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Marginalia, Physik im Alltag und Naturphänomene

Wege 19: Ein Weg braucht kein Wohin

fühlst du nicht, dunkel zwar, doch ebenso tief vielleicht wie ich, daß in diesen Begegnungen ein hoher Grad von Wirklichkeit sich manifestiert und gleichzeitig eine Art Durchlaß, ein Weg sich öffnet für unseren Blick? Es muß doch einen Grund geben für unser Glück unter diesen Bäumen. Für heute nur dieses Wenige noch, bis auf weiteres, so einfältig und ungewiß wie alle Aussagen unserer Stimme tief innen, dies: daß die Bäume in meinen Augen die ersten Diener des Lichtes sind und daß, infolgedessen, wenn du mir diese Torheit durchgehen läßt, der Tod unsere Tage erhellt, wenn wir uns unserem Gespensterdasein entreißen.*

Das Foto zeigt einen einsamen, geraden, endlosen, weitgehend zugewachsenen Weg schnurstracks auf den Horizont zulaufend kurz nach Sonnenaufgang in der Krummhörn (Ostfriesland). Die vertrockneten und geblichenen Schilfhalme, die noch aus dem Vorjahr stammen und die Schlote zu beiden Seiten des Weges säumen, reflektieren fast alle Wellenlängen des Lichts und erstrahlen daher im Rot der noch tiefstehenden Sonne.

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* Philippe Jaccottet. Der Spaziergäng unter den Bäumen. Zürich, Köln 1981. S.: 74

Diskussionen

20 Gedanken zu “Wege 19: Ein Weg braucht kein Wohin

  1. Lieber Joachim,
    Perfektes Licht zum fotografieren! Genau dieses Licht hat gestern den tiefroten Rhododendron unserer Nachbarn zum glühen gebracht.
    Einen schönen Tag von Susanne

    Verfasst von Susanne Haun | 9. Juni 2021, 06:01
    • Es ist wirklich erstaunlich, welche Wirkung Licht auf die Atmosphäre der Dinge hat. Die Rhododrendren waren mir in diesen Tage auch schon aufgefallen… Auch dir, liebe Susanne, einen schönen Tag und liebe Grüße, Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 9. Juni 2021, 08:58
      • Nun ist soviel Zeit seit meinem und deinem Kommentar vergangen, dass der Rhododendron schon ganz verblüht ist.
        LG von Susanne

        Verfasst von Susanne Haun | 17. Juni 2021, 14:22
      • Noch schneller als die Rhododendren verblüht der Klatschmohn – das war heute gerade Thema eines eindrucksvollen Gedichts von Bobrowski.
        Sei herzlich gegrüßt, Joachim.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 17. Juni 2021, 17:05
      • Da hast du recht, Joachim, bei mir stehen auch nur noch die Samenkapseln. Aber die sehen auch toll aus!
        Viele Grüße aus Berlin, Suanne

        Verfasst von Susanne Haun | 22. Juni 2021, 17:19
      • Das ästhetische Empfinden ist wirklich eine komplexe Sache – es spielen so viele subjektive Faktoren mit hinein… Aber wem erzähle ich das… Herzliche Grüße aus dem Teutoburger Wald, Joachim

        Verfasst von Joachim Schlichting | 22. Juni 2021, 18:29
      • Ja, die Ästhetik des Objekts, des Werks, nimmt einen großen Raum in meiner Dissertation ein.
        Heute regnet es in Berlin und ich werde mich gleich an meinem Arbeitstisch setzen und zeichnen.
        Liebe Grüße von Susanne

        Verfasst von Susanne Haun | 24. Juni 2021, 11:22
      • Das ist wirklich ein weites Feld… Wir hatten gerade einige Kommentare zur Frage, ob man Schönheit erklären kann. Das ist zwar etwas allgemeiner als „die Ästhetik des Objekts…“ aber spielt doch in die Fragestellung mit hinein. Ich bin schon gespannt, zu welchen Ergebnissen du schließlich kommen wirst. Bei so vielfältigen Aktivitäten weiß man gar nicht, ob man dir Sonne oder Regen wünschen soll. Im übertragenen Sinne wünsche ich dir auf jeden Fall Sonne.
        Bei der Gelegenheit eine formale Frage. Wenn ich zu deinen Beiträgen einen Kommentar schreiben möchte, dann erkennt mich das System nicht und verlangt, Name, Emailadresse etc. was natürlich nervig ist. Da das nur bei deinem Blog auftritt, frage ich mich, ob das etwas mit deinen Einstellungen zu tun haben kann.
        Liebe Grüße, Joachim.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 24. Juni 2021, 13:53
      • Ich habe mir gerade die Diskussion auf deinem Blog zum Schönen angeschaut. 🙂 Ja, da kann man endlos diskutieren. Sicher kennst du Ecos Buch zur Schönheit? Ich habe es letztes Jahr in der neusten Ausgabe reich bebildert zu Weihnachten bekommen.
        Ich bin auch auf meine Ergebnisse gespannt. Es ist viel dabei zu durchdenken, wir leben in einem Wandel, der viel mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft zu tun hat.

