

        Verfasst von kopfundgestalt | 20. April 2021, 17:19
  2. Die meteorologische Bezeichnung ist Cirrus Uncinus. Das ist lateinisch und bedeutet: „lockige Haken“, was auch ganz gut paßt 🙂

    Verfasst von ch | 23. April 2021, 12:04
    • Die Alten hatten schon einen ausgeprägten Sinn für Anschauung. Auch im übrigen Bereich der Naturwissenschaften, z.B. bei Pflanzen und Tieren wundert man sich manchmal wie zutreffend die Namensgebung ist, auch wenn uns manchmal die Erfahrung mit den so benannten Objekten fehlt.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 23. April 2021, 12:21

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