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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene, Strukturbildung, Selbstorganisation & Chaos

Vulkanlandschaft von oben

Jedenfalls ist das der spontane Gedanke, der mir in den Sinn kommt, wenn ich diese Negativversion einer in der Sonne angeschmolzenen Asphaltschicht betrachte. Offenbar entspricht es unserem Bedürfnis, Strukturen ohnen erkennbaren Sinn einen solchen zu unterlegen. Selbst in Ausstellungen abstrakter Kunst erwische ich mich immer wieder dabei, sinnhafte Strukturen zu erkennen. Das Unbekannte und Namenlose wird uns leicht zum Numinosen und dagegen wehrt sich offenbar etwas in uns.

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Diskussionen

24 Gedanken zu “Vulkanlandschaft von oben

  1. ist das nun „naturschön“; „technikschön“ oder irgendwas dazwischen? Jedenfalls sehr bewegt und spannungreich..

    Verfasst von gkazakou | 11. Mai 2021, 00:09
    • Schwierige Frage. Denn einerseits kommt Bitumen ja auch in der Natur vor, andererseits ist er an der Nordseeküste von Wind und Wellen jahrelang „bearbeitet“ worden, um solche Strukturen hervorzubringen. Die Natur ignoriert offenbar technische Hervorbringungen und wandelt sie – sich selbst überlassen – in den „Naturzustand“ zurück. Mich hat an der Struktur besonders die halbe Caldera (links Mitte) beeindruckt, die mich an die halbe Caldera von Santa Cruz de la Palma erinnert.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 11. Mai 2021, 08:19
  2. Bei Wols oder Asger Jorn, um 2 Künstler zu nennen, schaute ich nie nach Figürlichem.
    Meine Frau kritisierte mal eine abstrakte Skulptur von mir als nicht „abbildend“, als nicht Träger einer Pareidolie.
    Mich interessiert eben primär die Form an sich.
    Das kann man kritisieren

    Verfasst von kopfundgestalt | 11. Mai 2021, 00:13
    • Nicht nach Strukturen zu „suchen“ ist offenbar gar nicht so einfach. Manchmal gelingt mir das, wenn ich abstrakte Kunstwerke als unmittelbar durch Form und Farbe wirkend ohne weitere Annäherungsversuche betrachte.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 11. Mai 2021, 08:22
      • Das ganze Thema ist „bizarr.“
        Nach dem, was ich äusserte, verwunderte es mich, vor etwa 8 Jahren jemand erkannt zu haben, den ich mehr als 30 Jahren nicht gesehen hatte. Und zwar von hinten, 25 m entfernt und nur für ein, zwei Sekunden in Bewegung. Dann verschwand die Person hinter einer Fassade.

        Verfasst von kopfundgestalt | 11. Mai 2021, 12:51
      • Das war bestimmt ein Wink des Schicksals. Du hättest ihm nachgehen sollen. Dem 25 m sprinten lag doch wohl noch drin… 😉

        Verfasst von Joachim Schlichting | 11. Mai 2021, 16:25
      • Ich sprach ihn später an. Das war in einem Konzert.
        Er war es. An mich konnte er sich allerdings nicht mehr erinnern…

        Verfasst von kopfundgestalt | 11. Mai 2021, 16:34
      • Dann bin ich beruhigt.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 11. Mai 2021, 16:52
  3. Was sollen wir als Betrachter schon tun: wenn wir etwas begreifen wollen, versuchen wir ja erst einmal es in bestehende Muster, die wir kennen, einzuordnen. Und wenn das nicht gelingt, dann wird einiges von uns abverlangt, wenn wir wirklich verstehen wollen.
    Die Kunst von Beuys und das Begreifen, im Laufe der Jahrzehnte, was es damit auf sich hat, ist dafür ein schönes Beispiel.
    Liebe Grüße, Jürgen!

    Verfasst von juergenkuester | 11. Mai 2021, 08:05
  4. Bevor ich gelesen hatte, was du abgebildet hast, dachte ich an eine Algen-Sand-Windskulptur.

    Verfasst von Ule Rolff | 11. Mai 2021, 09:14
  5. Strukturen oder Abbildhaftes zu sehen, ist meiner Ansicht nach nicht dasselbe. Immer und überrall sehe ich Strukturen – es ist vielleicht das Konkreteste überhaupt, da es das Tastorgan anspricht -, zugleich aber auch abstrakt, nicht abbildhaft. Anders ist es beim Bildsehen (Pareidolie): dabei werden Abschnitte der Struktur gedanklich isoliert und übertragen – so wie du, Joachim, hier die dir bekannte Caldera assoziierst und andere vielleicht eine schlecht verheilte Wunde oder eben gar nichts Bestimmtes sehen.
    Dass Kunststoffe wie alles andere auch den Naturgesetzen unterliegen, mag den Eindruck erwecken, als erobere die Natur sie sich zurück. Sie „möchte“ das natürlich und schafft es ja vielleicht auch – in Zeiträumen freilich, die zu groß sind, um sie zu überschauen. Auf dem Weg dahin beobachten wir dann all diese hybriden Zustände, die für uns ihren eigenen Reiz haben und die von etlichen Pflanzen und Tieren als neuartiges Habitat gern angenommen werden.