        Könntest du mal probieren, ob das System dich immernoch nicht erkennt, ich bin die Einstellungen für Diskussion nochmal durchgegangen und habe an einer Stelle etwas geändert. Seit ich auf den WordPress Business Tarif gewechselt habe, funktioniert leider einiges in meinem Blog nicht mehr, ich schrieb in Blogbeiträge über meinen Frust dazu. Auch ich kann nicht mehr kommentieren ohne mich anzumelden, sogar mit 2Faktor Autentifizierung! Ich gehe seither über den Reader, was mir nicht gefällt, aber was dann einfacher für micht ist. Leider komme ich von den Mails zu neuen Blogbeiträgen nicht sofoert in den Reader. 😦 und muss den Umweg über den safari/firefox gehen.
        Einen schönen Tag und herzlichen Dank,
        Susanne

        Verfasst von Susanne Haun | 28. Juni 2021, 12:50
      • Liebe Susanne, ich denke man muss Kunst und Schönheit trennen. Nicht jeden Kunstprodukt ist schön und nicht alles was schön ist, ist damit auch schon Kunst. Interessant ist natürlich der Überschneidungsbereich. Aber ich möchte die Diskussion, die ich eigentlich mit der Überschrift zu dem Post gar nicht erst aufkommen lassen wollte, nicht wieder anheizen: Schönheit ist Schönheit ist Schönheit.
        Ich habe soeben versucht, bei dir einen Kommentar abzusetzen, leider immer noch vergeblich. Ich klicke auf das „W“ – Symbol (früher ging das durchwege ohne) und er heißt: Verbindung mit WordPress. Aber er rödelt und rödelt und kriegt die Verbindung offenbar nicht hin..
        In letzter Zeit is „WordPress“ mit seinen Verschlimmbesserungen nicht gerade attraktiv.
        Eine schöne kreative Woche! Joachim.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 28. Juni 2021, 16:27
      • Lieber Joachim,
        ich versuche gerade herauszubekommen, welchen Kommentar ich vor meinem Urlaub nicht mehr beantwortet habe. Ich glaube, dieser hier gehört dazu.
        Ja, leider läuft WordPress in letzter Zeit nicht mehr rund. Nicht nur an dieser Stelle. Diese Fehler haben mir viel Freude am Bloggen genommen. Ich versuche nicht mehr zu erforschen, wie man es wieder korrigieren kann. Es sind Programmfehler, die die Entwickler beheben müssen.
        Irgendwann scheinen die Softwareunternehmen so arogant zu werden, dass sie ihren Kunden (also uns) egal werden. Zu viel Erfolg ist in dieser Hinsicht scheinbar nicht gut.
        Einen schönen Wochenbeginn von Susanne

        Verfasst von Susanne Haun | 26. Juli 2021, 08:52
      • Liebe Susanne,
        das sehe ich genauso. Ich frage mich einfach, warum die nicht einfach aufhören, an einigermaßen gut laufender Software ständig herumzufummeln. Aber leider sitzen die am längeren Hebel. Ich war einige Tage an der Nordsee (netzfrei), daher erst jetzt meine Antwort.
        Vielen Dank und liebe Grüße, Joachim.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 27. Juli 2021, 21:31
      • Lieber Joachim,
        ich habe irgendwo gelesen, das apple seine Betriebssystem immer mehr getrennt hat, also IOS für Handy und iPad und für die Mac Standgeräte. Das da vieles fehl geht, dass kann ich mir gut vorstellen. Auf dem großen Mac mit Safari funktioniert WordPress nur bedingt. Ich arbeite nur noch mit dem Firefox, wenn ich Beiträge schreibe.
        Es gibt auch viele Entwickler, die nur für sich und nicht für ihre Kunden arbeiten. Ich denke, dass ist seid Zuse, sprich vom Anbeginn der Computerzeit, schon ein Problem 😉
        Ich kenne noch den Spruch, dass ein Informatiker erst ein Betriebssystem entwickelt, bevor er mit der eigentlichen (arbeitenden) Software beginnt.
        Liebe Grüße von Susanne

        Verfasst von Susanne Haun | 28. Juli 2021, 08:14
      • Ja, ich denke, dass wir damit leben müssen. LG, Joachim.

        Verfasst von Joachim Schlichting | 28. Juli 2021, 12:34
  2. Sind nicht alle Wege „Heimwege“? Sowohl die, die vor uns liegen, als auch die, die wir zurück gelegt haben. Die verborgenen, verschlungenen und die geheimen… ach darüber kann man viel sinnieren. Danke für die Anregung. Ich streife zu dieser frühen Stunde durch den Garten und nehme den Gedankenfaden auf. Danke dafür. Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag. Marie

    Verfasst von mmandarin | 9. Juni 2021, 06:15
    • Ja, würde ich sagen. Auch wenn sie uns gerade erscheinen, landen wir doch immer wieder dort, von wo wir kamen und wo wir auch wieder hin wollen, Aber es lohnt sich, sich zu beWEGEn und sich durch die Eindrücke bewegen zu lassen. Auch dir einen schönen Tag! Joachim.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 9. Juni 2021, 09:07
  3. Ich verstehe zweierlei nicht:
    1. verstehe ich das rot nicht recht zu erkennen due to my rotgrünblindheit
    2.den torhaften Schlusssatz des Gedichts , was will uns der Meister sagen?! Bin ich auch da nicht empfänglich?
    Lücken muss es geben, das ist klar.

    Verfasst von kopfundgestalt | 9. Juni 2021, 09:01
    • Lieber Gerhard, die verblichenen und daher fast weißen Schilfhalme nehmen das Rot der Sonne an und beleuchten damit unseren scheinbar geraden Weg durch die Natur. Auf dem Foto gibt es zwar keine Bäume, auf die Jaccottet anspielt, aber auch andere grüne Pflanzen sind (auch physikallsch gesehen) Ausdruck des Lichts. Ich denke, dass der geheimnisvolle letzte Satz geeignet ist, das eigene Denken über das was sich zwischen Licht, Leben und Tod abspielt in Gang zu bringen.

      Verfasst von Joachim Schlichting | 9. Juni 2021, 09:19
  4. Wunderbar!

    Verfasst von Johanna | 9. Juni 2021, 09:11

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