    Verfasst von gkazakou | 11. Mai 2021, 09:43
    • Dem würde ich zustimmen. Der an der Nordseeküste zwischen Steinbrocken gegossene Bitumen/Asphalt ist natürlich einerseits negativ konnotiert, ebenso wie Ölflecken auf der Straße. Wenn sie allerdings einen ästhetischen Reiz ausüben – wie hier die assoziationsgeladenen Strukturen oder beim Ölfleck die schillernden Farben, ist man oft gern bereit sich davon beeindrucken zu lassen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 11. Mai 2021, 10:42
      • Da sagst Du was!
        Interessant wird es, wenn sich zwei Dinge paaren, die man an sich nicht gern zusammen sieht: Öl und Schönheit. Oder…ich will da lieber nicht in weitere solche (dystopischen) Paare übergegehen.
        Nur ein harmloses: In Koyaanisquatsi wird eine technische Landschaft, also Fabrikhallen und blitzendes Chrom gezeigt, das einen feinen ästhetsichen Reiz in der Sonne hat. In langen Bildern. Aber dennoch, das zeigt sich in weiteren Bilder von Unrast, Gedränge, Müll und Aufruhr, haben diese Chromstrukturen im Keim etwas Hässliches in sich, führen es mit. Dieser Widerspruch!

        Verfasst von kopfundgestalt | 11. Mai 2021, 17:09
      • Daran merkt man, dass auch das Wissen um den Kontext oder Hintergrund des in gewisser Weise beeindruckenden Gegenstand in die Wahrnehmung (manchmal störend) hineinwirken kann. Widersprüch erträgen die meinsten nur bis zu einem bestimmten Grad, dann kippt die Sache.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 11. Mai 2021, 19:09
    • Ich möchte hier gern noch etwas hinzufügen. Ich schrieb in meinem Kommentar, man könne zB auch eine schlecht verheilte Wunde assoziieren. Nun sah ich heute ein Interview, das 1980 mit Beuys aufgenommen und vorgestern (am Tag deines Posts) anlässlich seines 100. Geburtstages ins Netz gestellt wurde. Da gibt es einen Bezug hierher „… und die erste Station „1921 Kleve Ausstellung einer mit Heftpflaster zusammengezogenen Wunde“. Ob dies eine Metapher für Beuys‘ Geburt sei? „Ja. So könnte man sagen.“
      Der Moderator findet den Satz „…mit Heftpflaster zusammengezogene Wunde“ . und den Bezug auf Beuys Geburtsort Kleve (Kleber) „kryptisch“, Beuys selbst korrigiert und sagt, es sei ein Bild und insofern nicht kryptisch, sondern .. ja was? konkret? offenbar? fasslich? verständlich?
      Ich liebe solche „Synchronizität“.

      Verfasst von gkazakou | 12. Mai 2021, 11:24
  6. Synchronizität_ Einmal las ich, im Zug von Alexandroupolis kommend Richtung Thessaloniki, in Goethes Farbenlehre. Draußen regnete es. Beim Thema Regenbogen überlegte ich intensiv, in welcher Reihenfolge denn eigentlich die Farben erscheinen, von innen nach außen: war das Ultraviolett innen oder außen? Wie ich so nachsann, blickte ich aus dem Fenster. Der Zug nahm grad eine große Kurve, wendete sich von der Ost-West in die Nord-Süd-Achse, und da stand im Westen, weit über die gesamte Ebene gespannt, ein perfekter Regenbogen. Ich war so verblüfft, dass ich überhaupt nichts dachte. Da meinte ich zu hören: „nun schau endlich mal hin!“ Das tat ich dann auch … (eines meiner eindruckksvollsten selbsterlebten Beispiele) LG

    Verfasst von gkazakou | 12. Mai 2021, 14:52
    • Gibt es eine schönere Situation, als eine so perfekte Antwort zu bekommen. In solchen Momenten ist man dann so überrumpelt, dass das Denken für einen Moment auszusetzen scheint. Zum Glück hat der Regenbogen solange stillgehalten, bis du dann bereit warst, die Antwort auf deine Frage auch entgegenzunehmen.
      Ich selbst habe vor vielen Jahren aber lange nach meiner Schulzeit im Urlaub an eine Klassenkameradin gedacht, die ich heimlich verehrt hatte und ich fragte mich aus welchen Gründen auch immer, wie sie jetzt wohl aussehen würde. Beim Abendessen im Hotel, in dem uns die Plätze zugewiesen wurden, saß ich dann mit ihr an einem Tisch – was sich allerdings erst nach einem längeren Gespräch herausstellte. Ich hatte zwar kurz die „Ähnlichkeit“ bei der Begrüßung bemerkt, den Gedanken dann aber schon wegen seiner Unwahrscheinlichkeit sofort verworfen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 12. Mai 2021, 16:36

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